US-Präsident Donald Trump am Telefon im Weißen Haus | Bildquelle: AP

Geleakte Gesprächs-Protokolle Wer will noch mit Trump telefonieren?

Stand: 03.08.2017 22:35 Uhr

Wie vertraulich werden Telefonate mit dem US-Präsidenten behandelt? Gerade sind Mitschriften von Gesprächen veröffentlicht worden. Sie offenbaren, wie Trump den Präsidenten Mexikos und Australiens Premier massiv unter Druck setzt.

Neu aufgetauchte Protokolle vertraulicher Telefonate Donald Trumps mit Regierungschefs anderer Staaten haben Irritationen und Besorgnis ausgelöst. Die "Washington Post" veröffentlichte die kompletten Mitschriften der Gespräche des US-Präsidenten mit Mexikos Präsident Enrique Pena Nieto und dem australischen Premier Malcolm Turnbull aus dem Januar.

Über den nachrichtlichen Gehalt beider Gespräche war jeweils kurz, nachdem sie im Januar dieses Jahres geführt wurden, berichtet worden. Die Wortprotokolle offenbaren nun, dass Trump mehrfach die Unwahrheit gesagt hatte, als er Berichterstattung als "Fake News" abtat.

Enrique Peña Nieto | Bildquelle: REUTERS
galerie

Sperrt sich gegen Trumps Mauer: Mexikos Präsident Pena Nieto.

"Ich muss Mexiko bezahlen lassen"

Eine Woche nach Amtsantritt hat Trump demnach offenbar den mexikanischen Präsidenten Pena Nieto im Streit um die geplante Grenzmauer massiv bedrängt. "Ich muss Mexiko für die Mauer bezahlen lassen - ich muss", sagte Trump laut einem von der "Washington Post" zitierten Gesprächsprotokoll bei einem Telefonat mit Pena Nieto. Schließlich rede er seit zwei Jahren davon, dass Mexiko das Projekt finanzieren werde.

Der US-Präsident forderte seinen mexikanischen Kollegen bei dem Telefonat am 27. Januar auch auf, nicht mehr öffentlich zu sagen, dass Mexiko die Mauer nicht bezahlen werde. Er drohte dem Bericht zufolge sogar mit einem Gesprächsboykott.

Nieto bleibt bei seiner Position

"Sie können das nicht der Presse sagen", drängte Trump den Angaben zufolge. Wenn Pena Nieto dies dennoch tue, "dann will ich Euch Leute nicht mehr treffen, denn damit kann ich nicht leben", wurde Trump zitiert. Er schlug demnach dem Mexikaner eine unverbindliche öffentliche Formulierung vor: "Wir sollten beide sagen: 'Wir werden eine Lösung finden'."

Pena Nieto sperrte sich dem Bericht zufolge jedoch gegen das Drängen des US-Präsidenten, da das Thema mit der "Würde von Mexiko" und dem "Nationalstolz" seines Landes zu tun habe. Seine feste Position bleibe, dass Mexiko nicht für die Mauer bezahlen könne, sagte der mexikanische Präsident demnach.

Der Streit beider Staatschefs um die Mauer hatte kurz nach Trumps Amtsantritt zu einem Eklat geführt. Pena Nieto sagte deswegen einen Besuch in Washington kurzfristig ab. Das Telefonat, über das die "Washington Post" jetzt berichtete, fand am Tag nach der Besuchsabsage statt.

Eine Annäherung im Streit um die Mauer gibt es aber bis heute nicht. Pena Nieto lehnt eine mexikanische Beteiligung an der Finanzierung weiterhin kategorisch ab.

"Das unangenehmste des gesamten Tages"

Malcolm Turnbull | Bildquelle: AP
galerie

Das Telefonat zwischen Turnbull und Trump endete im Eklat.

Im Gespräch mit Turnbull wurde Trump wütend, weil der australische Premierminister darauf bestand, dass sein US-amerikanischer Kollege eine Einigung mit Trumps Vorgänger Barack Obama einhalten solle. Dabei ging es darum, dass die USA 1250 Flüchtlinge überprüfen sollten, um sie gegebenenfalls aufzunehmen, nachdem diese bei dem Versuch, nach Australien einzureisen, gefangen genommen worden waren.

Trump erklärte laut dem Transkript, das lasse ihn schlecht aussehen - weil Trump in seiner Kampagne versprochen hatte, die Zahl der Flüchtlinge, die in die USA einreisen, zu reduzieren. "Das wird mich umbringen", sagte Trump offenbar: "Ich hasse es, diese Leute aufzunehmen. Ich garantiere Ihnen, sie sind schlecht. Das ist der Grund, warum sie gerade im Gefängnis sind."

"Mir reicht es. Ich habe diese Telefonate den ganzen Tage geführt und dieses ist das unangenehmste des gesamten Tages", soll Trump gesagt haben: "Putin war ein angenehmer Anruf. Das hier ist lächerlich". Wenig später war das Gespräch beendet.

Belastung für internationale Beziehungen?

Die Mitschriften lösten die Sorge aus, dass niemand mehr offen am Telefon mit Trump sprechen würde, wenn man sich der Vertraulichkeit nicht sicher sein könne. Das Magazin "The Atlantic" schrieb, die Konsequenzen dieser Leaks hätten das Potenzial, internationale Beziehungen über Trumps Präsidentschaft hinaus zu belasten: "Wenn solche Gespräche durchgestochen werden, gilt das für jedes Gespräch. Kein Staatschef wird sich mehr trauen, etwas zum Präsidenten der USA zu sagen, wovon er danach lieber nichts zu Hause in den Nachrichten lesen möchte."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. August 2017 um 00:00 Uhr.

Darstellung: