Der türkische Präsident Erdogan | Bildquelle: dpa

Türkei zur US-Wahl Trump - der richtige Mann für Erdogan

Stand: 10.11.2016 14:05 Uhr

Der Wahlkampf von Donald Trump strotzte nur so vor islamophoben Parolen. Dennoch war der türkische Präsident Erdogan einer der ersten, der Trump zum Wahlsieg gratulierte. Denn von Präsident Trump erhofft sich Erdogan vor allem neue Machtverhältnisse zugunsten der Türkei.

Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

Nach dem Wahlsieg Donald Trumps ist Europa skeptisch. Regierungsnahe Medien in der Türkei sind dagegen enthusiastisch. Mit Barack Obama lief es in den letzten Monaten für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht allzu gut.

Ständig kamen aus Washington Ermahnungen in Sachen Menschenrechte, obendrein unterstützten die USA bislang die syrische Kurdenmiliz YPG beim Kampf gegen den "Islamischen Staat". Ankara sieht die YPG als Verbündeten der Terrororganisation PKK und forderte deshalb Washington wiederholt auf, die Allianz mit der YPG aufzugeben.

Trump, Putin, Erdogan

Weil Erdogan und und die regierende AKP von Hillary Clinton eine ähnliche Politik erwarten mussten, dürften sie die Umfragen vor der Wahl mit Argwohn beobachtet haben. Aber jetzt kommt Trump.

Ilnur Cevik, Chef-Medienberater des türkischen Staatspräsidenten, schreibt in der englischsprachigen "Daily Sabah", dass der zukünftige US-Präsident eine enge Beziehung mit Erdogan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin formen könnte, wenn er nur die richtigen Karten spielen würde.

Trump denke, die NATO sollte neu geordnet und damit die teure Bürde der Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf europäische Schultern stärker umverteilt werden, schreibt Cevik. Das würde die Beziehungen zu den alten westlichen Partnern belasten - insbesondere zu Deutschland und Großbritannien.

Hoffen auf die Auslieferung Gülens

Im Übrigen könnte der zukünftige Präsident Trump zwei Probleme für die Krise zwischen Washington und Ankara lösen, indem er nämlich die Unterstützung für die YPG und die Gülen-Bewegung stoppt. Vor allem diese Idee scheint die regierungsnahen Medien zu beflügeln.

So titelt die türkische Sabah: "Trump hat gewonnen. Das öffnet den Weg zur Auslieferung." Und die "Star": "Amerika hat den Präsidenten gewählt. Fetö trauert." Mit der Auslieferung ist der türkischstämmige, im US-Exil lebende Islam-Prediger Fetullah Gülen gemeint. Fetö ist das von der türkischen Regierung seit dem Putschversuch im Juli propagierte Kürzel für Gülens Hizmet-Bewegung.

Erdogan beschuldigt seinen ehemaligen Partner Gülen, der Drahtzieher hinter dem Putschversuch zu sein. Jahrelang unterstützte die Gülen-Bewegung den AKP-Politiker auf seinem Weg nach oben. Dann kam es aufgrund von Machtfragen zum Bruch.

Laut Trumps Berater ist Gülen ein Terrorist

Üblicherweise geben regierungsnahe Medien wieder, was den Präsidentenpalast elektrisiert. Demnach macht sich Erdogan größte Hoffnung, dass Trump den Islam-Prediger bald auf dem Silbertablett servieren wird. Der türkische Regierungssender TRT verweist auf Andeutungen Trumps nach dem Putschversuch und noch während des Wahlkampfs, dass der Kandidat der Republikaner den Anführer der Gülen-Bewegung ausliefern würde. Trumps türkischstämmiger Nahostberater Saygin Simsek habe außerdem erklärt, man glaube, Gülen sei ein Terrorist.

Allerdings hat TRT auch die Wahlkampfrede Trumps bemerkt, in der er angekündigt hatte, gegen Muslime ein Einreiseverbot in die USA verhängen zu wollen und Moscheen kontrollieren lassen würde. Wenn Trump folglich nicht so kooperiert, wie es Ankara erwartet, dann gibt es auch sofort einen Grund, ihn in Frage zu stellen. Denn Maßnahmen gegen Muslime wären aus Sicht der islamisch-konservativen AKP sicherlich ein Affront.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2016 um 09:12 Uhr

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