Menschen protestieren auf dem New Yorker Times Square gegen den geplanten Bann von Transgender aus dem US-Militär | Bildquelle: AP

Reaktionen auf Trumps Vorhaben Empörung über Transgender-Bann

Stand: 27.07.2017 10:02 Uhr

Trumps Ankündigung, Transgender aus dem Militär zu verbannen, hat scharfe Kritik hervorgerufen. Die Entscheidung sei falsch und lenke von wichtigeren Problemen ab, sagte der ehemalige US-Vizepräsident Gore. In mehreren Städten gab es Proteste.

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, keine Transgender beim Militär zuzulassen, hat zu scharfer Kritik vonseiten Politikern und Aktivisten geführt. Die Entscheidung sei falsch und lenke von wichtigeren Problemen ab, sagte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore. Er denke, Trump habe sich zuvor nicht mit Leitern des Militärs abgesprochen, so Gore.

Die US-Regierung werde in Zukunft keine Transgender-Personen mehr im Militärdienst akzeptieren, egal welche Funktion sie dort ausfüllten, hatte Trump auf Twitter geschrieben.

Al Gore | Bildquelle: AP
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Kritik kommt unter anderem vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore.

Pentagon und Verteidigungsminister bleiben stumm

Das Pentagon oder Verteidigungsminister James Mattis äußerten sich nicht zu Trumps Ankündigung. Ein Sprecher sagte, das Pentagon arbeite mit dem Weißen Haus zusammen, um "sich mit der neuen Leitlinie auseinanderzusetzen".

Transgender, also Personen, die sich nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren, hatten erst seit vergangenem Jahr das Recht, im US-Militärdienst eine Änderung ihres Geschlechts zu beantragen. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1320 und 6630 von insgesamt 1,3 Millionen aktiven Soldaten Transgender sind.

Trump hatte seine Entscheidung mit den Worten begründet, dass das US-Militär sich darauf konzentrieren müsse, entschlossen und siegreich zu sein und sich nicht "mit den medizinischen Kosten und Störungen belasten" könne, die mit dem Einsatz von Transgendern einher gingen.

Carter: Qualifikation wichtigstes Kriterium

Der Verteidigungsminister der Obama-Regierung, Ashton Carter, hatte vergangenes Jahr im US-Militärapparat tätigen Transgendern medizinische Versorgung zugestanden und ihnen ermöglicht, ihr Geschlecht zu ändern. Seit Oktober konnten sie auch medizinische Versorgung durch das Pentagon in Anspruch nehmen, die sie für die Geschlechtsangleichung brauchen.

Carter sagte nach Trumps Vorstoß, er bleibe dabei, dass die Qualifikation für den Dienst das wichtigste Kriterium seien. Militärisches Personal nach anderen Punkten auszusuchen, sei eine soziale Strategie und habe nichts im Militär verloren.

McCain: Trump liegt einfach falsch

Der republikanische Senator und Kriegsveteran John McCain sagte, Trump liege einfach falsch. Jedem Amerikaner, der die medizinischen Standards erfülle, sollte es erlaubt sein, zu dienen. Es gebe keine Gründe, Militärmitarbeiter, die fit für den Dienst seien, auszuschließen - egal welche Geschlechteridentität sie hätten.

Kritik kam auch von den Betroffenen. Kristin Beck, eine ehemalige Marine-Elite-Soldatin, sagte in einem US-Medienbericht, Transgender beeinträchtigten niemanden. Transgender seien "das Licht der Freiheit" - wenn diese Freiheit nicht für jeden US-Bürger verteidigt werden könne, sei das nicht rechtens.

Deutliche Kritik auch aus dem Silicon Valley

Die Chefs der großen Technologieunternehmen im Silicon Valley äußern sich selten zu politischen Themen. Nach Trumps Vorstoß tun sie dies nun jedoch mit deutlichen Worten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg schrieb auf Twitter, jedem sollte erlaubt sein, einem Land zu dienen, egal wer sie sind. Twitter-Gründer Jack Dorsey teilte mit: "Jegliche Form von Diskriminierung schadet uns allen."

jack @jack
Discrimination in any form is wrong for all of us #LetThemServe https://t.co/3cxL0fNdbv

Apple-Chef Tim Cook schrieb: "Wir alle fühlen uns Militärangehörigen gegenüber verpflichtet. Wenn eine Person diskriminiert wird, hält das alle zurück."

Tim Cook @tim_cook
We are indebted to all who serve. Discrimination against anyone holds everyone back. #LetThemServe

Proteste in New York und San Francisco

Am New Yorker Times Square versammelten sich mehrere Hundert Menschen vor einem Rekrutierungszentrum des Militärs. Sie hielten Schilder hoch, mehrere Sprecher hielten Reden gegen den Ausschluss von Transgender aus dem militärischen Dienst.

Auch in San Francisco versammelten sich Hunderte Menschen. Sie trugen pinke und blaue Fahnen bei sich und Schilder mit der Aufschrift "Trans-Leben sind keine Belastung". Bei den Protesten blieb es friedlich.

Silicon Valley für Transgender im Militär
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
27.07.2017 08:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Juli 2017 um 13:00 Uhr im ARD-Mittagsmagazin.

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