Trumps Twitteraccount | Bildquelle: AP

US-Präsident erntet Kritik Trump, Twitter und der Terror

Stand: 04.06.2017 21:44 Uhr

Bereits kurz nach der Terrorattacke in London hat sich US-Präsident Trump dazu geäußert - natürlich via Twitter. Ins Visier nahm er unter anderem den Londoner Bürgermeister Khan. Nicht nur dafür erntete er viel Widerspruch und offene Ablehnung.

Nach der jüngsten Terrorattacke in London hat US-Präsident Donald Trump in einer Reihe von Tweets dazu Stellung genommen - dabei nutzte er die Vorfälle auch für die eigenen politischen Zwecke.

So warb er in seinem ersten Tweet nach dem Angriff für seinen eigenen Anti-Terror-Kurs, insbesondere für die - von Gerichten blockierten - Einreiseverbote für viele Muslime.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
We need to be smart, vigilant and tough. We need the courts to give us back our rights. We need the Travel Ban as an extra level of safety!

Erst in seinem zweiten Tweet versicherte er London und Großbritannien die Solidarität der USA.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Whatever the United States can do to help out in London and the U. K., we will be there - WE ARE WITH YOU. GOD BLESS!

Außerdem mokierte sich Trump über die Befürworter schärferer Schusswaffengesetze in den USA - mit Blick darauf, dass die Terroristen in London einen Kleinlaster und Messer eingesetzt hatten.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Do you notice we are not having a gun debate right now? That's because they used knives and a truck!

Ärgerliche Reaktionen auf Waffen-Tweet

Diese Äußerung sorgte auch für ablehnende Reaktionen bei Twitter. Nutzer verwiesen zum Beispiel auf die strengen Waffengesetze in Großbritannien.

Kyle Griffin @kylegriffin1
That's probably because the U.K. has strong gun control laws https://t.co/2QvyRTbieO https://t.co/zzmUsUSgjC

Andere Twitter-Nutzer warfen die Frage auf, welche Folgen es gehabt hätte, wären die Täter mit automatischen Waffen statt mit Messern bewaffnet gewesen.

Charles Arthur @charlesarthur
And: armed police killed the perpetrators in 8 minutes of it being called in. Now consider a standoff against nuts with automatics. https://t.co/0PneVYvTOJ

Auch die US-Politikerin Gabrielle Giffords meldete sich zu Wort. "Jeden Tag sterben 90 Menschen in unserem Land durch Schusswaffen", schrieb sie. Daher debattiere man auch jeden Tag über Schusswaffen.

Gabrielle Giffords @GabbyGiffords
Mr. President, every day we are having a gun debate because every day 90 people in our country die from gun violence. Many of them are kids. https://t.co/Pv6z2ILKl1

Giffords war im Januar 2011 niedergeschossen und schwer verletzt worden. Inzwischen engagiert sie sich eine Organisation, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzt.

Trump kritisiert Londons Bürgermeister ...

Den Bürgermeister von London, Sadiq Khan, griff der US-Präsident direkt an und riss dabei dessen Äußerungen aus dem Zusammenhang.

"Mindestens sieben tot und 48 verwundet bei einer Terrorattacke, und der Bürgermeister von London sagt, es gibt 'keinen Grund, alarmiert zu sein!'", so Trump.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
At least 7 dead and 48 wounded in terror attack and Mayor of London says there is "no reason to be alarmed!"

... und liegt daneben

Dabei hatte Khan seine Äußerung aber nicht auf die Terrorbedrohung bezogen, sondern klar darauf, dass die Londoner eine verstärkte Polizeipräsenz auf den Straßen zu erwarten hätten.

Dies fiel bald auf - zum Beispiel dem US-Journalisten Bradd Jaffy.

Bradd Jaffy @BraddJaffy
Full quote: “Londoners will see an increased police presence today & over the course of the next few days. There's no reason to be alarmed.” https://t.co/qjiqKAF3Pp

Khan hat "Wichtigeres zu tun"

Ein Sprecher des Londoner Bürgermeisters sagte der "Washington Post" zufolge zu der Anmerkung des Präsidenten, Khan habe "Wichtigeres zu tun" als auf Trumps Tweet zu antworten, "der seine Äußerungen absichtlich aus dem Zusammenhang reißt". So müsse der Bürgermeister unter anderem "die Antwort auf diese schreckliche und feige terroristische Attacke koordinieren".

Andere Briten waren weniger zurückhaltend. Der Ehemann der im Sommer 2016 ermordeten Labour-Abgeordneten Jo Cox, Brendan Cox, twitterte, Trump repräsentiere das Schlechteste seines Landes, während Khan für das Beste Großbritanniens stünde.

Brendan Cox @MrBrendanCox
@realDonaldTrump You represent the worst of your country, @SadiqKhan represents some of the best of ours.

Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling ätzte, wenn sie einen Panikmacher und Aufschneider bräuchte, würde sie sich bei Trump melden.

J.K. Rowling @jk_rowling
It's called 'leadership', Donald. The terrorists were dead 8 minutes after police got the call. If we need an alarmist blowhard, we'll call. https://t.co/NUiy9j4fBt

Unterstützung bekam Khan auch von der US-Botschaft in Großbritannien. Die Diplomaten lobten die "starke Führungspersönlichkeit" des Bürgermeisters nach dem Terrorakt.

U.S. Embassy London @USAinUK
I commend the strong leadership of the @MayorofLondon as he leads the city forward after this heinous attack. – LLukens 3/3 https://t.co/p4dDZuCpyO

Über dieses Thema berichteten am 04. Juni 2017 tagesschau24 um 12:00 Uhr und NDR Info um 19:00 Uhr.

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