US-Präsident Donald Trump bei der traditionellen Andacht in der National Cathedral von Washington.  | Bildquelle: AP

Erster Tag als US-Präsident Trump betet, andere protestieren

Stand: 21.01.2017 18:50 Uhr

Trumps erster Tag als US-Präsident verläuft für ihn noch relativ ruhig: Zur Kirchenandacht geht's und zur CIA. Umso heftiger wird nach wie vor über die neue Nummer Eins der USA debattiert - vor allem über Trumps Antrittsrede.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die erste Nacht war kurz für den neuen US-Präsidenten. Nachdem Donald Trump und First Lady Melania am Abend nach der Vereidigung auf drei Bällen getanzt hatten, trafen sie erst nach Mitternacht im Weißen Haus ein. Doch um sieben Uhr morgens verschickte Trump schon wieder eine Twitter-Botschaft. Darin bedankt er sich für den "fantastischen Amtseinführungstag" und beim Sender Fox News und anderen Medien für die "großartige Bewertung" seiner Antrittsrede.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
A fantastic day and evening in Washington D.C.Thank you to @FoxNews and so many other news outlets for the GREAT reviews of the speech!

Die Antrittsrede - gefeiert und verurteilt

Tatsächlich stieß Trumps Rede bei seinen Anhängern auf ein positives Echo. Viele Bürger teilen seine Einschätzung, dass die Politiker in Washington versagt haben, sagte der republikanische Kongressabgeordnete Sean Duffy im TV-Sender CNN: "Viele fühlten sich in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren vergessen: Die Männer und Frauen, die ihre Jobs verloren oder keine Lohnerhöhung bekommen haben. Trump will für alle kämpfen, die zurückgelassen wurden."

Doch insgesamt überwogen die kritischen Reaktionen auf Trumps Antrittsrede. Der neue US-Präsident habe erst gar nicht versucht, auf die andere Hälfte Amerikas zuzugehen, die ihn nicht gewählt habe. Manche Kommentatoren meinten, es sei die düsterste und aggressivste Amtseinführungsrede in der US-Geschichte gewesen.

Der Leitartikel in der "Washington Post" warf Trump vor, er zeichne "ein falsches Bild eines verarmten, von Verbrechen heimgesuchten Landes, das Opfer der Eliten in Washington und ausländischer Interessen" sei. Der Leitartikel der "New York Times" kritisierte, Trump habe seine Antrittsrede mit dem "Feingefühl eines Schlaghammers" vorgetragen und habe die anwesenden vier Ex-Präsidenten und Kongressabgeordneten beleidigt.

Auch der frühere Präsidentenberater und Harvard-Professor David Gergen sah in Trumps Rede eine "vernichtende Anklage gegen die politischen Eliten in den USA": "Es war eine Drohung, dass sie unter seiner Führung rausgeschmissen werden. Für seine Anhänger war die gute Nachricht, dass er sich nicht verändert hat. Und für seine Kritiker war genau dies die schlechte Nachricht."

Unterdessen sind Frauen und Männer aus allen Teilen der USA nach Washington gekommen, um am "Marsch der Frauen" teilzunehmen, darunter auch Prominente wie die Sängerinnen Katy Perry und Cher sowie die Schauspielerin Scarlett Johansson und Regisseur Michael Moore. Ähnliche Protestmärsche finden in 300 weiteren US-Städten statt.

Der Protest richte sich gegen Frauenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtspopulismus, betont die Organisatorin des Marsches, Pam Campos-Palma: "Es geht um mehr als Donald Trump. Populistischer Faschismus ist weltweit auf dem Vormarsch. Und diese Regierung zwingt uns, unsere Stimme und unsere Stärke zu zeigen."

Trumps erster Amtstag: Von der Kirche zur CIA

Für US-Präsident Trump begann der erste Tag nach seiner Amtseinführung mit der traditionellen Andacht in der National Cathedral von Washington. Im Laufe des Tages ist ein Besuch in der CIA-Zentrale geplant. Bereits gestern hatte Trump eine Exekutivanordnung unterzeichnet, mit der Teile der Krankenversicherung "Obamacare" rückgängig gemacht werden. Als erste Minister in seinem Kabinett wurden Verteidigungsminister James Mattis und Heimatschutzminister John Kelly vom Senat bestätigt und anschließend vereidigt.

Trumps erster Tag im Amt
M. Ganslmeier, ARD Washington
21.01.2017 17:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2017 um 18:17 Uhr.

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