Kommentar

Trump und sein 100-Tage-Plan Schon jetzt sehr dünnhäutig

Stand: 22.11.2016 17:35 Uhr

Trumps 100-Tage-Plan enthält viele Wahlversprechen - und viele nicht, etwa die Mauer zu Mexiko. Spätestens wenn seine Wähler darauf pochen, wird er in Zugzwang geraten. Doch bereits jetzt reagiert Trump auf Kritik extrem dünnhäutig.

Ein Kommentar von Rolf Büllmann, ARD-Studio Washington

Es ist ein 100-Tage-Programm, das seinen Anhängern und seinen Wählern gefallen dürfte - Donald Trump macht nämlich Druck: Schluss mit TPP, weg mit Umweltschutzbestimmungen aus Präsident Obamas Zeit, mehr Schutz für die Infrastruktur, strengere Bestimmungen für Lobbyisten, genauere Kontrollen von Arbeitsvisa.

Das hört sich schon mal gut an, wenn man auf Trumps Seite ist. Vor allem, weil das tatsächlich alles Dinge sind, die der neue Präsident an seinem ersten Tag im Amt umsetzen kann, nichts davon braucht die Zustimmung des Kongresses. Gleichzeitig zeigt das aber auch Trumps Schwäche. Denn von anderen seiner zentralen Wahlkampfthemen ist überhaupt keine Rede mehr: Die Mauer an der Grenze zu Mexiko findet keine Erwähnung; das Einreiseverbot für Moslems, die Ausweisung illegaler Einwanderer oder die Abschaffung von Obamacare.

Trump braucht Ja des Kongresses

Was diese Punkte eint? Die Tatsache, dass Trump die Zustimmung des Kongresses braucht, dass es schwieriger komplizierter politischer Verhandlungen bedarf, um sie umzusetzen, mit einem politischen Gegner, der keinerlei Interesse daran hat, ihm zum Erfolg zu verhelfen - kein Wunder, dass der künftige Präsident diese Punkte lieber totschweigen würde.

Die Medien haben diese Diskrepanz schon angesprochen. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die ersten Trump-Anhänger nachfragen, wie es denn nun weitergeht - vor allem mit der Mauer an der Grenze zu Mexiko. Und es wird interessant sein zu sehen, wie Trump damit umgeht.

Trump bleibt Trump

Was sich zeigt, ist allerdings, dass Trump Trump bleibt. Als er während des Wahlkampfes wegen seiner schroffen Art kritisiert wurde, hatte er gesagt, er werde so präsidial sein, dass es geradezu langweilig werden würde mit ihm. Doch knapp zwei Wochen nach der Wahl ist davon nichts zu spüren. Trump ist immer noch der Trump aus dem Wahlkampf. Er ist noch immer nachtragend und kleinlich, nimmt Kritik persönlich und äußert sich verächtlich über die, die nicht seiner Meinung sind  - und das bevorzugt über Twitter.

Er ist unzufrieden mit den Medien und hat das nach allem, was man weiß, den großen US-Sendern auch bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen mitgeteilt - und zwar bis ins Detail: Bei NBC soll er sich über die Auswahl eines unschmeichelhaften Fotos beschwert haben. Kritische Berichterstattung passt ihm nicht, gerade erst hat er die Arbeit der "New York Times" wieder einmal als "gemein" bezeichnet und ein Treffen mit Herausgeber und Redakteuren der Zeitung kurzfristig abgesagt - die Bedingungen seien in letzter Minute geändert worden, so Trump.

Noch keine Pressekonferenz

Er hat noch nicht eine offene Pressekonferenz gegeben, seit er die Wahl gewonnen hat. Sogar seinen Plan für die ersten hundert Tage hat er mit einem vorproduzierten Video veröffentlicht, Nachfragen Fehlanzeige. Der Wille, sich mit dem Establishment - auch dem Medien-Establishment - und dem Status Quo anzulegen, war eine der großen Stärken für Trump im Wahlkampf. Und er zeigt keinerlei Willen, das zu ändern, jetzt wo er auf dem Weg ins Weiße Haus ist. Die Frage ist, wie weit er damit kommen kann. Sein 100-Tage-Plan und vor allem die Lücken darin zeigen, dass er zum ersten Mal die Grenzen dafür erkannt hat.

Trumps 100-Tage-Plan
R.Büllmann, ARD Washington
22.11.2016 16:51 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 22. November 2016 um 22:15 Uhr.

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