Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Trump nach Urlaub Der Präsident zurück im Chaos

Stand: 21.08.2017 08:45 Uhr

Der Chef ist zurück im Weißen Haus und was er jetzt dringend braucht, ist Rückenwind. Dabei ist US-Präsident Trump mittlerweile wohl isolierter, als er selbst glaubt, sagen selbst Republikaner. Immerhin scheint die Afghanistan-Strategie zu stehen.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington

Nach seinem Urlaub mit Unterbrechungen in seinem Golfclub in New Jersey wird US-Präsident Donald Trump ab heute wieder aus dem Weißen Haus die Regierungsgeschäfte führen. Nachdem Chefstratege Stephen Bannon, die treibende Kraft hinter Trumps "America First"-Politik, am Freitag seinen letzten Arbeitstag hatte, fragen sich viele, ob es bei Trump tatsächlich einen politischen Kurswechsel geben könnte - und wie es nach der Chaos-Woche und seinen Charlottesville-Äußerungen weitergeht. Trump hatte nach dem Tod von Heather Heyer die Gewalt rechter Demonstranten mit der der Gegendemonstranten quasi auf eine Stufe gestellt.  

Newt Gingrich, Ex-Präsidentschaftsbewerber der Republikaner und ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses, meint, Trump stehe inzwischen isolierter da, als er selbst ahnt: "Er muss sich endlich Gedanken machen, warum es nicht läuft. Man sackt nicht in Meinungsumfragen auf 35 Prozent Zustimmung ab und wird aus der eigenen Partei angeschossen, wenn alles in Ordnung ist."

Kritik von allen Seiten

Immer mehr Beratergremien gehen Trump von der Fahne. Drei Wirtschaftsgremien haben sich schon aufgelöst. Jetzt gab der Ausschuss für "Künste und Geisteswissenschaften" seinen Rücktritt bekannt. Als Grund nannte die Gruppe ebenfalls Trumps fragwürdige Gleichsetzung von Rechtsextremen und Gegendemonstranten nach den Ausschreitungen von Charlottesville. Das Kündigungsschreiben enthielt offenbar zusätzlich noch eine versteckte Botschaft: Die Initialen der sechs Absätze des Briefs bilden das Wort "resist" - Widerstand leisten.

Zahlreiche Galadinner storniert

Einen Rückzieher als Trump-Berater machte auch Reverend AR Bernard, Vorsitzender des Verbands der Christlichen Kulturcenter in den USA. Er kündigte die Zusammenarbeit in Trumps "Kommission der religiösen Führer" auf: "Wenn man so inkonsistent ist mit seinen Botschaften, dann heißt das, dass man keinen eigenen Überzeugungen und Werten folgt, sondern sich Dinge einflüstern lässt. Und damit habe ich ein Problem."

Auch an anderer Stelle bekommt Trump Gegenwind zu spüren: Die Heilsarmee und das Rote Kreuz gehören zu den Institutionen, die bereits gebuchte Galaveranstaltungen in Trumps "Mar-al-Lago"-Luxushotel in Florida abgesagt haben. 19 Einrichtungen stornierten bislang ihre Spendendinner, neun allein in der vergangen Woche. Nach Trumps Äußerungen zu Charlottsville schrieb etwa die amerikanische Krebshilfe in ihrer Absage: "Für unsere Arbeit sind wir den Werten einer vielfältigen Gesellschaft verpflichtet."

Afghanistan-Strategie steht

Dabei bräuchte Trump zu Beginn seines achten Regierungsmonats dringend Rückenwind: Er hat bisher kaum eins seiner politischen Vorhaben umsetzen können. Heute Abend will er in einer Rede seine weitere Afghanistan-Strategie darlegen. Und morgen will er sich vor Tausenden Anhängern in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona feiern lassen. Der Bürgermeister von Phoenix fürchtet Ausschreitungen und möchte, dass Trump den Auftritt verschiebt.

Ein Satz machte am Wochenende im politischen Washington die Runde: "Kelly’s not yet done!" Stabsschef John Kelly, der mutmaßlich hinter der Trennung von Bannon steckt, will weiter personell aufräumen. Aber ob Kelly das Hauptproblem - den Präsidenten - disziplinieren kann?

Kaum Hoffnung auf Neuanfang

Maggie Haberman von der "New York Times", die Bannons Abgang als Erste verkündete, ist da skeptisch: "Kelly wird Struktur in den Laden bringen, aber er schläft nicht neben Trump und schließt abends dessen Handy in den Safe. Er hat auch nur begrenzt Kontrolle."

Und dass Trump ohne Bannons Einflüsterung seine Politik ändern wird, glaubt Haberman auch nicht: "Bannon und Trump sind von ihren Überzeugungen her absolut nah beieinander. Und wer hofft, dass es im Weißen Haus jetzt einen Neuanfang gibt, wird - fürchte ich - enttäuscht werden."

Der geschasste Bannon scheint dagegen beim Online-Medium "Breitbart News", wo er vor seinem Engagement im Weißen Haus arbeitete, schon wieder erfolgreich die Strippen zu ziehen: Am Wochenende erschienen dort mehrere Artikel, die Trumps Sicherheitsberater H. R. McMaster anschießen. Bannon und McMaster sollen bereits im Weißen Haus gegeneinander gearbeitet und häufig gestritten haben.

Urlaub vorbei, Bannon weg: Wie geht es weiter im Weißen Haus?
Gabi Biesinger, ARD Washington
21.08.2017 08:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. August 2017 um 06:14 Uhr.

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