Kommentar

Krisenmanagement des Präsidenten "Harvey" - eine dauerhafte Prüfung für Trump

Stand: 30.08.2017 03:53 Uhr

Mit Überschwemmungen kann man Wahlen gewinnen. Aber mit schlechtem Überschwemmungs-Management kann man auch untergehen. Trump hatte geplant, im Etat 2018 die Fluthilfen zu streichen. Nun wird er an "Harvey" gemessen werden.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio Washington

Das fängt ja gut an, dachte man am Freitagabend: In banger Erwartung blickte ganz Amerika nach Texas, wo Hurrikan "Harvey" auf Land treffen sollte. Und quasi im Windschatten des Wirbelsturms begnadigte Präsident Donald Trump noch schnell einen rassistischen Sheriff, segnete das Transgender-Verbot bei den Streitkräften ab und feuerte einen weiteren Mitarbeiter.

Als der Hurrikan dann die texanische Küste traf und der Präsidenten zu twittern begann, wollte man schon wieder in den Fremdschäm-Modus schalten: "WOW", schrieb er, "Experten rechnen bei 'Harvey' mit einer Flut, wie es sie seit 500 Jahren nicht gab." Und: "HISTORISCHE Niederschläge in Texas" - geschrieben in Großbuchstaben selbstverständlich. Das klang wieder mal wie der infantile Trump auf der Jagd nach Superlativen und nicht wie der mitfühlende Landesvater, den ein Landstrich, dem das Wasser bis zum Hals steht, brauchen würde.

Als Trump dann seinen Besuch in Texas ankündigte, als Zeichen der Solidaritätsbekundung, kam postwendend die Kritik: Die Verantwortlichen in der Krisenregion haben jetzt sicher andere Sorgen, als den Präsidenten zu schützen. Doch als Trump dann mit weißer Schirmmütze und Windjacke an der Seite seiner Frau Melania in Corpus Christie landete, hatte man ihm ein Besuchsprogramm ausgearbeitet, das die unmittelbaren Krisenregionen aussparte. Und dann lieferte er die erwartbaren Bilder und Sätze, Händeschütteln mit dem Gouverneur und Lob für alle professionellen und freiwilligen Helfer, unter Jubel eine texanische Fahne schwenkend und rufend: "Texas steht das durch!"

Ein "Modell für kommende Naturkatastrophen"

Trump gab den Präsidenten, den ein Land an dieser Stelle sehen will, und formulierte dabei forsch den Anspruch: Man wolle die Folgen von "Harvey" so vorbildlich abwickeln, dass das ein Modell für kommende Naturkatastrophen werden könne. Trump hatte da offenbar die Fehler seiner Vorgänger vor Augen: Ex-Präsident George W. Bush ließ sich 2005 in der "Air Force One" in sicherem Abstand über das von Hurrikan "Katrina" überflutete New Orleans fliegen, was ihm lange nachhing. Und die schleppende Reaktion seines Vaters, Ex-Präsident George Bush, auf Hurrikan "Andrew" erschütterte 1992 den Glauben vieler US-Bürger an die Regierung in Washington.

Doch die wahre Herausforderung steht Trump erst noch bevor: Wie er diese Naturkatastrophe managt, das ist sein erster ganz großer Test seit seinem Amtsantritt im Januar.

Mit Überschwemmungen kann man Wahlen und Autorität gewinnen. Das haben Helmut Schmidt 1962 bei der Hamburger Sturmflut und Gerhard Schröder bei der Elbeflut 2002 eindrücklich bewiesen. Auch Barack Obama brachten sein empathisches Auftreten und schnelle Finanzhilfen nach Wirbelsturm "Sandy" 2012 wichtige Pluspunkte für die Wiederwahl. Mit schlechtem Überschwemmungs-Management kann man dagegen untergehen im Strudel der öffentlichen Meinung.

Flutprävention auf Trumps Streichliste

Um die betroffenen Regionen in Texas wieder aufzupäppeln, werden über Jahre Milliarden Dollar nötig sein. Zwar verspricht Trump, Washington werde Texas auf dem "langen und schwierigen Weg zum Wiederaufbau" beistehen, und er regele das mit dem Kongress. Doch angesichts der angespannten Beziehung zu seiner eigenen Partei, könnten die Republikaner ihm dabei durchaus Steine in den Weg legen.

Falls er es überhaupt ernst meint. Denn sein Haushaltsentwurf 2018 sieht bisher die Streichung von Fluthilfe-Darlehen für Unversicherte vor, die nach "Katrina" und "Sandy" vielen Betroffenen halfen. Auch Gelder für Flutprävention stehen auf Trumps Streichliste. Arme und sozial Benachteiligte sind von Naturkatastrophen immer besonders getroffen. Und in einem Staat, der stark auf Eigeninitiative statt auf soziale Netze setzt, kann das besonders bitter sein.

Wenn es im Herbst um den Haushalt 2018 und die Anhebung der Schuldengrenze geht, wird man sehen, ob Trump Flutopfer priorisiert oder eher eine Mauer nach Mexiko. Hurrikan "Harvey" wird eine dauerhafte Prüfung für den Präsidenten bleiben.

Kommentar: Hurrikan Harvey wird zur Prüfung für Trump
Gabi Biesinger, ARD Washington
30.08.2017 14:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. August 2017 um 18:00 Uhr und 22 Uhr.

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