Der designierte US-Präsident Trump auf dem Cover eines chinesischen Magazins | Bildquelle: AFP

Telefonat mit Taiwan Trump riskiert den Zorn Pekings

Stand: 03.12.2016 06:43 Uhr

Der designierte US-Präsident Trump hat mit Taiwans Präsidentin telefoniert - und damit den Zorn Pekings riskiert. Das Weiße Haus distanzierte sich umgehend. Die Beschwerde aus Peking kam dennoch. Washington hatte die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan 1979 gekappt.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Donald Trump tut so, als sei der Anruf keine große Sache. Er twitterte, die taiwanesische Präsidentin habe ihn angerufen, um ihm zum Wahlsieg zu gratulieren. Die USA verkauften Taiwan Waffen im Wert von mehreren Milliarden Dollar, und er dürfe keinen Glückwunsch-Anruf entgegennehmen?

Donald J. Trump @realDonaldTrump
The President of Taiwan CALLED ME today to wish me congratulations on winning the Presidency. Thank you!

Mit dem Anruf hat Trump allerdings gegen die Jahrzehnte alte Ein-China-Politik verstoßen, die von den Vorgängerregierungen eingehalten wurde. Offiziell erkennen die USA nur die Volksrepublik China an, haben nur mit ihr diplomatische Beziehungen. Gleichzeitig unterstützen sie die abtrünnige Provinz Taiwan, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Es ist nicht bekannt, dass seit 1979 ein US-Präsident mit einem taiwanesischen Präsidenten telefoniert hat.

"Die Geschichte nicht durchdrungen"

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. China rief aus Protest im Weißen Haus an. Außenminister Wang Yi sagte laut Agenturangaben: "Das ist ein kleiner Verstoß der taiwanesischen Seite." Er glaube nicht, dass sich an der Ein-China-Politik der USA etwas ändere. Wang warnte: "Die Ein-China-Politik ist der Grundstein der US-chinesischen Beziehungen. Und wir wollen keine Erschütterung oder Rücknahme dieses politischen Grundsatzes."

Das Weiße Haus distanzierte sich denn auch umgehend: "Es gibt keine Änderung an unserer seit langem geltenden Politik", sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Emily Horne. "Wir sind streng unserer Ein-China-Politik verpflichtet."

Der demokratische Senator Chris Murphy warnte vor ernsthaften Konsequenzen. Trumps Anruf sei ein erheblicher außenpolitischer Wandel ohne Plan - so entstünden Kriege. Der frühere Asien-Berater von Präsident Bush sagte, man dürfe das Telefongespräch nicht überinterpretieren: Trump habe die diplomatische Geschichte von USA und China nicht durchdrungen.

Donald Trump hatte schon mit mehreren Telefongesprächen mit ausländischen Führern bei Experten für Kopfschütteln gesorgt. Offensichtlich lässt er sich bei den Anrufen nicht vom Außenministerium beraten, das eigentlich auch dem gewählten Präsidenten dafür zur Verfügung stellt.

Konfliktherd Taiwan

Seit Ende des Bürgerkrieges in China 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd in Asien. Damals flüchteten die Truppen der chinesischen Kuomintang auf die Insel, die heute offiziell "Republik China" heißt und sich
als eigenständig funktionierende Demokratie sieht. Die Kommunisten in Peking unterstreichen ihre Drohung mit Rückeroberung bis heute durch Hunderte Raketen, die auf Taiwan zielen, wo heute 23 Millionen Menschen leben. Gleichwohl ist China Taiwans größter Handelspartner. Umgekehrt ist die Insel einer der größten Investoren in der Volksrepublik.

Washington brach die diplomatischen Beziehungen 1979 ab. Damals verpflichteten sich die USA, die Verteidigungsfähigkeit Taiwans zu sichern und zu verhindern, dass seine Zukunft anders als mit friedlichen Mitteln bestimmt wird. Heute pflegen beide Seiten stabile, aber inoffizielle Beziehungen - vor allem auf
wirtschaftlicher und militärischer Ebene.

Anruf aus Taiwan: Trump verstößt gegen amerikanische China-Politik
J. Bösche, ARD-Studio Washington
03.12.2016 06:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Dezember 2016 um 7:07 Uhr

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