Kommentar

Merkels Kurswechsel bei Trump Endlich keine Hoffnungen mehr!

Stand: 29.05.2017 08:47 Uhr

Viel zu lange hatten die US-Bündnispartner die Illusion, dass man Donald Trump noch einfangen könne. Damit ist jetzt glücklicherweise Schluss. Angela Merkels Kursänderung ist daher überfällig.

Ein Kommentar von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Endlich! Endlich kehrt Realismus im Umgang mit Donald Trump ein. Endlich werden die Hoffnungen auf den Politiker und Transatlantiker im US-Präsidenten über Bord geworfen. Zu lange schon dachten einige Europäer, dass man den nicht mehr ganz so neuen Mann im Weißen Haus schon in die Spur bringen, ihm erklären könne, wie wichtig das Pariser Klimaabkommen ist oder warum es nicht möglich ist, bilaterale Handelsverträge mit EU-Mitgliedern auszuhandeln.

Nehmt die Zukunft selbst in die Hand, Europäer - da hat Angela Merkel ein wahres Wort gelassen ausgesprochen. Es hat lange genug gedauert. Denn Trump liefert nur, was er versprochen hat: "America First" - das sagt er seit fast zwei Jahren, und das setzt er um.

Dass man keinen Gesprächspartner hat, der zuhört und abwägt, hätte beim Präsidenten der 140 Twitter-Zeichen längst klar sein müssen. Ein Mann, dem Loyalität über alles geht. Schluss mit dem Honig-um-den-Mund-Schmieren und Rote-Teppiche-Ausrollen. Es ist eine Neujustierung, um den USA und Trump auf Augenhöhe zu begegnen. Bei Trump gilt innen- wie außenpolitisch viel mehr als in den vergangenen Jahren: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Merkels logische Schlussfolgerung

Merkels Neujustierung ist daher eine logische Schlussfolgerung. Eine Chance, sich neu aufzustellen. Eine Chance, Europa auch als außenpolitische Union mehr mit Leben zu füllen. Einigen in den USA ist sehr wohl klar, dass Merkels Statement keiner Laune entsprungen, sondern wohl überlegt ist. Sie sehen den Einfluss der USA in der Welt schrumpfen und fragen, wo der Erfolg bitte an dieser Reise sei, bei der Trump enge Verbündete verprellte.

Doch Trumps Währung ist eine andere: Für ihn zählt nur, was bei seinen Anhängern ankommt. Nicht umsonst fragt er in direkten Mails an seine Anhänger immer wieder mal die Stimmung ab. Und die ändert sich nicht wegen eines Klimaabkommens oder der europäischen Flüchtlingspolitik. Ganz im Gegenteil: Merkels Unzufriedenheit ist in den Augen seiner Anhänger ein Qualitätsmerkmal. So schreiben Anhänger beispielsweise, Merkels Unzufriedenheit sei ein Grund sehr zufrieden zu sein.

Trump wird seinen Kurs nicht ändern

Solange Trump von seinen Wählern so bejubelt wird, ändert er an seinem Kurs nichts. Das war bisher so und wird auf absehbare Zeit so bleiben. Die Hoffnung, Trump könne aus diesem Skandal oder jenem Fehltritt etwas lernen, sollte man sich abschminken. Das hat schon Dutzende Male zu Enttäuschungen geführt, im Wahlkampf und im Weißen Haus. Die Frage ist, wie lange Verteidigungsminister, Nationale Sicherheitsberater oder Außenminister in den USA noch versuchen, zurechtzurücken und zu beruhigen, was Trump aufgewühlt hat.

Unter einem US-Präsidenten Trump ist Merkels Weg der einzig richtige. Ein Nachfolger Trumps, wann auch immer der kommt und wer auch immer es sein wird, muss irgendwann mal mit den Folgen umgehen.

Überrascht über Trumps Auftritt? Willkommen in der Wirklichkeit
Martina Buttler, ARD Washington
29.05.2017 08:59 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 29. Mai 2017 NDR Info um 06:20 und 07:08 Uhr sowie Inforadio u.a. um 06:46 Uhr.

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