Eine Frau mit einem Kopftuch aus einer US-Flagge bei einer Demonstration gegen Präsident Trump. | Bildquelle: REUTERS

US-Einreiseverbote Wut im Irak, Bedauern im Sudan

Stand: 30.01.2017 02:26 Uhr

Nur wenige der sieben direkt betroffenen Staaten haben offiziell auf das US-Einreiseverbot reagiert. Das irakische Parlament äußerte sich verärgert und regte ein Einreiseverbot für US-Bürger an - dies beträfe vermutlich auch US-Soldaten.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Die Mühlen der Systeme im Nahen Osten und Nordafrika mahlen langsamer, daher gibt es bisher nur sehr wenige offizielle Reaktionen auf Trumps Einreisestopp für Bürger aus dem Irak, Jemen, Libyen, Sudan, Syrien und anderen Staaten.

Ein libanesische Sender behalf sich damit, Politiker aus dem Westen zu Wort kommen zu lassen - wie zum Beispiel den französischen Präsidenten Francois Hollande. Dieser forderte eine entschlossene Reaktion der EU auf die Politik des neuen US-Präsidenten.

"Wir wollen nicht in die USA"

Im Irak forderte der parlamentarische Ausschuss für internationale Beziehungen ganz offiziell, dass gleiches Recht für alle gelten müsse: Wenn Präsident Trump irakische Staatsbürger ausgrenze, sollten auch US-Bürger nicht mehr in den Irak einreisen dürfen. Das klingt danach, als wären die Politiker in Bagdad beleidigt.

Dazu passen auch Stimmen aus dem Volk. Das Fernsehen zeigte einen aufgebrachten Mann. Dieser sagte: "Wir brauchen sie nicht. Wir wollen die USA sowieso nicht besuchen. Ich glaube, dass die gescheiterte Politik der Amerikaner und ihre schrecklichen Taten die Völker dieser Welt überhaupt erst in die heutige Situation getrieben haben."

Was wird aus den US-Soldaten im Irak?

Doch Beleidigung hin oder her: Etwa 5000 US-Militärberater sollen im Irak sein, um bei der Schlacht um Mossul zu helfen. Wenn das irakische Parlament demnächst keine weiteren US-Amerikaner mehr einreisen lassen will oder gar Amerikaner ausweisen sollte, könnte das den Kampf gegen die Terrororganisation IS erschweren.

US-Soldaten bewachen eine Militärbasis östlich von Mossul (November 2016) | Bildquelle: dpa
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US-Soldaten unterstützen die irakische Armee beim Kampf um Mossul - wie lange noch? (November 2016)

Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden

In eine ähnliche Kerbe schlagen die syrischen Staatsmedien. In einer Zeitung, die in Damaskus verlegt wird, heißt es: Eine selbst gewählte Isolation der USA werde zu mehr Extremismus führen.

Weniger theoretisch reagierte ein syrischer Familienvater, der vor dem Krieg nach Jordanien floh. Er hatte die Hoffnung, in die USA weiterreisen zu können. Nun klagt er: "Wir sind nur Menschen, die in Sicherheit und Frieden leben wollen. Wir wollen nicht in die USA einreisen, um Terroranschläge zu verüben. Wir sind gegen Terror. Und der Islam ist eine Religion des Friedens."

Muslime fühlen sich benachteiligt

Dass gerade Muslime und islamisch geprägte Länder von Trumps Einreisestopp getroffen werden, verärgert viele Menschen in der Region. Sie fühlen sich diskriminiert. So sagen zwei Frauen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum:

"Sie nennen sich (im Westen) demokratische Länder, obwohl ihnen dafür die Grundlage fehlt."

"Das stellt eine Rechtsverletzung dar, wenn pauschal Bürger einzelner Länder nicht mehr einreisen dürfen. Das ist Diskriminierung von Menschen bestimmter Länder dieser Welt."

Das Außenministerium in Khartum hingegen äußerte lediglich sein "Bedauern" über Trumps Entscheidung. Man habe gehofft, die Beziehungen normalisieren zu können.

Reaktionen auf Trumps Einreiseverbot
B. Blaschke, ARD Kairo
29.01.2017 23:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Januar 2017 um 06:05 Uhr

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