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Wegen schlechter Arbeitsbedingungen

Tschechische Ärzte überweisen sich nach Deutschland

Die Arbeitsbedingungen für junge Ärzte in Tschechien sind miserabel: 80 Stunden arbeiten in der Woche für 800 Euro brutto im Monat bei extrem hoher Arbeitsbelastung - kein Wunder, dass im vergangenen Jahr hunderte Ärzte aus den Kliniken geflohen sind. Die Regierung aber spart weiter.

Von Stefan Heinlein, DLR/DLF-Hörfunkstudio Prag

Abendvisite im Krankenhaus Sokolov: Chefarzt Tomasch Cepelak ist bereits seit zehn Stunden im Dienst und ein langes Arbeitswochenende liegt noch vor ihm. Vier Planstellen sind seit Monaten unbesetzt. Er und seine Kollegen müssen deshalb regelmäßig Extraschichten leisten. Die Situation ist fast nicht mehr zu ertragen. "Wir können eigentlich keinen Urlaub planen und wenn jemand von uns krank wird, bricht alles zusammen. Die Suche nach qualifizierten Ärzten ist ein Riesenproblem", sagt Cepelak.

Bessere Krankenhäuser, bessere Bezahlung - geringere Belastung

Arzt hält Stethoskop
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Für die Ärzte ist die Situation in den Krankenhäusern kaum noch zu ertragen.

Die 25.000 Einwohner Stadt Sokolov liegt in Nordwestböhmen. Bis zur Grenze nach Sachsen sind es nur wenige Kilometer. Obwohl sie die Klagen der deutschen Kollegen über ihre Arbeitsbedingungen genau verfolgt, ist das große Nachbarland eine Verlockung für die junge Ärztin Viktoria Cepelakova: "Ich träume oft von einer Arbeit in Deutschland. Die Krankenhäuser sind dort viel besser ausgerüstet und die fachliche Weiterbildung ist klar geregelt. Außerdem ist die Arbeitsbelastung nicht so extrem hoch wie bei uns - obwohl deutsche Ärzte deutlich besser bezahlt werden."

Ondrej Zika hat sich bereits vor Jahren auf den Weg nach Deutschland gemacht. Der Anästhesist arbeitet auf der Intensivstation im Diakonie Krankenhaus Chemnitzerland. An seine erste Stelle in Tschechien erinnert er sich nur ungern. Die schlechte Bezahlung reichte damals kaum aus um mit seiner jungen Familie über die Runden zu kommen. Den Schritt nach Deutschland hat er deshalb nie bereut: "Ich habe wöchentlich 80 bis 90 Stunden gearbeitet und es war keine Änderung in Sicht. Im Gegenteil die Politiker und Medien haben uns beschimpft als wir mehr Lohn gefordert haben. Also habe ich mich entschlossen nach Deutschland zu gehen."

Ärzte-Exodus nach Deutschland sorgt für Notstand in Tschechien
S. Heinlein, ARD Prag
27.09.2012 15:52 Uhr

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800 Euro brutto im Monat

Umgerechnet rund 800 Euro brutto beträgt das Anfangsgehalt junger Ärzte in Tschechien. Ein harter Arbeitskampf vor rund einem Jahr brachte nur wenige Verbesserungen. Noch immer ist der Durchschnittslohn Lichtjahre vom Gehalt der deutschen Kollegen entfernt. Immer mehr Mediziner kehren deshalb ihrer Heimat den Rücken - sehr zur Freude von Stephan Lazaridies. Ohne die ausländischen Ärzte könnte der Geschäftsführer des Diakoniekrankenhauses eine ausreichende Versorgung der Patienten nicht mehr gewährleisten. "Der ausländische Anteil liegt ungefähr bei 25 Prozent. Das sind alles gut ausgebildete Leute und sie passen auch kulturell zu uns. Wenn die Familien mitkommen - Frau und Kinder - dann wird das auch eine nachhaltige Entwicklung und die Leute bleiben hier."

600 Mediziner in nur einem Jahr

Das erfolgreiche Werben deutscher Kliniken um Ärzte aus dem Nachbarland , sorgt in Tschechien für gewaltige Problemen. Rund 600 Mediziner haben in den vergangenen zwölf Monaten Tschechien verlassen und jährlich werden es mehr. Fast die Hälfte der jungen Ärzte geht mittlerweile direkt nach dem Examen ins Ausland. Ein dramatischer Adlerlass, so der Präsident der tschechischen Ärztekammer Milan Kubek: "Das sind alarmierende Zahlen und ein Drama für das tschechische Gesundheitswesen. Doch solange unsere Ärzte in Deutschland fünfmal mehr verdienen als in Tschechien, wird dieser Exodus weitergehen. Die einzige Lösung ist die grundlegende Verbesserung der Arbeitsbedingungen, deutlich mehr Gehalt und eine verbesserte Weiterbildung."

Doch die Mitte-Rechts-Regierung in Prag lehnt dieses Rezept kategorisch ab. Sie steuert einen eisenharten Sparkurs. Die Leidtragenden sind die Patienten, denn Privatpraxen sind Mangelware. In Tschechien erfolgt die ärztliche Versorgung fast ausschließlich über die Krankenhäuser. Dort werden die Warteschlangen in den kommenden Jahren noch länger werden. Die Ärzteverbände und Gewerkschaften warnen bereits vor dem vollständigen Kollaps des Gesundheitssystems.

Stand: 29.09.2012 11:45 Uhr

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