US-Präsident Trump hält eine Rede | Bildquelle: AP

Unterstellung via Twitter Trump wirft Obama Abhören seines Telefons vor

Stand: 05.03.2017 03:14 Uhr

US-Präsident Trump hat schwere Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Obama erhoben. In einer Serie von Tweets schrieb er, Obama habe ihn vor der Präsidentschaftswahl im Trump Tower abhören lassen. Beweise dafür lieferte er nicht.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

In insgesamt sechs Tweets beschuldigte US-Präsident Donald Trump seinen Vorgänger Barack Obama schwer.

Es sei schrecklich! Er habe gerade herausgefunden, dass Obama ihn unmittelbar vor dem Sieg im Trump Tower abgehört habe, schrieb er am Morgen auf Twitter. Der Ex-Präsident habe nichts gefunden. Das sei McCarthyismus, fügte Trump an und erinnerte an den als Kommunistenjäger verschrieenen Senator aus den 1950er-Jahren.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
How low has President Obama gone to tapp my phones during the very sacred election process. This is Nixon/Watergate. Bad (or sick) guy!

Ein außergewöhnlicher Vorgang, so etwas von einem amtierenden Präsidenten gegenüber seinem Vorgänger zu hören, kommentierte der Radiosender NPR. Abhöraktionen hätten durch das Geheimdienst-Gericht autorisiert werden müssen. Das bestätigte der demokratische Senator Ben Cardin auf CNN: "Wenn seine Tweets irgendeine Basis hätten, dann wären die Maßnahmen von den Gerichten überwacht worden."

Präsident Trump wirft Obama Abhöraktion im Trump Tower vor
A. Horchler, ARD Washington
04.03.2017 16:52 Uhr

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Die konservativen Fox News nannten Trumps Tweets "explosive Anschuldigungen". Der Präsident müsse ja einen Grund für seine Vorwürfe haben. Mehr als die Kurznachrichten präsentierte der Sender allerdings nicht. Und Donald Trump hatte keine Beweise für seine Anschuldigungen gegen Obama vorgelegt. In seinen Botschaften fragt er, wie tief sein Vorgänger gesunken sei, wenn er während des von ihm so bezeichneten "heiligen Wahlprozesses" seine Telefone anzapfe. Er sei ein böser oder kranker Typ.

Trump: "Das ist Watergate"

"Ist das würdevoll, seinen Vorgänger einen kranken Typen zu nennen", fragt Obamas ehemaliger Sicherheitsberater Ben Rhodes ebenfalls auf Twitter und spielt auf das Lob für Trumps Rede vor dem US-Kongress vergangene Woche an. "So ist er eben", sagt Ron Brownstein von der Zeitschrift "The Atlantic" zu den Äußerungen des Präsidenten, "ein Mann der sich über viel beklagt, der sich oft missverstanden fühlt und keinen Filter hat".

Das sei Nixon/Watergate, schob Trump in einer Twitternachricht nach. Präsident Nixon musste nach der Watergate-Abhöraffäre zurücktreten.

Obama reagierte auf die Anschuldigungen. "Weder Präsident Obama noch irgendein Mitarbeiter des Weißen Hauses haben jemals die Überwachung eines US-Bürgers angeordnet", sagte ein Sprecher des ehemaligen US-Präsidenten.

Schon vor Tagen hatte der Präsident geäußert, Obama stecke hinter den Veröffentlichungen zu den Russlandkontakten seines Wahlkampfteams. Paul Ryan, Mehrheitsführer im US-Repräsentantenhaus dagegen gab sich überzeugt: Das sei nicht der Fall.

Was steckt hinter Trumps Tweets?

Beobachter der Zeitung "The Hill" brachten die Kurznachrichten-Serie mit Trumps Neigung in Verbindung, konservative Online-Nachrichten von Publikationen, die ihm freundlich gegenüberstehen, umgehend weiterzuverbreiten. Eine konservative Radiostation und Breitbart News, deren ehemaliger Chef Trump-Berater Steve Bannon war, hatten am Freitag berichtet, Ex-Präsident Obama habe mit Methoden des Polizeistaates versucht, während der Wahl einen sogenannten "stillen Staatsstreich" durchzuführen.

Trump könnte mit seinen Meldungen aber auch versucht haben, offene Fragen zu den Russlandkontakten seiner Wahlkampagne zu übertönen, vermuten andere US-Medien. Der russische Botschafter in Washington, mit dem Justizminister Jeff Sessions im Wahlkampf Kontakt hatte, habe das Weiße Haus 22 Mal während Obamas Präsidentschaft aufgesucht, schrieb Trump in einer weiteren Kurznachricht.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. März 2017 um 18:21 Uhr

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