Zeitungen nach Trump-Wahl | Bildquelle: dpa

Trumps Streit mit den Medien "Mich macht das krank"

Stand: 22.11.2016 21:43 Uhr

"Dem Amt total unangemessen" - das ist eine der harmloseren Äußerungen von Top-US-Medienvertretern nach einem Treffen mit Donald Trump. Er habe sich ohne Unterbrechung heftig über die Berichterstattung beschwert. Auch die "New York Times" greift er seit Tagen drastisch an.

Donald Trump bleibt auch als designierter Präsident auf Kriegsfuß mit den großen Medien der USA. Am Dienstag drangen Einzelheiten eines vertraulichen Treffens von Trump mit führenden Vertretern aller großen US-TV-Sender an die Öffentlichkeit. Ohne namentlich genannt zu werden, äußerten sich mehrere der Journalisten entgeistert und aufgebracht. Man habe nach dem heftigen Wahlkampf am Montag mit einem versöhnlichen Treffen oder der Ankündigung einer baldigen Pressekonferenz gerechnet, doch das Gegenteil sei der Fall gewesen. "Es war ein totales Desaster", zitierte die "New York Post" einen Teilnehmer.

Kellyanne Conway aus Trumps Team zeichnete ein anderes Bild des Gesprächs. Man habe sich in herzlicher Atmosphäre konstruktiv ausgetauscht.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
I watched parts of @nbcsnl Saturday Night Live last night. It is a totally one-sided, biased show - nothing funny at all. Equal time for us?

"Mich macht das krank"

Trump sei sehr wütend gewesen, zitieren US-Medien wie der "New Yorker" Teilnehmer. Er habe gesagt, am Schlimmsten seien die Sender CNN und NBC, sie seien Lügner, er hasse CNN. Man sei in einem Raum voller Lügner, mit hinterlistigen, unaufrichtigen Medien. NBC habe er gefragt, warum sie von ihm immer ein so hässliches Foto mit einem Doppelkinn zeigten? "Er poltert genau so herum, wie während des Wahlkampfs und plustert sich total auf", wurde ein anderer Teilnehmer zitiert. "Das ist dem Amt total unangemessen. Mich macht das krank. So etwas habe ich noch nie erlebt. Er versteht unsere Rolle nicht. Er denkt, wir wären dafür da, zu sagen, was er sagt, und fertig."

An dem Gespräch mit Trump nahmen führende Vertreter und Star-Moderatoren der Sender NBC, ABC, CBS, CNN und Fox teil.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
The failing @nytimes story is so totally wrong on transition. It is going so smoothly. Also, I have spoken to many foreign leaders.

Dauerattacken auf die "New York Times" - und jetzt ein Treffen

Ein für Dienstag vereinbartes Treffen mit dem Herausgeber und mehreren Reportern der "New York Times" sagte Trump erst ab, dann plötzlich wieder zu. Trump hatte am frühen Morgen getwittert, die Bedingungen des Treffens seien kurzfristig geändert worden. Die Zeitung hatte dem widersprochen.

Das Treffen fand inzwischen statt. In dem Interview mit Reportern der Zeitung sagte Trump, er sehe doch einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und menschlichem Einfluss. "Irgendwie, es hängt davon ab, wie viel", sagte er.

Auf die Frage, ob sich die USA unter seiner Führung aus internationalen Klimaabkommen zurückziehen würden, sagte Trump: "Ich werde das sehr genau prüfen. Ich stehe dem Ganzen offen gegenüber." Im Wahlkampf hatte Trump einen menschengemachten Klimawandel verneint und gesagt, er wolle entsprechende Vereinbarungen aufkündigen.

Die "New York Times" ist seit längerem ein bevorzugtes Ziel der Kritik Trumps. Auch als gewählter Präsident verbreitete er, das Blatt scheitere, und wegen der angeblich falschen Berichterstattung über ihn sänken die Verkaufszahlen. Allerdings ist das Gegenteil der Fall: Nach der US-Wahl meldete die "New York Times" Rekordzugriffe und Zehntausende neuer Bezahlabos, sowohl digital als auch für die Print-Ausgabe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2016 um 12:40 Uhr

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