Trump steht vor seinen Anhängern in Elkhart. | Bildquelle: AP

Reportage aus Indiana Einblicke in Trumps Amerika

Stand: 12.05.2018 13:44 Uhr

Ob angebliche Affäre mit Pornodarstellerin oder Verstrickungen mit Russland - der US-Präsident kann seine Fans nicht schocken. Was begeistert sie noch immer?

Von Timo Fuchs, ARD-Studio Washington

Die Warteschlange vor der Middle School in Elkhart scheint kein Ende zu nehmen. Schon Stunden vor dem Auftritt des Präsidenten stehen die Fans von Donald Trump die gesamte Lawrence Street herauf bis zur Schule, von dort aus wieder die gesamte Straße hinunter, vorbei an der Polizeisperre, dann um einen kompletten Häuserblock herum und schließlich zurück bis zur Schule.

Aber die Menge ist gut gelaunt, und die Bedingungen sind ideal für die Verkäufer der Trump-Devotionalien, die sich entlang der Schlange aufgebaut haben. Tausende schieben sich etwa an Pauls Ansteckern vorbei. "Holt euch die Trump-Plaketten hier!", ruft er.

Präsident Trump in Elkhart, Indiana, USA | Bildquelle: REUTERS
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In der Middle School in Elkhart brandet Jubel auf, als US-Präsident Trump die Bühne betritt.

Paul verkauft alles vom "Make-Amerika-Great-Button" bis zum "Bau-die-Mauer"-Anstecker.

Die Mauer als Bollwerk zum Schutz gegen illegale Einwanderer - das ist das Thema Nummer eins für die meisten Trump-Anhänger aus der Arbeiterstadt Elkhart im Norden des Bundesstaats Indiana.

"Die benutzen die Sozialversicherungsnummer von anderen, und die Arbeitgeber lassen das zu", wettert einer der Trump-Anhänger. "Das muss aufhören. Wenn ich Steuern bezahle, müssen das auch die Einwanderer."

Afroamerikaner trauen sich nicht mehr in die Schule

Viele der Menschen betonen allerdings, dass sie gegen legale Einwanderung nichts einzuwenden haben. Trotzdem schimpft eine Gruppe von Protestlern auf der gegenüberliegenden Straßenseite herüber zu den Trump-Fans. Sie machen sich Sorgen um dem Hass, der von Trumps Kampagne ausgeht. Eine Lehrerin erklärt, dass die Afroamerikaner und Hispanos unter ihren Schülern sich aus Angst nicht mehr in die Schule trauen würden.

John, ein Feuerwehrmann aus Bristol, kommt gerade vorbei. Er hat sogar seine Kinder mitgebracht, damit sie dem Präsidenten an diesem Tag leibhaftig begegnen können. Das sei eine einmalige Gelegenheit. Die Kids wüssten, so sagt er, dass Trump besser als Obama sei.

Allerdings sind es nicht nur die alten Klischees, die die Menschen hier zu Trumps Unterstützern machen. Es ist etwas Neues hinzugekommen, das sich wie ein roter Faden durch diesen schwülwarmen Abend in Elkhart zieht. Trump habe geliefert, erklärt John. Er habe mittlerweile bewiesen, dass er Dinge wirklich verfolgt und umsetzt.

Präsident Trump in Elkhart, Indiana, USA | Bildquelle: REUTERS
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Die Kids wüssten, dass Trump besser als Obama sei, sagt ein Feuerwehrmann.

Dankbarkeit spürbar

Vom Feuerwehrmann bis zur Rentnerin - und ganz gleich, ob die Menschen häufig oder fast nie die Nachrichten verfolgen: Alle Trump-Fans wissen zu berichten, dass ihr Präsident gerade die Dinge mit Nordkorea regelt, den Iran in seine Schranken verwiesen und drei Amerikaner aus Nordkorea befreit habe, sagt Betty Barkenholder. Das wäre wohl nie gelungen, so der weibliche Fan, wenn nicht Trump der Präsident wäre.

Mittlerweile schließen die Organisatoren die Türen der Middle School: 7500 Besucher füllen den Boden und die Ränge der Turnhalle bis unter das Dach. Weit mehr müssen draußen vor Lautsprechern zuhören. Inmitten der Menge in der Halle ist ein blaues Rednerpult auf einer kleinen Bühne aufgebaut. Und dann irgendwann steigt ein Mann mit einer überlangen, roten Krawatte die Stufen hinauf. Der Präsident kommt, und Jubel brandet auf.

Präsident Trump in Elkhart, Indiana, USA | Bildquelle: dpa
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Mann mit überlanger, roter Krawatte: US-Präsident Trump berichtet den Zuschauern von seinen Erfolgen.

Mit breitem Lächeln tritt Trump auf die Bühne, seine orange-blonde Haartolle leuchtet, und er nickt zum Applaus, als wolle er ihn bestätigen. Dies sei eine wahrhaft tolle Zeit für ihr Land, sagt er und verweist stolz auf die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit fast zwei Jahrzehnten. "Ich habe es euch doch gesagt", prahlt er.

Und auch wenn Experten Trumps Zutun dabei anzweifeln - es ist spürbar, dass die Menschen in Elkhart Trump wirklich dankbar sind. Auch für die Steuererleichterungen, die er durchgesetzt hat. Besucher Ron erklärt, sie brächten ihm 25 Dollar mehr in der Woche, also 1000 pro Jahr.

Zur Vertrauensperson geworden

Im Saal spricht Trump davon, wie er den Iran unter Druck setzt. Besucherin Adora sagt dazu, dass sie keinerlei Gefahr darin sehe. Trump wisse, was er tue, der Iran werde klein beigeben.

Trump ist zu einer Vertauensperson geworden, die in den Augen seiner Anhänger geliefert hat. Und niemand weiß das besser als er selbst. Auf den Schildern, die Trumps Team an das Publikum verteilt hat, steht an diesem Abend erstmals nicht mehr "Make America Great Again". Jetzt heißt es „KEEP America Great“. Amerika großartig halten - das klingt nach einer Ansage für die Wiederwahl.

Einblick in Trumps Amerika
Timo Fuchs, SR
12.05.2018 13:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2018 um 13:32 Uhr.

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