Screenshot von YouTube

Trump-Interview Der Schokokuchen-Luftschlag

Stand: 13.04.2017 17:38 Uhr

Was man so macht, wenn man den Befehl gibt, einen syrischen Militärstützpunkt anzugreifen? "Den wunderschönsten Schokokuchen" essen, erzählt US-Präsident Trump in einem TV-Interview. Ausrutscher oder gezielte Aktion?

Von Maiken Nielsen, tagesschau.de

Wollte er mediale Aufmerksamkeit oder hat US-Präsident Trump einfach nicht nachgedacht, als er im Interview mit dem TV-Sender Fox Business von "dem wunderschönsten Schokoladenkuchen" schwärmte, den er aß, während er den Befehl zum Luftschlag gegen Syrien gab? Das Interview gibt gleich an mehreren Stellen Rätsel auf.

Eine halbe Stunde lang stand Trump der Fox-Moderatorin Maria Bartiromo Rede und Antwort. Das Interview behandelte Themen wie Steuerreform, Gesundheitswesen, Putin und die Lage in Syrien. "Putin unterstützt eine böse Person", sagte Trump mit Blick auf Assad. "Schlecht für Russland, schlecht für die Menschheit, schlecht für diese Welt."

"Den wunderschönsten Schokoladenkuchen"

Als die Interviewerin Trump bat, genau zu erzählen, in welcher Situation er den Luftschlag gegen Syrien angeordnet hatte, ließ sich Trump zu dem Satz hinreißen: "Wir aßen gerade den wunderschönsten Schokoladenkuchen, den man sich vorstellen kann."

Zum Giftgasangriff in Syrien Anfang April befragt, sagte Trump über Assad: "Selbst einige der schlimmsten Tyrannen haben nicht diese Art von Gas benutzt." Eine ähnliche Bemerkung hatte sein Regierungssprecher Sean Spicer bereits am Vortag gemacht und damit ungläubiges Entsetzen auf der ganzen Welt hervorgerufen. Selbst eine so "verabscheuungswürdige" Person wie Hitler sei "nicht so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden", hatte Spicer vor den Medien geäußert. Assad hätte Giftgas gegen das eigene Volk eingesetzt, während Hitler Gas in "Holocaust-Zentren" - gemeint waren Konzentrationslager - habe einsetzen lassen.

Jetzt also setzte Trump noch einmal nach.

"Handlungswillen demonstriert"

Verfährt Trump nach einem Muster, wenn er diese Äußerungen von sich gibt oder hat er schlichtweg den Geschichtsunterricht geschwänzt? Und warum führte er im Fox-Interview den Abend mit dem chinesischen Staatschef in allen Einzelheiten bis hin zur Qualität des Schokokuchens aus?

Der Politikwissenschaftler und ehemalige deutsche Botschafter in Japan und der Volksrepublik China, Volker Stanzel, hat eine Erklärung: Mit dem Befehl zum Luftschlag auf Syrien hat Trump vor Chinas Staatschef Xi Jinping bei einem ungezwungenen Abendessen in Mar-a-Lago Unberechenbarkeit und Handlungswillen demonstriert. "Trump wollte den chinesischen Staatschef damit erschrecken, vielleicht sogar schockieren", erklärt Stanzel im Gespräch mit tagesschau.de. "Er hofft, dass der Luftschlag Chinas Haltung zu Nordkorea verändert und damit die eingefahrene 'Nordkorea-Routine' durchbricht."

Volker Stanzel | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Politikwissenschaftler Volker Stanzel: Trump wollte den chinesischen Staatschef mit dem Luftschlag in Syrien "erschrecken, vielleicht sogar schockieren".

Taktische Zwischenmahlzeit

Auf Trumps Schokokuchen-Luftschlag-Erzählung reagierte Fox-Interviewerin Bartiromo schlichter, aber nicht weniger eindeutig: "Als Sie da mit dem chinesischen Präsidenten saßen und die Luftschläge anordneten", strahlte sie, "war das geplant?"

Zumindest wirkt es wie geplant. Trump und Xi sitzen bei einem "wunderschönen" Essen zusammen und reden über die weltpolitische Lage. Trump, der zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt hatte, dass die USA sich aus den Krisen der Welt herausziehen wollten und der die NATO noch vor Kurzem als obsolet bezeichnet hatte, will vor China Stärke zeigen. Die Ankündigung eines Luftschlags mit 59 Raketen noch vor dem Dessert wirkt da wie eine taktische Zwischenmahlzeit.

Trump will Unterstützung Chinas

Die Bedrohung durch Nordkorea macht China seit längerem zu einem gefragten Gesprächspartner für Südkorea, Japan und eben auch die USA. "Sie erhoffen sich von Peking Unterstützung gegen Pjöngjang", erklärt Stanzel. "Peking stimmt den Verschärfungen der Sanktionen in der Regel zwar pro forma zu, setzt sie aber nicht dort um, wo es Pjöngjang wirklich weh täte. Trump hofft nun, die Interessenkalkulation Pekings zu beeinflussen." Sprich: Er will Peking für amerikanische Interessen einnehmen und hofft, dass Peking dadurch von seinen nordkoreanischen Interessen abrückt - auch, indem er militärische Stärke demonstriert.

Denn mit dem Luftschlag gegen Syrien nicht genug, ließ Trump - kaum dass der chinesische Staatschef abgereist war - eine Flugzeugträgergruppe an die nordkoreanische Küste beordern.

"Alle 59 Raketen habe ihre Ziele getroffen - unglaublich"

Im Fox-Interview prahlte Trump von der Effizienz seiner Marschflugkörper während des Luftschlags auf Syrien. "Alle 59 Raketen habe ihre Ziele getroffen. Unglaublich, aus hunderten Meilen Entfernung. Genial. Was wir an Technologie haben, da kommt niemand heran, niemand kann mit uns konkurrieren." Und an einer anderen Stelle des Interviews: "Wir haben das beste Militär der Welt. Auf der Erde."

"Man muss sich jetzt erst einmal die absehbaren Resultate des Militärschlags anschauen", sagt Stanzel dazu. "Innenpolitisch erhält der Präsident erstmals seit seinem Amtsantritt bei Republikanern wie bei Demokraten Zustimmung - ein bitter notwendiger Erfolg nach einer Reihe von Niederlagen."

Irak? Oder doch Syrien?

Dumm nur, dass Trump bei der Schilderung seiner Raketen sagte, er habe sie auf den Irak zielen lassen. "Sie meinen Syrien?", hakte die Fox-Interviewerin irritiert nach. "Ja, Syrien", überlegte Trump es sich neu. In sozialen Medien wurde sein Ausrutscher prompt millionenfach geteilt und kommentiert.

Dabei ist eine andere Stelle des Interviews fast noch amüsanter. Auf die Frage Bartiromos, ob Trump glaube, dass Kim Jong Un noch alle Tassen im Schrank habe, antwortete Trump nachdenklich: "Ich weiß es nicht..."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. April 2017 um 05:49 Uhr

Darstellung: