Die Flaggen Kanadas und der USA | Bildquelle: AP

Kanada und USA Nachbarschaftsstreit wegen Trump?

Stand: 23.01.2017 02:07 Uhr

Die USA und Kanada sind einander die wichtigsten Handelspartner. Doch durch Trumps aggressiven Nationalismus und Protektionismus sind viele Kanadier beunruhigt. Sie machen sich Sorgen, dass Tausende Jobs verloren gehen könnten - in beiden Ländern.

Von Gudrun Engel, ARD-Studio New York

400.000 Pendler queren täglich die Grenze zwischen Kanada und den USA auf dem Weg zur Arbeit - in beide Richtungen. Die beiden Länder sind wichtige Handelspartner. Der Übertritt zum Nachbarn war kein Problem, bis jetzt. Doch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA neu verhandeln zu wollen, bereitet vielen Kanadiern deshalb Sorgen - genau wie sein Motto: "Buy american, hire americans" - "Kaufe amerikanische Produkte und beschäftige Amerikaner."

Kanada fürchtet Folgen für die Wirtschaft durch Trump
tagesschau24 15:30 Uhr, 23.01.2017, Gudrun Engel, ARD New York

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Sorgen bei Unternehmern

Wenn Phil White sich dick eingepackt auf den Sattel seines Rades schwingt, strampelt er vor allem, um Frust abzubauen. Frust über den neuen amerikanischen Präsidenten und seine Vision von "America first". In Whites Augen Protektionismus pur. Denn der Ingenieur ist nicht nur Fahrradfahrer aus Leidenschaft: Vor mehr als 20 Jahren hat er in Toronto sein Hobby zum Beruf gemacht und "Cervelo Bikes" gegründet.

Seine Firma baut die schnellsten Fahrräder der Welt aus hochmodernen Materialien. Sie kommen bei der Tour de France zum Einsatz und bei allen großen Ironman-Wettbewerben. 40 Prozent seines globalen Umsatzes macht White in den USA, viele Ingenieure in seiner Firma kommen von dort. "Für uns - und eigentlich für alle Branchen - geht es darum: Woher kriegen wir die besten Leute? Alles was die Freizügigkeit der Arbeitnehmer einschränken könnte, würde ein großes Problem für uns." Vor allem, weil gerade Arbeitnehmer in den sogenannten Tech-Berufen gewohnt seien, oft von Ort zu Ort zu ziehen.

Exportvolumen von 300 Milliarden

Phil Whites Räder sind nur ein Produkt, das die Amerikaner gerne bei ihren Nachbarn kaufen. Die USA sind der größte Handelspartner Kanadas. Laut kanadischem Handelsministerium gehen fast 75 Prozent aller kanadischen Exporte über die Grenze zu den Nachbarn. Das sind vor allem Autos, Maschinen, Maschinenteile, Erdöl und landwirtschaftliche Produkte. Im Jahr 2015 hatten diese Waren zusammengerechnet einen Wert von 295 Milliarden US-Dollar. In den USA machen diese Importe etwa die Hälfte des Marktes aus. Jedes zweite Produkt, das angeliefert wird, stammt also aus Kanada.

Millionen Jobs in Kanada hängen direkt an dem US-Abnehmermarkt, 300.000 alleine in der Automobilindustrie. Kein Wunder, dass die Kanadier leicht nervös werden, wenn Trump ankündigt, das gemeinsame Handelsabkommen NAFTA überdenken zu wollen.

Handelsexperte Bob Rae war früher Regierungsberater in Kanadas Hauptstadt Ottawa, mittlerweile lehrt er Handelsrecht an der Universität Toronto. Einen derartigen Protektionismus habe er seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt, warnt er: "Jahrelang waren die USA die Architekten und zentralen Stützen von vielen Handelsabkommen. Trump will diese Konstrukte jetzt alle in die Luft fliegen lassen!"

"Er zerstört kanadische und amerikanische Jobs"

Gefährlich und kurzsichtig sei das: "Der Handel, den wir mit den USA treiben, findet häufig als Austausch zwischen Niederlassungen von ein und demselben Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze statt. Was Donald Trump noch nicht verstanden hat ist, dass wenn er andere Länder gängelt, er in Wahrheit auch sein eigenes Land bestraft. Er zerstört sowohl kanadische als auch amerikanische Arbeitsplätze."

Laut US-Handelsministerium stammen 65 Prozent aller Importe, die Kanada erhält, aus den USA. Fast neun Millionen Jobs in den USA hängen daran. Die beiden Länder brauchen sich also gegenseitig. Der neue Politikstil im Weißen Haus müsste demnach auch viele Amerikaner beunruhigen.

Trudeau telefoniert mit Trump

Am Wochenende hat Kanadas Premierminister Justin Trudeau zum ersten Mal mit Trump telefoniert. Was genau die beiden besprochen haben, ist nicht bekannt. Natürlich werde er versuchen, so gut wie möglich mit der neuen amerikanischen Regierung zusammenzuarbeiten, hatte Trudeau angekündigt, aber auch deutlich klargestellt: Einschüchtern lassen wolle er sich nicht.

"Kanada ist ein eigenständiges Land - und es gibt Dinge, die uns teuer und wichtig sind, den US-Amerikanern aber offenbar nicht so sehr. Ich werde weiterhin für die Dinge eintreten, an die ich glaube. Ich werde der Welt weiterhin sagen, dass ich Feminist bin, dass Einwanderung eine Stärke für uns ist und dass Kanadier muslimischen Glaubens ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind - heute und in der Zukunft", sagte Trudeau in der vergangenen Woche und wurde dafür bejubelt.

Jetzt wollen sich die beiden Staatschefs sobald wie möglich treffen, um die Verhandlungen zu starten. Fahrrad-Pionier Phil White hofft, dass die Dinge in Bewegung bleiben - für seine Firma und sein Land.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Januar 2017 um 15:00 Uhr im Wirtschaftsblock.

Darstellung: