Gipfel noch vor Mai

Kim und Trump wollen sich treffen

Stand: 09.03.2018 07:19 Uhr

In wenigen Wochen könnte es soweit sein: US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wollen sich zu einem Gipfel treffen. Kim ist dafür offenbar bereit, vorläufig auf Raketentests zu verzichten.

US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jon Un sind zu einem Treffen bereit. Der südkoreanische Sicherheitsberater Chung Eui Yong sagte in Washington, Kim habe seine Bereitschaft ausgedrückt, Präsident Trump so bald wie möglich zu treffen.

Das Weiße Haus bestätigte, dass auch Trump in ein Treffen eingewilligt hat. Der US-Präsident schrieb auf Twitter, Kim habe in seinen Gesprächen mit Südkorea von einer Denuklearisierung gesprochen, nicht nur von einem Einfrieren des Atomwaffenbestands. Es sei großer Fortschritt erzielt worden, aber die Sanktionen würden aufrechterhalten, bis eine Abmachung erreicht sei. "Treffen wird geplant!", schrieb Trump.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders teilte mit, Zeit und Ort des Treffens stünden noch nicht fest. Ein ranghoher Mitarbeiter des US-Präsidenten sagte am Abend, man rede noch nicht von Verhandlungen mit Nordkorea. Es sei zunächst einmal ein Treffen von Angesicht zu Angesicht geplant.

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Trump und Kim wollen sich persönlich treffen

tagesschau 20:00 Uhr, 09.03.2018, Gabor Halasz, ARD Tokio

Vorläufig keine Tests?

Laut Chung soll das Treffen noch vor Mai stattfinden. Kim soll demnach zugesagt haben, die nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketentests zumindest vorläufig einzustellen. Der nordkoreanische Machthaber sehe sich nach dessen eigenen Worten der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verpflichtet und sehe deshalb von diesen Tests ab. Trump wolle bei dem Treffen mit Kim die "dauerhafte Denuklearisierung" der Halbinsel erreichen.

"Wie auch Präsident Trump, sind wir optimistisch, einen diplomatischen Prozess fortzuführen, um die Möglichkeit einer friedlichen Lösung auszutesten. Südkorea, die Vereinigten Staaten und unsere Partner dringen gemeinsam darauf, dass wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und dass der Druck so lange anhält, bis Nordkorea seinen Worten konkrete Taten folgen lässt", sagte Chung.

Chung hatte Anfang der Woche ein Treffen einer ranghohen südkoreanischen Delegation mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim in Pjöngjang angeführt. Nach einem Zwischenstopp in Seoul reiste er nach Washington weiter, um die US-Regierung über die Gespräche zu informieren.

Washingtons wichtiger Verbündeter Japan begrüßte die "Änderung" im Verhalten Nordkoreas. Er sei sich mit Trump einig, dass diese Entwicklung das Ergebnis des fortgesetzt hohen Drucks auf Nordkorea durch Japan, seine Schutzmacht USA, Südkorea und der internationalen Gemeinschaft sei, sagte Japans Regierungschef Shinzo Abe nach einem Telefonat mit Trump.

Überraschende Wende

Nun soll es also zu einem Treffen zwischen Trump und Kim kommen, nachdem sich diese monatelang beschimpft hatten und mit Krieg drohten. Diese Wende überraschte viele in Washington: außenpolitische Experten genauso wie große Teile der Trump-Regierung. "Es macht mir nichts aus, wenn das nur ein Fototermin ist, der zu ernsthaften Verhandlungen führt", sagte der frühere UN-Botschafter Bill Richardson bei CNN. Richardson mahnte, die US-Seite müsse sich für die Gespräche gut vorbereiten - damit sie nicht in eine Falle laufe.

Der republikanische US-Senator Lindsey Graham warnte Kim vor falschen Absichten: Das Schlimmste, was Kim tun könne, "ist Präsident Trump zu treffen und mit ihm zu spielen. Wenn Sie das tun, wird das das Ende von Ihnen sein - und das Ende Ihres Regimes."

"Er hat ergründet, wie Trump tickt"

Durchaus unterschiedlich sind die Meinungen, was den Stimmungsumschwung ausgelöst hat. Leon Panetta, Verteidigungsminister unter Präsident Barack Obama, sagte: "Kim Jong Un hat seinem Arsenal Diplomatie hinzugefügt, wenn es darum geht, mit den USA umzugehen. Ich denke, er hat Donald Trump ergründet und wie er tickt."

Andere wiesen darauf hin, dass die harten UN-Sanktionen Wirkung zeigten - wenn Kim verspreche, seine Atomtests auszusetzen, könne es daran liegen, dass ihm das Geld ausgegangen sei. Trump-Unterstützer verwiesen auf die harte Haltung des Präsidenten gegenüber Nordkorea. Der frühere Trump-Berater Sebastian Gorka sagte bei FoxNews: "Amerikas Führung ist wieder da. Unser Präsident ist vorangegangen, mit Worten und einem großen Knüppel. Er hat diesem stalinistischen Diktator Paroli geboten. Und was ist passiert: In nur wenigen Monaten haben sie eingelenkt und wollen reden. Nach Jahrzehnten der Beschwichtigung ist das die Rehabilitierung der Außenpolitik des Präsidenten."

Mit Informationen von Jan Bösche, ARD-Studio Washington