Rex Tillerson, Donald Trump, Nikki Haley | Bildquelle: dpa

Konflikt mit Nordkorea Neue Drohgebärden gegen Pjöngjang

Stand: 12.08.2017 06:57 Uhr

US-Präsident Trump hält an seinen Drohgebärden gegenüber Nordkorea fest: Dessen Staatschef Kim Jong Un werde jeden Angriff schnell bereuen. Zuvor hatte Trump klar gemacht, dass das US-Militär jederzeit loslegen könnte. Nun redet auch China beruhigend auf Trump ein.

Es bleibt bei scharfer Rhetorik: US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen gegenüber Nordkorea fortgesetzt. Staatschef Kim Jong Un "wird es schnell bereuen", wenn er weitere Drohungen gegen das US-Außengebiet Guam, jegliches andere US-Territorium oder Verbündete der Vereinigten Staaten ausspreche oder diese angreife, sagte Trump in seinem Golfclub in Bedminster im Staat New Jersey.

Er müsse noch mit dem Gouverneur der Insel sprechen, so Trump bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Rex Tillerson und der US-Botschafterin an die Vereinten Nationen, Nikki Haley. Aber er habe das Gefühl, dass alle Bewohner Guams "sehr sicher" sein würden, sagte Trump. "Glauben Sie mir." Er fügte hinzu, falls Guam irgendetwas passieren sollte, sei Nordkorea in "großen, großen Schwierigkeiten". Trotz der immer hitzigeren Rhetorik im Konflikt mit Nordkorea hoffe er, dass alles gut gehe, so Trump. "Niemand liebt eine friedliche Lösung mehr als Präsident Trump", betonte er.

"Endlich haben wir einen Präsidenten, der sich für unsere Nation einsetzt und für unsere Freunde und unsere Verbündeten", sagte Trump.

Zuvor hatte der Präsident auf Twitter erklärt, die militärischen Lösungen seien "komplett vorbereitet und einsatzbereit" für den Fall, dass die Führung in Pjöngjang unklug handeln sollte, schrieb er auf Twitter. "Hoffentlich findet Kim Jong Un einen anderen Weg."

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Military solutions are now fully in place,locked and loaded,should North Korea act unwisely. Hopefully Kim Jong Un will find another path!

China mahnt friedliche Lösung an

Nach langer Zurückhaltung schaltete sich nun auch Chinas Staatschef Xi Jingping in den Streit ein. Nach staatlichen Angaben mahnte Xi in einem Telefonat mit Trump eine friedliche Lösung des Konflikts an. Trump müsse "Worte und Taten" vermeiden, welche die ohnehin angespannte Lage auf der Koreanischen Halbinsel verschlimmerten, sagte Xi laut einem Bericht des Staatsfernsehens.

Xi rief demnach alle beteiligten Seiten auf, "Zurückhaltung zu üben" und "den Weg des Dialogs, der Verhandlungen und einer politischen Lösung weiterzugehen". Es sei sowohl im Interesse Chinas als auch der USA, dass der Frieden auf der koreanischen Halbinsel erhalten bleibe und diese ein Gebiet frei von Atomwaffen werde.

Das Weiße Haus erklärte, beide Präsidenten seien sich einig gewesen, dass Nordkorea sein "provokatives und eskalierendes Verhalten" beenden müsse.

Chinas Staatspräsident Xi und Trump wollen atomare Abrüstung im NK-Konflikt
tagesschau 12:50 Uhr, 12.08.2017, Uwe Schwering, ARD Tokio

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Japan stationiert offenbar Raketenabwehrsystem

Unterdessen hat Japan laut Medienberichten damit begonnen, sein Raketenabwehrsystem zu stationieren. Das System werde derzeit in mehreren Städten im Westen des Landes installiert, berichtete der Rundfunksender NHK. Auf Fernsehbildern waren Militärfahrzeuge mit entsprechendem Material zu sehen.

Damit will Japan vor allem auf das Risiko reagieren, dass Teile von vorbeifliegenden Raketen in seinem Territorium herunterfallen. Am Donnerstag hatte Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera erklärt, ein Raketenangriff Nordkoreas auf das US-Außengebiet Guam könnte die Existenz seines Landes bedrohen. Er kündigte an, in diesem Fall vom Recht auf kollektive Selbstverteidigung Gebrauch zu machen und das Abwehrsystem einzusetzen.

Sondertreffen der EU

Wegen der Krise berief die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini ein Sondertreffen der für Sicherheitsfragen zuständigen EU-Botschafter ein. Bei den Gesprächen am kommenden Montag solle über "mögliche weitere Schritte" der Europäischen Union diskutiert werden, sagte eine Sprecherin. Das sogenannte Politische und Sicherheitspolitische Komitee (PSK) hätte regulär eigentlich erst am 31. August wieder zusammenkommen sollen.

Merkel warnt, Lawrow mahnt

Zuvor hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Krise geäußert. Sie erklärte, eine militärische Antwort halte sie im Konflikt mit Nordkorea für nicht geboten. "Eine Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort", fügte die Kanzlerin hinzu. Sie forderte außerdem eine "sehr enge Kooperation der betroffenen Länder, insbesondere der USA und China", um den Konflikt zu beruhigen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow rief Pjöngjang und Washington ebenfalls zu einem Einlenken auf. "Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen", sagte er der Agentur Interfax zufolge. "Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern." Das Risiko einer militärischen Konfrontation sei dadurch sehr hoch. "Wir hoffen dennoch, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird."

Krieg der Worte im Nordkorea-Konflikt
tagesthemen 23:15 Uhr, 11.08.2017, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Drohungen Trumps auch in den USA umstritten

Erst am Donnerstag hatte Trump nach seiner umstrittenen Feuer- und Zorn-Drohung gegen Nordkorea nachgelegt: "Vielleicht war das Statement nicht hart genug", sagte er. Sollte Kim Jong Un einen Angriff auf Guam unternehmen, würde die Reaktion ein ungekanntes Ausmaß haben, so der US-Präsident. "Unsere Bürger sind in Sicherheit und unsere Verbündeten auch. Aber Nordkorea sollte sich am Riemen reißen oder sie werden in Schwierigkeiten sein wie kaum ein anderes Land vor ihnen." Das US-Atomwaffenarsenal sei in einer "Tip-Top-Verfassung", hatte Trump betont.

Im Nordkorea-Konflikt schaukelt sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hoch. Pjöngjang hatte angekündigt, dass bis Mitte August der Einsatzplan stehen soll, um vier Mittelstreckenraketen über Japan hinweg auf Guam abzufeuern. Die Raketen sollten demnach 30 bis 40 Kilometer vor der US-Pazifikinsel im Meer einschlagen. Trump hatte dagegen gedroht, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit "Feuer und Zorn" beantworten zu wollen.

Auch in den USA sind Trumps Drohungen umstritten. Der republikanische Senator John McCain etwa kritisierte den US-Präsidenten deutlich für seine Feuer- und Zorn-Äußerungen. Andere Politiker wie der republikanische Senator Lindsey Graham stellen sich hinter den Präsidenten: "Wenn wir es müssen, werden wir in den Krieg ziehen - und das will ich ganz und gar nicht", sagte er. "Aber wenn es sein muss, gehen wir in den Krieg."

Mit Informationen von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete am 11. August 2017 tagesschau24 um 15:00 Uhr und die tagesthemen um 23:15 Uhr.

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