Kinder spielen neben einer Graffiti-Karikatur des republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump im Flussbett des Rio Grande. | Bildquelle: dpa

Migranten aus Mittelamerika Die Angst vor Trump hält sie zurück

Stand: 17.12.2016 14:13 Uhr

Donald Trump ist kein Freund von Migranten aus Mittelamerika: Im Wahlkampf kündigte er den Bau einer riesigen Grenzmauer zu Mexiko sowie Massendeportationen an. Das zeigt nun Wirkung: Viele Flüchtlinge sind verängstigt und bleiben vorerst in Mexiko hängen.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Luz Maria - schwanger und mit einem Baby auf dem Arm - hat es per Anhalter von Honduras bis nach Mexiko-Stadt geschafft. Sie ist Armut und Gewalt entflohen. Den Vater ihrer Kinder hat sie verlassen. Jetzt schlägt die blondierte 22-Jährige in der kirchlichen Migrantenherberge die Zeit tot, wartet auf Weihnachten und hofft, dass ihr Asylantrag positiv beschieden wird.

Als sie in Honduras aufbrach, waren noch die USA ihr Ziel. Aber nach dem Wahlsieg von Donald Trump änderte sie ihren Plan: "Es ist zu kompliziert geworden. Alle sagen, man sollte nicht rüber gehen. Ich hab hier mit Leuten gesprochen: deren Angehörige in den USA wollen jetzt zurück, weil alles viel schlimmer werden wird und die Migrationspolizei aggressiv gegen die Leute vorgeht", berichtet die junge Mutter. Das mache ihr Angst.

Donald Trump | Bildquelle: REUTERS
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Donald Trump: Er will eine riesige Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten.

Geplatzte Träume

Die Angst hält auch eine weitere Honduranerin zurück. Gabriela teilt sich seit Wochen ihr schmales Bett im Frauen-Schlafraum der Herberge mit ihrer anderthalbjährigen Tochter. Die 23-Jährige ist im siebten Monat schwanger. Auch sie hat es auf eigene Faust nach Mexiko geschafft. Jetzt will sie hier bleiben, weil ihr das Risiko zu hoch ist, in den USA festgenommen zu werden.

Trump hatte in seinem Wahlkampf mit Massendeportation gedroht. Die Flüchtlinge aus Mittelamerika nehmen seine Worte sehr ernst: "Ich erinnere mich genau an das, was Trump gesagt hat. Ich bin enttäuscht, denn ich dachte, in den USA könnte ich meine Träume verwirklichen, es zu etwas bringen", sagt sie. Aber Trump begegne Menschen wie ihr mit Rassismus, ohne zu sehen, dass Einwanderer auch nützlich seien. "Leider hat er gewonnen und damit ist auch mein Traum geplatzt. Rassismus und Egoismus sind nun einmal schlechte Begleiter", bedauert sie.

Wie die anderen Flüchtlinge, die hier Zuflucht gefunden haben, kommt Gabriela aus armen Verhältnissen. Menschen wie sie bekommen kein Visum für die USA und versuchen deshalb den illegalen Grenzübertritt. Von der Möglichkeit, in Mexiko Asyl zu beantragen, wissen die wenigsten.

Flüchtlinge aus Mittelamerika haben Angst vor Trump
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko City
17.12.2016 13:31 Uhr

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Flüchtlingsherbergen haben große Sorgen

Die Ordensschwestern der Herberge stehen deshalb beratend zur Seite, so wie Maria Soledad Morales Rios: "Trotz der neuen politischen Verhältnisse in den USA werden die Menschen weiterhin kommen", sagt sie. Die Zahl der Mittelamerikaner, die weg wollten, sei gestiegen. Viele hätten sich schon vor den US-Wahlen auf den Weg gemacht - aus Angst, dass es danach noch schwieriger werde. "Diese Angst spüren wir auch bei den Neuzugängen: Sie sind sich nicht mehr sicher, ob sie es wagen sollen, weiterzuziehen. Auf der anderen Seite erwarten wir auch einen Ansturm von Deportierten, die wir hier beherbergen müssen", berichtet die Ordensschwester.

Das ist dann der Fall, wenn Trump Ernst macht mit seiner Drohung, Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere auszuweisen. Die katholische Herberge ist spezialisiert auf Flüchtlinge, die lange bleiben, weil sie lieber Asyl in Mexiko beantragen, anstatt in die USA zu gehen. Fast 10.000 Mittelamerikaner haben in diesem Jahr einen Antrag gestellt – mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Der mexikanische Staat ist darauf nicht vorbereitet, die Last tragen die kirchlichen Herbergen.

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