Donald Trump | Bildquelle: AFP

Trump und die Medien "Feinde des amerikanischen Volkes"

Stand: 29.04.2017 10:34 Uhr

Wer ihm widerspricht, wird beleidigt, unliebsame Medienberichte sind für ihn Fake News - seit Nixon gab es keinen US-Präsidenten, der den Medien so feindlich gegenüber stand wie Trump.

Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Wer erfahren will, was sich seit Donald Trumps Amtsantritt für Journalisten verändert hat, muss sich die tägliche Pressekonferenz im Briefing Room des Weißen Hauses anschauen. Barack Obamas Sprecher Josh Earnest machte seinem Nachnamen alle Ehre und versuchte, die Fragen der Journalisten möglichst ehrlich zu beantworten. Dass er dabei Obamas Leistungen mit etwas "Spin" möglichst vorteilhaft verkaufte, das gehörte zum normalen Geschäft in Washington.

Spicer: Kleine Zettel vom Chef

Trumps Sprecher heißt Sean Spicer. Auch sein Verhalten gegenüber Journalisten entspricht seinem Nachnamen. Schon in seinem ersten Pressebriefing diktierte er in ungewöhnlicher Schärfe den verblüfften Korrespondenten in die Feder: "Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat. Punkt!" Obwohl die ganze Welt anhand der Fotos von der Mall und der Polizei-Statistik wusste, dass diese Behauptung falsch war.

Sean Spicer | Bildquelle: AP
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Trumps Sprecher Spicer bekommt kleine Zettel vom Chef in die Pressekonferenz

Spicer steht unter großem Druck. Denn nicht nur die White House-Korrespondenten hören ihm zu, sondern auch sein Chef. Trump lasse regelmäßig kleine Zettel in die laufende Pressekonferenz reichen, berichten Insider. Damit Spicer seine Sicht der Dinge mit noch mehr Nachdruck vertritt.

Lokalreporter und rechte Medien bevorzugt

Nach Trumps Amtsantritt wurden die traditionellen Spielregeln im Briefing Room auf den Kopf gestellt. Unter allen früheren Präsidenten durften zunächst AP und Reuters Fragen stellen, dann die großen Fernseh-Networks, die Nachrichtensender und die überregional bedeutenden Zeitungen.

Unter Trump geben rechtskonservative Medien wie Breitbart News und Fox News den Ton an. Spicer macht es Spaß, die alten Platzhirsche zu übergehen. Stattdessen darf das von evangelikalen Christen geschätzte "Christian Broadcasting Network" harmlose Fragen stellen. Oder Lokalreporter von Zeitungen aus der Mitte des Landes, die per Skype zugeschaltet werden und wissen wollen, wann wieder mehr Ölpipelines gebaut werden dürfen.

Trumps Verständnis von der Wahrheit

Problematischer ist, dass es der Präsident mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt. Die Fact-checking-Internet-Seite "PolitiFact" hat festgestellt, dass schon im Wahlkampf 70 Prozent aller Aussagen Trumps falsch waren. Auch als Präsident änderte sich Trump nicht. Es habe drei Millionen illegaler Wählerstimmen für Hillary Clinton gegeben, behauptete er. "Letzte Nacht in Schweden" seien fürchterliche Dinge passiert. Und sein Amtsvorgänger Obama habe ihn abhören lassen, ein ungeheuerlicher Vorwurf, den Trump bis heute nicht beweisen konnte.

Medien sollen Lügen als Lügen bezeichnen

Reporter-Legende Carl Bernstein, der den Watergate-Skandal aufdeckte, forderte die Medien auf, Lügen als Lügen zu bezeichnen. Doch nicht alle folgen ihm wie die "New York Times" oder die "Washington Post". Das "Wall Street Journal" empfiehlt, von "Unwahrheiten" oder "falschen Fakten" zu sprechen, weil niemand wisse, ob Trump mit Absicht lüge. Auch der öffentliche Radiosender "National Public Radio" meint: Je kriegerischer Trump gegen die Medien vorgehe, umso ruhiger und gewissenhafter solle man die Fakten dagegen stellen.

"Unterste Gattung Mensch"

Das fällt nicht immer leicht. Vor allem wenn Trump Journalisten als "low life" verspottet, als "unterste Gattung Mensch". Oder sie persönlich verunglimpft wie Katy Turr von NBC ("Little Katy") oder Jim Acosta von CNN ("You are fake news!")

Donald Trump spricht | Bildquelle: REUTERS
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Trump: Journalisten sind "unterste Gattung Mensch"

Einige seiner Anhänger nehmen den Krieg gegen die Medien wörtlich. Auch ARD-Korrespondentin Martina Buttler wurde kürzlich in Iowa von einer Trump-Anhängerin wüst beschimpft. Die Nicht-Regierungsorganisation "Committee to Protect Journalists" sieht darin nicht nur eine Gefahr für die Pressefreiheit in den USA. Sondern überall in der Welt könnten sich Autokraten durch Trump ermutigt fühlen, Medien und Journalisten anzugreifen.

Gute Recherche und Qualität

Viele Medien haben jedoch auf Trumps Angriffe mit einer Qualitätsoffensive geantwortet. Die "New York Times" hat die Zahl ihrer Korrespondenten im Weißen Haus auf zwölf verdoppelt. Mehrere Medien haben ihre Investigativ-Abteilungen ausgebaut und zusätzliche Fakten-Checker eingestellt.

Anders als während des Irak-Krieges, als sich die US-Medien unter George W. Bush patriotisch vereinnahmen ließen, laufen sie derzeit zur Hochform auf. Trumps Kriegserklärung setzen sie vor allem gute Recherchen entgegen. Mit Erfolg: Die "New York Times" hat im letzten Quartal 2016 über eine viertel Million neue Digital-Abos verkauft.

Auch die "Washington Post" erfreut sich steigender Nachfrage. Stiftungen zur Förderung von Investigativ-Journalismus verzeichnen Spendenrekorde und Informationssendungen in Radio und Fernsehen steigende Einschaltquoten.

Wenn Informationen die Währung einer Demokratie sind, wovon der dritte US-Präsident Thomas Jefferson überzeugt war - dann muss man sich auch nach Trumps Amtsantritt um die Demokratie in den USA keine Sorgen machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 30. April 2017 um 12:20 Uhr

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