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Stichwahl um Präsidentenamt
Spannendes Finale in Tschechien
In Tschechien ist die Stichwahl über den künftigen Staatschef zu Ende gegangen. Die Bürger hatten die Wahl zwischen dem Linkspopulisten Zeman und dem konservativen Adeligen und Außenminister Schwarzenberg. In den Umfragen hatte Zeman zuletzt leicht die Nase vorn. Das Ergebnis wird noch für heute erwartet.
Von Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkstudio Prag
Stimmabgabe im Blitzlichtgewitter. Ein breites Lächeln für die Fotografen - nach einem harten Wahlkampf gibt sich Milos Zeman siegesgewiss. In den letzten Umfragen liegt er knapp in Führung. "Ich bin ein alter Hund und ruhiger geworden. Zwar ging es im Wahlkampf richtig zur Sache, aber jetzt ist es vorbei. Schauen wir mal, wer von uns beiden gewinnt", sagt er mit Blick auf seinen Kontrahenten Karel Fürst zu Schwarzenberg.
Im Wahlkampf zog der Linkspopulist Zeman alle Register. Mit dem Slogan "Stoppt diese Regierung" kämpfte er gegen den unpopulären Sparkurs von Ministerpräsident Petr Necas. Damit sicherte er sich die Unterstützung der Kommunisten und Gewerkschaften.
Kurz vor der Entscheidung begann Zeman dann eine Schlammschlacht um die Vergangenheit. Der ehemalige Ministerpräsident machte sich zum Verteidiger der umstrittenen Benes-Dekrete. Mit den Verordnungen des Nachkriegspräsidenten Edvard Benes (1945-48) wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die Vertreibung und Enteignung der Sudetendeutschen geregelt. Seinen Kontrahenten Schwarzenberg beschimpfte Zeman als Sprecher der Sudetendeutschen.
Tschechen bestimmen in Stichwahl neuen Präsidenten
tagesschau 09:05 Uhr, 26.01.2013, Roman Nuck, MDR
"Wir unterstützen unseren Milos, er ist einer von uns, ein echter Tscheche", meint Mann aus der Industriestadt Ostrava. "Der Fürst soll doch dort kandidieren, wo er sich damals vor den Kommunisten versteckt hat." Mit dem Fürst ist Schwarzenberg gemeint.
Doch der aggressiv-nationalistische Wahlkampf von Zeman motivierte die Anhänger Schwarzenbergs. Seit Öffnung der Wahllokale herrscht dichter Andrang vor allem in den großen Städten des Landes. Dort hofft eine junge gebildete Mittelschicht auf einen politischen Neuanfang. "Karel Schwarzenberg muss unser Präsident werden. Er hat Stil und kann und im Ausland repräsentieren. Er ist für Europa und das gefällt mir sehr", sagt ein Wähler.
Mittelschicht hofft auf politischen Neuanfang
S. Heinlein, ARD Prag
25.01.2013 20:46 Uhr
Richtungsentscheidung in Tschechien
"Zeit der Entscheidung: Wohin geht unser Land?", fragt die Tageszeitung "Mlada Fronta". Die Schlagzeile bei "Lidove Noviny" lautet: "Zusammenprall der Werte und Kulturen". "Diese Wahl stellt das EU-Land Tschechien vor eine Richtungsentscheidung", meint auch der Politikwissenschaftler Jiri Pehe. "Das ist nicht nur der übliche Kampf Rechts gegen Links. Es geht auch darum, ob die bisherige Politik von Vaclav Klaus fortgesetzt wird, oder ob wir endlich eine Zivil- und Bürgergesellschaft im Sinne von Vaclav Havel entwickeln."
Immer wieder hatte sich der 75-jährige Fürst Karel Schwarzenberg in seinen Wahlkampfreden auf den verstorbenen Bürgerpräsidenten berufen. Als sein ehemaliger Kanzleichef werde er die Werte von Vaclav Havel fortführen, das seien Anstand und Moral. "Ich verspreche, dass ich alles unternehmen werde, um aus Tschechien wieder ein ordentliches und erfolgreiches Land im Herzen Europas zu machen."
Milos Zeman dagegen kündigte an, er werde als Präsident die Tradition von Vaclav Klaus fortsetzen und sich vorrangig um die Innenpolitik kümmern. Reisen in ferne Länder und zu europäischen Gipfeltreffen seien nicht die Aufgaben eines tschechischen Präsidenten.
Stand: 26.01.2013 14:00 Uhr
