Donald Trump spricht in Schottland neben einem Mann in Schottischer Kleidung. | Bildquelle: REUTERS

Künftiger US-Präsident Trumps "Mauer" steht - in Schottland

Stand: 13.01.2017 21:03 Uhr

Donald Trump will an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen. In Schottland hat er das gewissermaßen bereits getan - um so seinen Golfplatz abzuschotten. Die Anwohner sind entrüstet - nicht zuletzt über Trumps Wortwahl.

Von Julie Kurz und Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Die Dünen an der schottischen Ostküste - eine prachtvolle Landschaft, ein einzigartiges Naturschutzgebiet: Früher konnte Susie Munro über die Dünen hinweg das Meer erahnen, nun blickt sie nur noch auf die Vögel in ihrem Vorgarten. Ein aufgeschütteter Erdwall zerstört den Blick.

"Ich bin so wütend", schimpft sie. "Eines Tages begann er damit, direkt vor dem Haus Sand aufzuschütten. Ich habe mich gefragt, was denn da abgeht. Immer höher wurde der Haufen. Ich hatte noch gedacht, er würde ihn wieder abtragen. Hat er aber nicht."

Er, das ist Munros Nachbar. Und der heißt Donald Trump. Wenn Susie den Wall hochklettert, kann sie auf "Trumpland" gucken. Einen Golfplatz hat er hier gebaut, abgeschottet von den Anwohnern. "Der Wall geht einmal ganz herum, er wird nur von dem Tor dort unterbrochen und geht dann hinter meinem Haus weiter. Es fühlt sich an wie ein Gefängnis."

Geprobt für die US-Südgrenze

Den Wall nennen sie hier die "Mauer von Schottland". So als habe der designierte US-Präsident hier schon einmal für seine Mauer an der mexikanischen Grenze geprobt. Aus Solidarität weht deshalb bei Nachbar Michael Forbes jetzt die mexikanische Flagge. Gut sichtbar für die Golf-Spieler.

Trump wollte auch Bauer Forbes' Grundstück kaufen. Doch der hat nicht verkauft - trotz des Drucks, den Trump auf ihn ausgeübt hat: "Er ist ein selbstsüchtiges Kind. Er hat meinen Zugang zum Strand blockiert, so dass ich jetzt nicht mehr fischen gehen kann. Er hat mich mit allen erdenklichen Schimpfwörtern bedacht, weil ich nicht verkaufen wollte. Und er hat mir das Wasser abgesperrt. Er ist ein verwöhnter Rotzlöffel."

Golfen mit atemberaubendem Ausblick auf die Nordsee - dazwischen Forbes' Bauernhof, den Trump einen "Schweinestall" nannte, als er immer wieder mal hier nach Aberdeenshire kam, um sein Projekt voranzutreiben: "Schauen Sie sich mal diesen Michael Forbes an, in welchen furchtbaren Zuständen der lebt. Und dass Leute diesen Anblick ertragen müssen. Es ist wie ein Slum. Mister Forbes ist kein Mann, auf den Schottland stolz sein kann", sagt Trump.

Donald Trump spielt Golf auf einem Golfplatz vor einem Rasenwall. | Bildquelle: REUTERS
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Trump auf seinem Golfplatz: Hunderte Jobs sollten in dem Resort entstehen.

"Er wollte mich mobben"

Einschüchtern lässt sich Michael Forbes davon nicht. Nicht er sei eine Schande für Schottland, sondern Trump. Auch wenn der immer wieder stolz von seiner schottischen Mutter rede: "Er ist kein Schotte. Ein Schotte würde das nicht machen, was er mir angetan hat. Er hat versucht, mich zu mobben, fertig zu machen. Aber es hat nicht geklappt."

"No more Trump lies" - "keine Trump Lügen mehr", hat Michael Forbes an seine Garage gesprüht. Trump hatte viele hundert Jobs versprochen. Deshalb genehmigte die schottische Regierung das Projekt inklusive Hotelressort und 1500 neuen Wohnungen.

Warnungen von lokalen Politikern wie Paul Johnston schlug sie in den Wind: "Jede Empfehlung von Umweltorganisationen, von Wissenschaftlern und Raumplanern war, dass wir das nicht tun sollten. Aber die schottische Regierung war besessen von der überwältigenden wirtschaftlichen Aussicht, von Jobs, Und dann ist es noch nicht mal eingetroffen."

Auf Anfrage des ARD-Studios London schreibt Trump Golf International, dass bereits 100 Millionen Pfund investiert worden seien und 150 Jobs geschaffen wurden. Weitere Investitionen und Jobs würden folgen. Nach Ansicht von Nachbarin Susie hat Trump bisher aber vor allem eines gezeigt: Er kann Mauern bauen.

Diesen Beitrag sehen Sie am Sonntag im Weltspiegel um 19.20 Uhr im Ersten.

 

Trump und die Schotten
Jens-Peter Marquardt, ARD London
13.01.2017 20:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 15. Januar 2017 um 12:10 Uhr

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