Kanzlerin Merkel steht beim Nato-Gipfel neben Donald Trump | Bildquelle: dpa

Reaktion auf Merkel Trump kritisiert Deutschland erneut

Stand: 30.05.2017 14:52 Uhr

Nach der Rückkehr von seinem Europa-Besuch hat US-Präsident Donald Trump Deutschland erneut für dessen Exportüberschuss und Verteidigungsbudget kritisiert. Kanzlerin Angela Merkel rief Europa nach dem missglückten G7-Gipfeltreffen zu mehr Eigenständigkeit. Nun legt Trump nach.

Der US-Präsident kritisiert die deutsche Politik erneut. Die USA hätten ein "massives Handelsdefizit" mit Deutschland, außerdem zahlten die Deutschen "weitaus weniger als sie sollten" für die NATO und das Militär, schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Das sei "sehr schlecht" für die Vereinigten Staaten und werde sich ändern, kündigte er an. Das Handelsdefizit ist der US-amerikanischen Regierung seit längerem ein Dorn im Auge. Bei den Verteidigungsausgaben drängt Washington in der NATO auf eine massive Erhöhung auch seitens der Bundesregierung, die ihrerseits auf eine deutliche Anhebung dieses Postens verweist.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
We have a MASSIVE trade deficit with Germany, plus they pay FAR LESS than they should on NATO & military. Very bad for U.S. This will change

Der Ton im Verhältnis zwischen den beiden Ländern hatte sich nach dem Gipfel der sieben führenden Industriestaaten (G7) im italienischen Taormina verschärft. Wie tief der Riss im Verhältnis zu den USA ist, zeigte sich als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag konstatierte: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei." Die Äußerungen, die als Distanzierung von der Trump-Regierung verstanden wurden, fanden in den US-Medien breiten Widerhall.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wertete Trumps jüngste Twitter-Attacke als eine Frontstellung zu Deutschland. "Donald Trump macht mit seinem Tweet klar, dass er Deutschland für einen politischen Gegner hält", sagte Oppermann vor einer SPD-Fraktionssitzung in Berlin. "Das ist eine neue Lage."

"Unfaire Handelspraktiken"

Trump wirft Deutschland bereits seit dem Wahlkampf vor, sich mit unfairen Handelspraktiken ein Übergewicht im Handel mit den USA verschafft zu haben. Beim NATO-Gipfel in der vergangenen Woche hatte er zudem seine Kritik bekräftigt, dass die meisten NATO-Partner nicht genügend für ihre Verteidigung ausgäben.

Merkel hingegen sagte, Europa müsse sein Schicksal stärker selbst in die Hand nehmen. Nun pocht sie erneut auf mehr Eigenständigkeit: "Europa muss ein Akteur sein, der sich auch international einmischt“, sagte sie nach deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Berlin. Merkel mahnte etwa eine bessere gemeinsame Außenpolitik der europäischen Staaten an. Zudem müsse die Gemeinschaft in der Migrationspolitik besser werden.

Wichtige Beziehungen

Zugleich hob Merkel aber die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen hervor. Das Treffen mit Modi sei „in keiner Weise gegen irgendwelche anderen Beziehungen gerichtet, und schon gar nicht gegen die transatlantischen Beziehungen, die historisch für uns von großer Wichtigkeit sind und auch in Zukunft bleiben werden“. Zuletzt waren Stimmen laut geworden, angesichts der neuen US-Außenpolitik könnten die Beziehungen mit den aufstrebenden Wirtschaftsmächten Indien und China stärker in den Fokus rücken.

Am Mittwoch empfängt Merkel den chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang. Die Treffen dienen auch der Vorbereitung des G20-Gipfels in Hamburg im Juli.

Trump antwortet auf Merkel-Kritik per Twitter
A. Horchler, ARD Washington
30.05.2017 15:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Mai 2017 um 13:43 und 14:22 Uhr.

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