Protest in Washington gegen den neuen Präsidenten Trump | Bildquelle: Verena Bünten, ARD-Studio Washi

Proteste gegen Trump Das Ventil der Kunstszene

Stand: 18.02.2017 11:33 Uhr

Ausstellungen muslimischer Künstler im Museum of Modern Art, Millionen Spendengelder für Bürgerrechtler oder der Boykott des Super-Bowl-Empfangs: Der Protest gegen US-Präsident Trump ist vielfältig und wird immer kreativer.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Der Women's March hat den Anfang gemacht. Gleich am Tag nach Trumps Amtseinführung hatten die Proteste gegen den neuen US-Präsidenten mit einem Paukenschlag begonnen. Gut eine halbe Million Menschen allein vor Trumps Haustür in Washington. Eine von ihnen war Marsha: "Ich verachte Donald Trump und alles wofür er steht. Er ist nicht qualifiziert. Ein psychopathischer Narzisst. Und ich habe kein anderes Ventil, um meine Abscheu auszudrücken, als hier zu protestieren."

Viele Demonstranten halten das Bild eines Frauengesichts mit einer amerikanischen Flagge als Kopftuch hoch. Es ist zum Symbol der Anti-Trump-Proteste geworden. Und das freut Imam Talib Shareef: "Dieses Bild ist ermutigend. Und dass es Leute hochhalten, die nicht Muslime sind. Das sind wir, das sind die USA. Und die Proteste zeigen uns, dass es immer noch mehr Schönes gibt neben all dem Hässlichen, das wir sehen."

Protest in verschiedensten Formen

Und der Protest hat die unterschiedlichsten Formen. Letzte Woche haben Einwanderer einen Tag lang die Arbeit niedergelegt. Sie wollten zeigen, was es heißt, wenn sie nicht mehr da wären. Viele Restaurants hatten geschlossen oder nur ein abgespecktes Angebot. Promis machen ihrem Trump-Protest bei allen möglichen Preisverleihungen Luft. So wie Schauspielerin Meryl Streep: "Respektlosigkeit fördert Respektlosigkeit und Gewalt bringt Gewalt hervor. Wenn die Mächtigen ihre Position nutzen, um andere zu mobben, dann verlieren wir alle dabei."

Die Kunstszene findet ihr eigenes Ventil für Proteste. So hat beispielsweise das Museum of Modern Art in New York ihre Sammlung neu arrangiert. Sie haben Bilder von Picasso oder Matisse ersetzt mit Werken von Künstlern aus den vornehmlich muslimischen Ländern, deren Bürger an der Einreise in die USA gehindert wurden.

Spendenflut für Bürgerrechtler

Der Einreisestopp hat auch Nicht-Regierungsorganisationen Zulauf gebracht. So hat die Bürgerrechtsorganisation ACLU, deren Anwälte an Flughäfen bereit standen, an einem Wochenende online 24 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das ist fast das Siebenfache dessen, was sie sonst in einem Jahr bekommt. Der Griff ins Portemonnaie ist für viele ein Weg des Trump-Protests, so wie für John aus Connecticut: "Wir müssen uns organisieren und überlegen, wie wir Widerstand leisten können. Ich werde mehr spenden für Organisationen, denen er das Geld streichen will."

Auch im Weißen Haus selbst und bei den US-Behörden findet der Widerstand alternative Wege. Welche Möglichkeiten die Klimaforscher nutzen, erklärt Michael Halpern von der Union of Concerned Scientists: "Die wissen, wie man Widerstand leistet. Es gibt viele Wege, um Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen, darüber, was in der Regierung los ist. Es gibt alternative Twitter-Accounts und Social-Media-Seiten. Sie werden sehen, dass Regierungsangestellte kreative Wege für ihren Widerstand finden werden."

Widerstand ohne Ende

Gemeinden informieren sich über zivilen Ungehorsam und auch Sportler protestieren. So haben mehrere Spieler des Super Bowl-Siegers New England Patriots angekündigt, nicht zum Empfang ins Weiße Haus zu gehen. Der Präsident würde nicht für das stehen, wovon sie überzeugt sind. Die Liste der Märsche allein in Washington wird immer länger: Wissenschaftler, Klimaschützer oder Einwanderer – alle wollen gegen Trump auf die Straße gehen. Ein Ende des Protests ist nicht in Sicht.

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