Kommentar

Trumps erste Auslandsreise Der Präsident gibt sich Mühe

Stand: 22.05.2017 00:12 Uhr

Während Trump das Ausland bislang vor allem als Bedrohung dargestellt hat, gefällt er sich nun in der Rolle des hofierten Gastes. Und bislang hat er auf seiner Reise keinen Fehler gemacht. Ob er den Anti-Terror-Kampf wirklich vorantreiben kann, bleibt offen.

Ein Kommentar von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Am 4. Juni 2009 hielt Barack Obama eine Rede in der Universität von Kairo. Fast auf den Tag genau, acht Jahre später, wendet sich wieder ein US-Präsident an die arabische Welt. Doch die Adressaten sind andere.

Während Obama vor Studenten sprach, nahm es Donald Trump mit Königen, Diktatoren, religiösen Führern und Präsidenten auf. Einige von ihnen unterstützen selbst Terrororganisationen, andere verfolgen Juden oder unterdrücken Frauen, wie der saudische Gastgeber.

Keine Kritik

Doch kein Wort der Kritik kam über die Lippen des Präsidenten. Er war hier um einen Deal abzuschließen und da kritisiert man nicht die Familienverhältnisse. Trump ist auf einer Mission, auf einer ganz großen. Es geht um Frieden, nicht nur im Nahen Osten, nein, gleich auf der ganzen Welt. Nach dem Motto: Was ist noch besser als Präsident zu sein? Retter der Welt.

Vor allem weil das Leben im Weißen Haus viel komplizierter ist als gedacht. Einfach ist es auch nicht, den Terror zu bekämpfen. Das sollte Trump nicht unterschätzen. Dennoch verdient seine Initiative Respekt. Er will dem Terror den Geldhahn zudrehen. Das ist richtig, denn ohne Geld keine Waffen, kein Lohn für übergelaufene Soldaten, keine Organisation.

Ob sich die Anwesenden nun tatsächlich daran halten, hängt viel vom saudischen König ab. Dieser hat sich als echter Verbündeter des Präsidenten angeboten, es ist auch ein Test, wieviel Einfluss der Monarch in der arabischen Welt hat.

Bislang hat Trump auf seiner Reise keine Fehler gemacht. Sie ist allerdings auch erst zwei Tage alt. Er hat jedes Mikrofon gemieden und seine Tweets sind so harmlos wie der Kindergartenbesuch der First Lady. Man kann es nicht anders sagen, der Präsident gibt sich Mühe.

Schöne Empfänge - gute Ergebnisse?

Es ist eine interessante Wendung. Während er seit seiner Kandidatur das Ausland vor allem als Bedrohung dargestellt hat, gefällt er sich jetzt in der Rolle des hofierten Gastes. Doch schöne Empfänge sind das eine, Ergebnisse das andere. Sonst ergeht es ihm wie Obama. Der bekam in seine ausgestreckt Hand gleich den Nobelpreis gedrückt und schlich am Ende als gescheiterter Friedenspolitiker aus dem Weißen Haus.

Einen Fehler hat der Präsident allerdings bereits im Vorfeld begangen, er hat einen wichtigen Spieler kalt gestellt - den Iran. Der Terror hat viele Väter und will man ihn besiegen, muss man mit allen verhandeln. Die US-Regierung macht aber allein Teheran für das Chaos im Mittleren Osten verantwortlich. Mit Hassan Rouhani ist aber gerade ein Präsident wieder gewählt worden, der auf den Westen zugehen will.

In der Festung Saudi-Arabien den Iran aufzufordern, den Menschen ein freieres Leben zu ermöglichen, ist geradezu lächerlich. Das wäre wie wenn Trump Deutschland auffordern würde, doch endlich mehr für den Umweltschutz zu tun. Die einseitige Freundschaft mit den Saudis könnte die gutgemeinte Friedensinitiative gefährden.

Kommentar: Der Präsident gibt sich Mühe
S. Fritz, ARD Washington, zzt. Riad
22.05.2017 09:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 22. Mai 2017 um 06:06 Uhr und 07:16 Uhr im "Morgenecho".

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