Trump und Farage bei einem Wahlkampfauftritt | Bildquelle: AFP

Anregung via Twitter Trump schlägt Farage als Botschafter vor

Stand: 22.11.2016 11:08 Uhr

US-Präsidenten, ob im Amt oder kurz davor, entscheiden in der Regel nicht darüber, welches Land welchen Botschafter entsendet. Donald Trump hat dennoch konkrete Vorstellungen, wer Großbritannien in Washington vertreten könnte: der EU-Gegner Nigel Farage. Die Reaktion aus London: schmallippig.

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat den Brexit-Befürworter Nigel Farage als britischen Botschafter in Washington ins Gespräch gebracht. Viele Menschen würden dies begrüßen, erklärte Trump auf Twitter. "Er würde eine großartige Arbeit leisten!"

Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May wies den Vorschlag allerdings umgehend zurück. "Es ist keine Stelle frei." Großbritannien verfüge bereits über einen ausgezeichneten Botschafter in den USA.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Many people would like to see @Nigel_Farage represent Great Britain as their Ambassador to the United States. He would do a great job!

Gespräche im Tower

Farage ist Chef der populistischen Partei UKIP und einer der bekanntesten Gegner der britischen EU-Mitgliedschaft und hatte im US-Wahlkampf Werbung für Trump gemacht. Nach dem Sieg Trumps besuchte er ihn in New York. Das Treffen stieß in der britischen Regierung auf kaum verhülltes Missfallen - es gebe keinen Bedarf für weitere Beteiligte in den diplomatischen Beziehungen, hieß es anschließend.

Farage, der anschließend über "garstige Apparatschiks" geschimpft hatte, die ihn ausschließen wollten, zeigte sich beglückt über den Tweet Trumps und verärgert über die Reaktionen der britischen Administration.

In einem eigenen Tweet stellte er fest, die Welt habe sich geändert, es sei an der Zeit, dass "Downing Street" sich ebenfalls verändere. Wenige Minuten später twitterte er, er kenne einige Mitglieder der Trump-Mannschaft seit Jahren und sei in einer "guten Position", um mit Unterstützung Trumps zu helfen.

Was wird aus den "besonderen Beziehungen"?

Die britische Regierung hofft darauf, auch nach dem Regierungswechsel in Washington die traditionell engen Beziehungen zu den USA zu erhalten und ihnen - zumal nach einem Austritt aus der EU - noch größeres Gewicht zu verleihen. So kündigte May in der vergangenen Woche an, mit Trump über die Handelsbeziehungen sprechen zu wollen. Amtsinhaber Barack Obama hatte die Briten vor einem Brexit gewarnt und erklärt, sie müssten sich für ein Handelsabkommen mit seinem Land "hinten anstellen", weil der geplante TTIP-Pakt mit der EU Vorrang habe.

Wegen des überraschenden Wahlausganges in den USA und des Widerstandes in Europa gilt TTIP aber inzwischen als chancenlos. Auch Trump setzt eher auf bilaterale Vereinbarungen und hat angekündigt, auch aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP auszusteigen.

Farage im Trump-Tower | Bildquelle: REUTERS
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Ein schöner Tag: Farage bei einem Besuch im Trump-Tower Mitte November.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. November 2016 um 15:38 Uhr

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