Merkel und Trump | Bildquelle: dpa

Merkel im Weißen Haus Mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten

Stand: 17.03.2017 21:24 Uhr

Annäherung beim Thema Sicherheitspolitik, wenig Gemeinsames in der Wirtschaftspolitik - bei der ersten Begegnung von Kanzlerin Merkel und US-Präsident Trump wurden die Gegensätze beider deutlich. Die Atmosphäre war angespannt.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

"Beim Thema Abhören, haben wir wenigstens etwas gemeinsam", sagte US-Präsident Donald Trump zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ob er damit das von der NSA abgehörte Handy der Kanzlerin oder die Stasi in der ehemaligen DDR meinte, wurde nicht klar. Aber wenn das einzige Gemeinsamkeit zwischen Deutschland und den USA ist, dann kann einem schon ein bisschen Angst und Bange werden.

Viele Gemeinsamkeiten hatten beide nach ihrem ersten Treffen in Washington in der Tat nicht zu bieten. Interessanterweise ist man sich offenbar in der Verteidigungspolitik ein Stück näher gekommen. Trump und die Kanzlerin betonten, wie wichtig die NATO sei. Trump zeigte sich erfreut, dass Deutschland seinen Verteidigungshaushalt erhöht, in Afghanistan werde man gemeinsam für Stabilität sorgen.

Gegensätze in der Wirtschaftspolitik

Beim Thema Wirtschaft hörte die Freundschaft dann sichtbar auf. Trump schaute versteinert, wenn immer es um Wirtschaftsfragen ging: "Deutschland hat viel besser als wir verhandelt, dafür muss ich sie loben. Wir wollen keinen Sieg, aber wir wollen Fairness." So klingt es, wenn Menschen im Anzug eine Kriegserklärung abgeben.

Merkel versuchte, so beruhigend wie möglich zu sprechen: "Ich bin die Bundeskanzlerin und ich vertrete deutsche Interessen, so wie er amerikanische Interessen vertritt. Wir haben versucht, bei Themen, wo wir unterschiedlicher Meinung sind eine Lösung zu finden." Merkel versuchte noch einen Scherz: "Wenn alles so einfach wäre, bräuchte man ja keine  Politiker." Doch Trump war nicht zum Scherzen aufgelegt. Gibt es einen Tweet, den sie bedauern?", wurde er gefragt. "Sehr wenige" antwortete der Präsident.

Vielleicht fürchtete Trump Fragen der amerikanischen Journalisten, die sich vor allem für die geplante Gesundheitsreform interessierten. Der East Room des Weißen Hauses war überfüllt. Das Interesse von Journalisten aus Amerika, Asien und vor allem Deutschland an dem ersten Auftritt an der mächtigen Deutschen und des mächtigen Amerikaners war groß.

Ivanka Trump und Angela Merkel | Bildquelle: REUTERS
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Beim Treffen mit Wirtschaftsvertretern beider Staaten wurde Merkel neben Trumps Tochter Ivanka platziert.

Trump wirkte angespannt. Während der Rede der Kanzlerin hörte er sehr konzentriert, vielleicht auch abwesend zu. Anwesend waren auch seine engsten Berater: Vizepräsident Mike Pence, Tochter Ivanka mit Ehemann und Chefberater Steven Bannon, der zur Feier des Tages eine Krawatte trug.

Auch beim Thema Flüchtlinge waren beide weit auseinander. Während Trump sagte, Einwanderung sei ein Privileg und kein Recht, sagte die Kanzlerin, man müsse Flüchtlingen eine Lebensperspektive geben.

Kein Handschlag im Oval Office

Schon der Auftakt der Begegnung war etwas frostig. Trump verweigerte der Kanzlerin einen erneuten Handschlag für die Kameras. Er versuchte freundlich zu sein: "Schicken Sie bitte ein gutes Bild nach Deutschland", sagte er den anwesenden Journalisten. Dann zogen sich beide für ihr erstes Vier-Augen-Gespräch zurück.

Anschließend gab es die große Wirtschaftsrunde mit den Vorständen von Siemens, BMW und Schäffler. Auf amerikanischer Seite war unter anderem der Chemieriese Dow Chemical dabei. Bei den Vorständen sah man fröhlichere Gesichter als zuvor.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. März 2017 um 20:00 Uhr.

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