Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un berührt US-Präsident Trump am Rücken. | Bildquelle: AFP

Nach dem Gipfel in Singapur Anhaltende Euphorie bei Trump und Kim

Stand: 13.06.2018 06:49 Uhr

Nach dem Gipfel in Singapur sind beide Seiten voll des Lobes und des Danks. Trump twittert nette Worte und Pjöngjang feiert seinen Vorsitzenden. Japan hingegen sorgt sich um seine Sicherheit.

Die Hochstimmung nach dem historischen Gipfel in Singapur hält an. US-Präsident Donald Trump dankte dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un auf Twitter euphorisch dafür, "den ersten mutigen Schritt hin zu einer hellen neuen Zukunft für sein Volk getan" zu haben. Ihr gemeinsamer Gipfel "beweist, dass echter Wandel möglich ist", ergänzte er. Nordkorea könne alles erreichen, wenn es seine Atomwaffen aufgebe und sich dem Handel und Austausch mit der Welt zuwende.

"Die Welt hat einen großen Schritt zurück vor einer nuklearen Katastrophe gemacht. Keine Raketenstarts mehr, keine Nukleartests oder -forschung mehr!", fügte Trump in einem weiteren Tweet hinzu. "Danke, Vorsitzender Kim, unser Tag zusammen war historisch." Kim habe die Chance, als der Mann in Erinnerung zu bleiben, der "eine herrliche neue Ära" von Sicherheit und Wohlstand für sein Volk eingeleitet habe.

Nordkoreas Medien feiern Gipfel als Erfolg

Die staatlichen Medien in Nordkorea werteten das als Erfolg für die Führung in Pjöngjang. Auf der Titelseite der offiziellen Parteizeitung wurde das Gespräch in Singapur als "Treffen des Jahrhunderts" bezeichnet. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA schrieb, das Treffen sei durch den "festen Willen" der beiden Staaten zur Beendigung der feindschaftlichen Beziehungen zustande gekommen.

Die Agentur beschrieb fast jeden Schritt der beiden Staatsmänner, angefangen vom ersten Händeschütteln, dem "Souvenir-Foto", bis hin zum Verlauf der Gespräche, sowohl unter vier Augen als auch später im erweiterten Kreis mit Beratern. Zu den veröffentlichten Details der Gespräche gehörte unter anderem auch die Zusage Kims, die sterblichen Überreste gefallener US-Soldaten aus dem Koreakrieg möglichst bald in die USA zu überführen.

Ende der Feindseligkeiten im Fokus

Trump habe seine Absicht bekundet, die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea zu stoppen, Nordkorea Sicherheitsgarantien zu geben und Sanktionen aufzuheben, wenn sich die Beziehungen verbesserten. Beide Seiten seien sich einig gewesen, dass Frieden, Stabilität und Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel nur schrittweise und durch gleichzeitiges Vorgehen erreicht werden könnten, so KCNA.

Ansonsten war von der atomaren Abrüstung nur wenig in den nordkoreanischen Medien zu lesen. Vielmehr konzentrierte sich die Berichterstattung auf das Ende der Feindseligkeiten zwischen Nordkorea und den USA.

Kim habe betont, sollten die USA aufrichtig vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, werde auch Nordkorea weitere Zeichen des guten Willens setzen. Er habe deutlich gemacht, wie dringlich es sei, dass beide Seiten auf feindliche militärische Aktionen gegeneinander verzichteten. Einladungen ins jeweils andere Land hätten Kim und Trump "mit Freude" angenommen.

Japan hält an Manövern fest

Sollten die USA die Darstellung im KCNA-Bericht bestätigen, könnte dies als Zugeständnis Trump gewertet werden. Denn Regierungsvertreter der USA hatten zuvor betont, dass Nordkorea rasche Maßnahmen hin zu einer Denuklearisierung im Gegenzug für bedeutsame Vorteile einleiten müsse. Einige Experten argumentierten, dass eine nur stufenweise atomare Abrüstung Pjöngjangs eine List sein könnte, um Zugeständnisse zu bekommen, zugleich aber eine Denuklearisierung zu verschleppen.

Japan äußerte sich skeptisch über die Ankündigung Trumps, die amerikanisch-südkoreanischen Militärmanöver zu beenden. Die Militärpräsenz der USA in Südkorea und die gemeinsamen Manöver seien wichtig für die Sicherheit in Ostasien, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Darüber müsse eine Verständigung zwischen Japan, den USA und Südkorea hergestellt werden. Sein Land werde an den gemeinsamen Manövern mit den USA ebenso festhalten wie am Ausbau seiner Verteidigung gegen mögliche Raketenangriffe aus Nordkorea

Zwischen Hoffnung, Lob und Zweifel? US-Reaktionen auf Gipfel
Torsten Teichmann, ARD Washington
13.06.2018 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete ein Brennpunkt am 12. Juni 2018 um 20:15 Uhr und die tagesschau um 20:00 Uhr.

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