Kommentar

Label "Made in China" | Bildquelle: dpa

China und USA Gerede vom Handelskrieg - reine Innenpolitik

Stand: 15.08.2017 15:27 Uhr

Mit seiner Ankündigung, Chinas Handelspolitik untersuchen zu lassen, bleibt US-Präsident Trump hinter seinen Wahlkampfversprechen zurück. Er will Zeit gewinnen. Trumps Gerede stellt nur die China-Skeptiker im Weißen Haus ruhig.

Ein Kommentar von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Das Gerede von einem möglichen Handelskrieg zwischen den USA und China ist Quatsch. Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, umstrittene chinesische Handelspraktiken untersuchen zu lassen, ist reine Innenpolitik. Das wissen die Chinesen und deswegen lassen sie sich von Trumps Ankündigung auch nicht groß provozieren. Dass China jetzt dennoch vor einem Handelskrieg warnt, gehört als Reflex einfach dazu.

Trump folgt wieder einmal dem üblichen Muster, wonach er ab und zu jedem der in seiner Regierung vertretenen Flügel ein Leckerli hinwerfen muss. Diesmal befriedigt er die Gelüste der Chinaskeptiker im Weißen Haus, vor allem die des Beraters für Handel und Industrie, Peter Navarro.

Langwierige Untersuchung statt konkreter harter Schritte

Trump weiß genau, dass die jetzt in Auftrag gegebene Untersuchung mindestens ein Jahr dauern wird. Bis dahin ist die Aufregung verflogen. Hätte die US-Regierung wirklich Ernst machen wollen mit den Chinesen, hätte sie andere Saiten aufziehen können: Einfuhrzölle rauf, neue Handelshemmnisse für chinesische Investoren in den USA und Beschränkungen für US-Firmen, die in China aktiv sind. All das hatte Trump im Wahlkampf angekündigt. Umgesetzt hat er davon nichts.

Stattdessen nun die weichgespülte Untersuchung zu möglichem Technologie-Klau durch Chinesen: Das Thema ist ein uralter Hut. Dass Trump ausgrechenet jetzt damit um die Ecke kommt, zeigt nur, wie hilflos er ist: Einerseits will er Chinas Wirtschaft lautstark kritisieren, andererseits aber niemandem auf die Füße treten und keinen zu großen Schaden in den für beide Seiten so wichtigen Wirtschaftsbeziehungen anrichten. Das ist alles sehr durchsichtig.

Internationale Konzerne nehmen Technologieklau in Kauf

Jetzt noch ein paar Worte zum Inhalt der Untersuchung. Im Kern stimmt der Vorwurf: Chinas Firmen zapfen systematisch Technologie von ausländischen Mitbewerbern ab. Doch ganz offensichtlich nehmen viele Unternehmen dieses Risiko bewusst in Kauf. Der größte US-Technologiekonzern Apple produziert zum Beispiel seit Jahren fast ausschließlich in China. Keiner zwingt Apple dazu. Wenn man sich die Bilanzen anschaut, scheint sich "Made in China" für den iPhone-Hersteller auf jeden Fall zu lohnen.

Klar ist doch: Das Überlassen von Technologie an chinesische Firmen war von Anfang an einkalkuliert und eingepreist in die Businesspläne der ausländischen Wirtschaft. Ob man es gut oder schlecht findet: Jeder, der in China Geschäfte mit Technologie macht, weiß, dass das nicht ohne Abstriche geht. Zum "Über-den-Tisch-Ziehen" gehören immer zwei - und internationale Konzerne spielen dieses Spiel seit Jahren munter mit. Dass das nicht nachhaltig ist und nicht ewig gut gehen wird, ist irgendwie logisch.

Die hohen kurz- und mittelfristigen Gewinne vernebeln vielen in China ansässigen Unternehmen aber leider die Sicht. Das gilt übrigens nicht nur für amerikanische Konzerne, sondern auch und erst recht für deutsche.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. August 2017 um 09:00 Uhr und Deutschlandfunk um 06:16 Uhr.

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