US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: AP

Trumps Steuererklärung von 2005 Ein Leak zur rechten Zeit?

Stand: 15.03.2017 18:16 Uhr

Der Präsident ist ein aufrechter Steuerbürger - so die Botschaft der Republikaner nachdem Trumps Steuererklärung von 2005 überraschend öffentlich wurde. Demokraten und Kritiker sind skeptisch. Manche vermuten, dass Trump selbst dahinter steckt.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Alle Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte haben es getan - Donald Trump nicht. Die US-Bevölkerung weiß nicht, ob und wie viele Steuern er bezahlt hat. Dann präsentierte MSNBC-Moderatorin Rachel Maddow Teile von Donald Trumps Steuererklärung aus dem Jahr 2005. Trump-Biograf und Journalist David Cay Johnston hatte die Unterlagen per Post erhalten. Vor 12 Jahren verdiente der heutige Präsident etwa 150 Millionen Dollar und zahlte 38 Millionen Dollar Steuern, in den USA die üblichen etwa 25 Prozent.

Sehen Sie her: Der Präsident ist und war ein aufrechter Steuerbürger, heißt es am Tag danach aus dem Lager der Republikaner. Demokraten und Trump-Kritiker sind skeptisch. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2005, Präsidenten legten aber immer ihre aktuellen Einkommensverhältnisse offen. Trump hatte im US-Wahlkampf und danach stets darauf bestanden, er werde seine Steuerbescheide nicht veröffentlichen, weil er sich in einer Steuerprüfung  befinde. Umso überraschender wirkte die Präsentation der alten Zahlen von 2005.

Als eigener Pressesprecher aufgetreten

Johnston spekulierte in CNN, der Präsident selbst könnte ihm die Daten zugespielt haben. Man müsse sich ins Gedächtnis rufen, sagte er, dass Trump eine lange Geschichte habe, wenn es darum geht, Informationen über seine eigene Person in die Öffentlichkeit zu spielen. Johnston hatte in seinem Buch "The making of Donald Trump" unter anderem beschrieben, wie der Immobilienunternehmer sich mehrfach als seinen eigenen Pressesprecher ausgeben habe, um öffentliches Interesse für seine Projekte und seine Person zu erwecken.

Jetzt könnte der Präsident von den Verbindungen seiner Wahlkampagne zu Russland, den unbestätigten Abhörvorwürfen gegen seinen Vorgänger Barack Obama und den Problemen seiner Gesundheitsreform ablenken wollen, spekulierten US-Medien. Republikaner Chris Collins interessierte weniger, wer die Steuerdaten veröffentlicht hat. "Wer weiß das schon?" fragte er rethorisch. Diese Daten zeigten doch in jedem Fall, dass Trump im Jahr 2005 150 Millionen Dollar verdient und 25 Prozent Steuern bezahlt habe. So sei das nun einmal.

Viel verdient - und viel verloren

Nach den Unterlagen verdiente Trump 2005 nicht nur viel, er verlor auch viel: 103 Millionen Dollar. Verlustabschreibungen ermöglichten ihm demnach, etwas weniger Steuern zu bezahlen als für US-Millionäre üblich.

In einer Mitteilung des Weißen Hauses hieß es, es sei illegal, die Steuererklärung zu stehlen und zu veröffentlichen. Rachel Maddow verteidigte sich dagegen, sie und der Sender MSNBC handelten im öffentlichen Interesse.

Die Forderung von US-Demokraten und Medien, aktuellere Steuerdaten von Trump zu erhalten, dürfte wieder lauter werden. An einer entsprechenden Unterschriftenaktion beteiligten sich inzwischen mehr als eine Million US-Bürger.

Reaktionen auf Trumps Steuererklärung aus 2005
A. Horchler, ARD Washington
15.03.2017 17:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. März 2017 um 11:00 Uhr.

Darstellung: