Eingang von Trumps Golfclub Bedminster  | Bildquelle: AP

Urlaub vom "Sumpf" Trumps Weißes Haus am Golfplatz

Stand: 12.08.2017 12:21 Uhr

US-Präsident Trump residiert nicht nur im Weißen Haus - regelmäßig entspannt er auch auf seiner Golfanlage im beschaulichen Ort Bedminster. Darüber freuen sich nicht alle Anwohner: Einige fühlen sich gestört oder sogar in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio Washington

Wenn ER Urlaub vom Washingtoner Sumpf macht, wird es in Bedminster still. "Kein Flugzeug ist in der Luft. Normalerweise fliegen hier viele", sagt Pierce. Alles steht still, bis ER vorbei ist. Das verschlafene 8000-Einwohner-Nest in Starre. Keine Autos, keine Flieger. Nur seine Kolonne. Zweimal rauscht sie über die Hauptstraße - zum Trump National Golf Club.

Farmerssohn Pierce am Eistresen (Foto: Antje Passenheim)
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Farmersohn Pierce freut sich über die Besuche von Präsident Trump in Bedminster.

"Wir sehen ihn nur, wenn er kommt und fährt. Er wohnt da oben auf seinem großen Grundstück." Und trotzdem findet der 20-jährige Farmersohn am Eistresen des Tante-Emma-Ladens: "It’s pretty cool", dass der Präsident das kleine Örtchen in New Jersey zu seinem Sommerferiensitz macht. "Camp David North" nennt sich das Dorf inmitten der Fuchsjagd- und Pferdegegend scherzend.

Vier Ziegen für die Steuer

Auf den Veranden der Holzhäuser stehen hier Schaukelstühle. Es gibt einen Wäscheladen, eine Post und mehrere kleine Diners. Und eben Trumps Golfresort - das der Präsident zum Summer White House erklärt hat. "Früher war das mal eine große Rinderfarm", weiß Pierce. Mit großen Bäumen und viel Vieh. Heute hält der Präsident sich darauf nur vier Ziegen – "Damit er das Land als landwirtschaftliche Nutzfläche erklären kann und weniger Steuern zahlen muss. Eine Farm kostet weniger Steuern als ein Golfplatz."

"Er ist schließlich der Präsident - und jeder sollte das wissen", mahnt die Eisverkäuferin hinter dem Tresen. Sie hat Trump hier nie gesehen. Und Pierce weiß: Er liebt die Pizza vom andern Ende der Straße. Aber die holt er sich nicht selbst.

Früher holte Trump die Pizza selbst

Jose aus der Pizzeria (Foto: Antje Passenheim)
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Pizzabäcker Jose erhielt von Trump eine Anstecknadel.

"Das letzte Mal kam er vor zwei Jahren", wissen Juan und Jose, die mexikanischen Pizzabäcker in der Trattoria Mediterranea. Jetzt schickt er den Secret Service zum Take Away. Eine Anstecknadel vom Weißen Haus haben sie ihnen dafür an die Wand geheftet - vom Präsidenten höchstpersönlich. "Meatballs liebt er als Belag, Meatballs mit Tomatensauce."

Und seine Fans machen es ihm nach. Ja, Trump sei gut für das Geschäft, meint auch Diner-Chef Steve von nebenan: "Wenn er hier ist, hilft uns das: die ganzen Reporter, Secret-Service-Leute, Fans." Doch nicht alle in Bedminster gehören dazu. Zum Beispiel Pegg Schaffer, die Vorsitzende der Demokraten hier.

Nicht alle lokalen Geschäfte profitieren

Pegg Schaffer (Foto: Antje Passenheim)
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Lokalpolitikerin Pegg Shaffer wünscht sich, dass Trump dem Ort fernbleibt.

Er habe das Weiße Haus, den Trump Tower und sein Resort in Florida. "Warum muss er uns hier stören", meint die Lokalpolitikerin: "Er legt die Flugplätze lahm, den Verkehr. Er kostet den Steuerzahler nur Geld. Auch, wenn Bedminster vom Bund für die Sicherheitskosten entschädigt wird."

Viele wollten ihn einfach nicht ständig hier haben. "Wir haben einen Mann im Weißen Haus, der uns beschämt", sagt Pegg. "Und jetzt bringt er das Weiße Haus auch noch hierher." Auf sein gut zwei Quadratkilometer großes Gelände, auf dem viele Familienmitglieder ihre Häuschen haben.

Trump für immer in Bedminster?

Proteste gegen Trump in Bedminster (Foto: Antje Passenheim)
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NIcht alle Einwohner von Bedminster sind Freunde von Trump.

Trump träumt angeblich von einem Mausoleum darauf - mit Blick über den 36-Loch-Platz. Dabei schummele der Präsident selbst beim Einputten, weiß Pegg: "Regelmäßig", lacht sie. "Ich habe mit Leuten geredet, die mit ihm gespielt haben. Die haben mir erzählt, dass er seine Abschläge nicht zählt. Und wenn ein Schlag mal schlecht war, macht er ihn einfach nochmal. Hauptsache Donald Trump gewinnt."

Der Flughafen liegt still

Schild des Lokalflughafens  (Foto: Antje Passenheim)
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Der lokale Flughafen hat durch die Trump-Besuche massive Einbußen.

Die Verlierer sitzen ein paar Meilen entfernt - und drehen auf dem kleinen Flugplatz von Somerset Däumchen. "Hier ist es heute still", sagt Robert Checchio. "Denn keiner darf fliegen." Nicht nur heute. 17 Tage lang. Solange nämlich, wie der Präsident hier ist, darf kein Flugzeug starten. Und zwar im Umkreis von 30 Meilen.

Amateurpilot Checchio zeigt eine Karte. Der Präsident verhagelt ihnen nicht nur den Flugspaß. Er kostet vielen von ihnen fast ein ganzes Monatsgehalt: "Die Fluglehrer hätten zu dieser Jahreszeit normalerweise Hochsaison. Sie können sich ihren Lebensunterhalt nicht verdienen. Das schmerzt sie."

Nichts für Normalsterbliche

Doch im Summer White House merkt das keiner. Das Trump-Gelände liegt weit draußen. Eine dichte Hecke schirmt ungebetene Besucher ab. Wer in den Club will, muss 100.000 Dollar zahlen - plus 22.000 Jahresgebühr. Wer das nicht schafft, wird am Eingangstor abgewiesen. Freundlich, mitunter sogar auf Deutsch: "Es tut mir leid", sagt der Torwächter.

Urlaub vom "Sumpf" -Trumps Weißes Haus am Golfplatz
A. Passenheim, WDR Washington
12.08.2017 10:26 Uhr

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