Der ehemalige Twitter-Mitarbeiter Bahtiyar Duysak | Bildquelle: REUTERS

Ex-Mitarbeiter berichtet "Als ich Trumps Twitter-Profil sperrte"

Stand: 19.01.2018 17:42 Uhr

US-Präsident Trump nutzt häufig Twitter. Im November sperrte Twitter-Mitarbeiter Duysak jedoch den Account - aus Versehen. Es sei sein aufregendster Arbeitstag gewesen, sagt er.

Von Martin Motzkau und Kathrin Schmid, NDR

Elf Minuten unfreiwillige Sendepause auf Twitter für den US-Präsidenten Donald Trump füllen Anfang November vergangenen Jahres für Stunden bis Tage die weltweiten Nachrichten. "Das war schon so ein kleines Lebensereignis, um ehrlich zu sein", sagt der ehemalige Twitter-Mitarbeiter im Kundensupport, Bahtiyar Duysak. "Da gab es schon sehr viel Wirbel." Er sagt, er habe sich quasi verstecken müssen, "nicht weil ich etwas verbrochen hatte, sondern nur, um das Leben wie gewohnt weiter zu machen".

Nach dem etwas leichtfertigen Umgang mit dem Herzstück der Trump'schen Kommunikation sprach das Unternehmen zunächst von einem menschlichen Fehler - begangen von einem Mitarbeiter an dessen letztem Arbeitstag. Später hieß es, es könnte sich doch um Absicht gehandelt haben.

Ein Versehen - kein politisches Statement

"Nein", beteuert Duysak inzwischen in Interviews. Es stecke keine Absicht und auch kein politisches Statement dahinter. Es sei schlicht ein Versehen gewesen - und eine Verkettung unglücklicher Zufälle. "Zunächst hatte ich überhaupt nichts gemerkt, bis ich das dann später von den Medien mitbekam", sagt Duysak. Es sei ein Prozess ausgelöst worden, der nicht hätte passieren dürfen. "An dem Arbeitstag habe ich nicht sorgfältig genug gearbeitet. So war es - aber dafür hatte ich mich auch entschuldigt", so Duysak.

Bewusst vage

Der türkischstämmige Deutsche Duysak bleibt bewusst vage. Er lässt aber durchblicken, dass er in den vergangenen Monaten viele Berater hatte, die ihn Sätze wie diesen formulieren lassen: "Das Ganze muss jetzt so sorgfältig wie möglich gemanagt werden."

Klar ist, dass Trump einen ganz besonderen Stellenwert für Twitter hat. Er setzt täglich sechs bis acht Tweets ab - häufig provokant, bisweilen auch abfällig gegenüber politischen Gegnern oder Medien. Damit erreicht er auf Twitter fast 50 Millionen Follower.

"Keine andere Marke wird so oft in Verbindung mit dem US-Präsidenten gebracht wie Twitter. Seinen Account zu löschen oder stumm zu schalten - trotz seiner Regelverstöße - wäre meiner Meinung nach wirklich kontraproduktiv", sagt Duysak.

Der ehemalige Twitter-Mitarbeiter Bahtiyar Duysak an der Golden Gate Bridge in San Francisco
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Der ehemalige Twitter-Mitarbeiter Bahtiyar Duysak an der Golden Gate Bridge in San Francisco. "An dem Arbeitstag habe ich nicht sorgfältig genug gearbeitet.

Sonderbehandlung für Spitzenpolitiker

Das Unternehmen hat kürzlich seinen Umgang mit den Accounts ranghoher Politiker konkretisiert. Demnach gibt es für sie eine Sonderbehandlung. Twitter-Konten von Staats- und Regierungschefs etwa werden auch dann nicht eingeschränkt, wenn sie mit ihren Tweets gegen die Regeln des Netzwerks verstoßen.

Twitter - so heißt es zur Begründung -  wolle helfen, die öffentliche, weltweite Konversation voranzutreiben und zu befördern, schreibt das Unternehmen.

Das sei verständlich, sagt Duysak. Tatsächlich sei es so, dass Spitzenpolitiker eine besondere Stellung einnehmen aufgrund der Wichtigkeit und der Nachrichtenrelevanz. "Außerdem muss man im Hinterkopf haben, dass es sich bei Twitter um eine Aktiengesellschaft handelt. Das heißt, marktwirtschaftliche Ziele haben einen viel höheren Stellenwert als irgendwelche politischen oder moralischen Vorstellungen", so Duysak.

Viele neue Jobangebote

Viele brachten Duysak Anfang November mit solchen politischen oder moralischen Motiven in Verbindung. Manche stilisierten ihn zum Helden. Er wurde als ein geeigneter Träger des nächsten Friedensnobelpreises vorgeschlagen. Das sei zu viel der Ehre, so Duysak. Es sei ja nur ein Versehen gewesen. Er könne sich "natürlich nicht beschweren", wenn er gelobt werde. "Aber ich finde das jetzt nicht verdient. Auf keinen Fall." Aber das Ganze habe einen positiven Einfluss auf sein Leben gehabt.

Zurück in Deutschland hat er schon von einigen der vielen Jobangebote Gebrauch gemacht - allerdings nicht mehr in einem großen Tech-Konzern, sondern in kleinen Start-up-Projekten.

Plötzlich konnte Trump nicht mehr twittern
Martin Motzkau, Kathrin Schmid, tagesschau.de
19.01.2018 16:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Januar 2018 um 09:20 Uhr.

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