US-Soldaten besteigen ein Transportflugzeug.

"Enorme medizinische Kosten" Trump will Transgender aus Militär verbannen

Stand: 26.07.2017 18:02 Uhr

US-Präsident Trump hat angekündigt, Transgender vom Militärdienst auszuschließen. Seine Regierung werde dies nicht erlauben, unter anderem weil die medizinischen Kosten zu hoch seien. Aus dem Kongress kommt Protest, auch Republikaner sind empört.

"I want you for U.S. Army" - Ich will dich für die US-Armee. So warb einst die amerikanische Nationalfigur Uncle Sam auf Postern für den Militärdienst. Jeder, der fit war, sollte sich für die Ausbildung zum Soldaten melden. Herkunft, Klasse - all das war egal. Es ging darum, dem Land zu dienen. Dieser Gedanke wird bis heute in den USA hochgehalten. Das Militär als großer Gleichmacher, in dem jeder seine Chance bekommt.

Im Laufe der Jahrzehnte öffnete sich das Militär - oft unter gerichtlichem Druck - für Frauen, für Homosexuelle - und unter dem früheren Präsidenten Barack Obama auch für Transgender und Transsexuelle. Damit soll nun Schluss sein. Präsident Donald Trump will Transgender vom Militärdienst ausschließen.

Die Regierung werde es nicht erlauben, dass Transgender im Militär dienten, schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Das Militär müsse sich auf den "entscheidenden und überwältigenden Sieg" konzentrieren und könne nicht mit den "enormen medizinischen Kosten" belastet werden, die andernfalls entstehen würden, fügte er hinzu.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
After consultation with my Generals and military experts, please be advised that the United States Government will not accept or allow......
Donald J. Trump @realDonaldTrump
....Transgender individuals to serve in any capacity in the U.S. Military. Our military must be focused on decisive and overwhelming.....
Donald J. Trump @realDonaldTrump
....victory and cannot be burdened with the tremendous medical costs and disruption that transgender in the military would entail. Thank you

Der Verteidigungsminister der Obama-Regierung, Ashton Carter, hatte die Armee 2016 für Transgender und Transsexuelle geöffnet, nachdem fünf Jahre zuvor bereits Einschränkungen gegen Homosexuelle abgeschafft wurden. Er machte es Mitgliedern der Streitkräfte damit auch möglich, dass sie ihr Geschlecht angleichen können. Als Transgender werden Menschen bezeichnet, die sich nicht - oder nicht nur - mit dem Geschlecht identifizieren, das bei ihrer Geburt notiert wurde.

Seit Oktober konnten sie auch medizinische Versorgung durch das Pentagon in Anspruch nehmen, die sie für die Geschlechtsangleichung brauchen. Das Militär bekam bis zum Juli dieses Jahres Zeit, um Leitlinien zu entwickeln. Dann sollten sich auch Transgender, die noch nicht beim Militär sind, zum Dienst verpflichten können. Trumps Verteidigungsminister James Mattis verschob die Umsetzung aber zuletzt um sechs Monate.

Schicksal bereits dienender Transgender offen

Es bleibt offen, was mit Transgendern ist, die derzeit schon Teil der Streitkräfte sind. Es ist unklar, wie viele Betroffene es gibt. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr schätzte die Zahl auf zwischen 1320 und 6630.

Öffentliche Unterstützung für Chelsea Manning
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Öffentliche Unterstützung für die Whistleblowerin Chelsea Manning: Der ehemalige US-Soldat ist eine der bekanntesten Transgender-Persönlichkeiten in den USA. Manning hatte, damals noch als Mann lebend, geheime militärische Informationen an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben und saß dafür jahrelang in Haft. Später erlaubte die Armee Manning eine Geschlechtsumwandlung.

Die dem Pentagon nahestehende Denkfabrik RAND geht in dem Papier davon aus, dass sich die zusätzlichen medizinischen Kosten auf zwischen 2,4 Millionen und 8,4 Millionen US-Dollar im Jahr belaufen. Das sind demnach 0,13 Prozent der gesamten medizinischen Kosten des Militärs. Die Autoren kommen zudem zu dem Schluss, dass die Streitkräfte anderer Länder, die den Dienst für Transgender erlaubten, wenig oder keine Auswirkungen auf die Bereitschaft der Truppe verzeichnet hätten.

"Engagierte Patrioten"

Aus dem Kongress gab es Kritik an Trumps Entscheidung. Die republikanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen erklärte auf Twitter: "Keinem Amerikaner, ganz gleich welcher sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität, darf die Ehre und das Privileg untersagt werden, für unser Land zu dienen." Der demokratische Senator Ed Markey sagte, Transgender im Militär seien keine Ablenkung, sie seien "engagierte Patrioten".

Trump will Transgender wieder vom Militärdienst ausschließen
A. Passenheim, ARD Washington
26.07.2017 21:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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