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Verunsicherung im Silicon Valley Die Angst vor dem Downgrade

Stand: 10.11.2016 09:29 Uhr

Fast acht Millionen Dollar haben Apple, Facebook und Co. für Clintons Wahlkampf gespendet - und nur 300.000 Dollar für Trump. Der hatte während des Wahlkampfs oft gegen die Internetwirtschaft gewettert und mit Restriktionen gedroht. Im Silicon Valley geht nun die Unsicherheit um. Von Wolfgang Stuflesser.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Teile des Internets einfach abzuschalten - das ist eine Politik, die man sonst eher aus autoritär regierten Ländern wie China, Nordkorea oder der Türkei kennt. Die USA stehen dagegen eigentlich für ein Maximum an Meinungs- und Redefreiheit, manchmal bis an die Schmerzgrenze.

Donald Trump hat da eine andere Haltung: Er sieht im Internet auch ein Werkzeug des internationalen Terrorismus, etwa der Terrormiliz IS. In einer der Fernsehdebatten während des Wahlkampfs sagte Trump: "Der IS rekrutiert über das Internet. Er nutzt das Internet besser, als wir es tun, dabei war es unsere Erfindung." Und so antwortete Trump auf Nachfrage des Moderators: Ja, er sei dafür, Teile des Internets abzuschalten.

"Es ist schwer zu sagen, was passieren wird"

Das sei einer der Gründe, warum man im Silicon Valley so besorgt über Trump sei, sagt Technikjournalistin Molly Wood vom Radiosender NPR. "Doch nichts davon wurde bislang als offizielle politische Linie präsentiert. Deshalb ist es schwer zu sagen, was genau passieren wird." Aber klar sei, dass sich Trump sehr stark gegen die Verschlüsselung von Datenverkehr ausgesprochen habe. "Wir können also viele Diskussionen zwischen der neuen Regierung und den Firmen des Silicon Valleys dazu erwarten - und diese Gespräche dürften nun deutlich zugespitzter verlaufen", so Wood.

Außerdem will Trump Jobs zurück in die USA holen. Da hat er zum Beispiel Apple im Visier. Der Konzern macht riesige Gewinne, doch die iPhones werden in China gebaut. Er werde Apple dazu bringen, seine "verdammten Computer" in den USA zu bauen statt in anderen Ländern, sagte Trump.

Es sei jedoch ziemlich schwer, eine Firma zu etwas zu zwingen, entgegnet Technikjournalistin Wood. Aber natürlich gebe es Anreize wie zum Beispiel Steuern. Die künftige Trump-Regierung könnte auch Bestimmungen lockern, um es leichter zu machen, Jobs in die USA zurückzuholen. Das war eines der wenigen klaren Versprechen in Trumps Wahlkampf: Jobs zurück in die Heimat zu holen.

Kann Trump die Zeit zurückdrehen?

Die Frage ist nur, ob seine Regierung wirklich die Zeit zurückdrehen kann - denn, so erklärt die Technikjournalistin, das Verschwinden der Jobs sei nur zum Teil Folge des Freihandels: "Viele Arbeitsplätze sind einfach durch Maschinen ersetzt worden. Darüber hat Trump im Wahlkampf kaum gesprochen, aber es wird ein riesiges Technikthema der Zukunft sein."

Spannend ist auch die Frage, ob Trump willens ist, die Steuerlöcher zu stopfen, die die großen Technikkonzerne wie Alphabet, Facebook und auch Apple weidlich ausnutzen. Er selbst hat sich ja oft genug damit gebrüstet, so wenig Steuern wie möglich zu zahlen - das dürfte seine Verhandlungsposition gegenüber den Firmen nicht eben stärken, jetzt, wo er auf der anderen Seite des Tisches sitzt.

Internet abschalten? Donald Trump und das Silicon Valley
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
10.11.2016 09:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 10. November 2016 um 07:14 Uhr.

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