Anzeige für ein chinesisches Magazin mit dem Konterfei von Trump auf dem Titel (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Chinas Erwartungen an Trump Der Ton aus Peking hat sich geändert

Stand: 20.01.2017 14:26 Uhr

Man werde Kompromisse mit ihm schließen können - so wurde Trump in China vor seiner Wahl beschrieben. Doch der Ton staatlicher Medien wird seitdem immer schärfer. Sollte Trump weiter provozieren, werde das Konsequenzen haben, lautet der Tenor.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Drohungen werden direkter: Chinas staatlich gelenkte Medien haben Donald Trump zuletzt immer wieder davor gewarnt, von der Ein-China-Politik abzurücken. Sollte Trump nach seiner Amtsübernahme seine Provokationen fortsetzen, werde China Ernst machen und Taiwan möglicherweise geopfert werden, so die staatliche "Global Times". In einem Leitartikel der Regierungszeitung "China Daily" heißt es, die Taiwan-Frage sei "eine Büchse der Pandora mit tödlichem Potenzial".

"In der Konsequenz wie ein Schuss ins eigene Knie"

Deutlich diplomatischer, aber auch mit klarer Botschaft, äußerte sich die Sprecherin des Außenministeriums in Peking: "Jeder muss verstehen, dass es in der Welt Dinge gibt, die nicht verhandelt, gekauft oder verkauft werden können", so Hua Chuning. Die Anerkennung des Ein-China-Prinzips sei die Grundvoraussetzung und politische Basis für alle diplomatischen Beziehungen zwischen China und anderen Ländern.

Die Sprecherin fügte an: "Wenn jemand - egal wer und warum - das nicht anerkennt oder zur Verhandlungsmasse erklärt, werden die chinesische Regierung, das chinesische Volk und die internationale Gemeinschaft dem mit aller Macht entgegen treten. In der Konsequenz wäre das wie ein Schuss ins eigene Knie."

Zeitungsstand in Shanghai | Bildquelle: AFP
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Zeitungsstand in Shanghai. Chinas Staatsmedien drohen inzwischen ziemlich direkt, die Politik gibt sich (noch) diplomatisch.

Paradigmenwechsel mit schwerwiegenden Folgen

Die Signale aus Peking sind eindeutig: Für China kommt die Taiwan-Frage nicht auf den Verhandlungstisch. Sollte das wirklich Trumps außenpolitische Strategie sein, wäre das ein Paradigmenwechsel mit schwerwiegenden Folgen, sagt Jia Qingguo, Professor für Internationale Beziehungen an der Peking Universität. Dies könnte die diplomatischen Beziehungen beider Länder erschüttern oder sogar zerreißen - "bis hin zum militärischen Konflikt in der Meeresstraße von Taiwan."

Auch Chinas staatliche Medien spekulieren bereits offen über die Gefahr einer militärischen Eskalation. Die Regierung in Peking habe bald keine andere Wahl mehr, als die Handschuhe auszuziehen. Trumps Taiwan-Spiel sei ein Spiel mit dem Feuer, so der Kommentator der "China Daily". Trotzdem lautet die offizielle Devise: erst einmal muss Trump jetzt ins Amt, dann werde man sehen, was er wirklich anstellt.

"China reagiert sehr rational"

Auch in Peking richte sich der Blick heute nach Washington, sagt Experte Jia. Chinas Führung werde aufmerksam beobachten, was Trump zu sagen hat und welche Themen er wirklich anpacken will. "Aber China ist nicht nervös. China reagiert sehr rational, bezogen auf Tatsachen, und nicht emotional. Wir wollen mit den USA kooperieren, dort, wo wir gemeinsame Interessen haben. Und wir wollen an den Differenzen, die es zwischen uns gibt, arbeiten - um eine Eskalation zu verhindern."

Schwieriger als bislang

Die Ein-China-Politik und Taiwan, der Konflikt im Südchinesischen Meer, die Handelsstreitigkeiten - die chinesisch-amerikanischen Beziehungen könnten heute in eine Phase eintreten, die deutlich konfliktreicher und schwieriger wird als bislang.

Vor der Wahl hat man Trump in China noch als Pragmatiker beschrieben. Als Geschäftsmann, mit dem man bestimmt Kompromisse schließen könne. Der chinesische Blick auf Trump hat sich in den vergangenen Wochen aber verändert. Die Skepsis in Peking ist deutlich gewachsen.

alt Karte: China mit Peking und Taiwan

Hintergrund: Taiwan und die "Ein-China-Politik"

China betrachtet Taiwan seit 1949 als abtrünnige Provinz. Mit ihrer "Ein-China-Doktrin" fordert die kommunistische Führung in Peking, dass kein Land diplomatische und andere offizielle Beziehungen zur demokratischen Regierung im taiwanesischen Taipeh unterhalten darf, wenn es ein normales Verhältnis mit China pflegen will. Die meisten Staaten, darunter auch die USA, halten sich seit Jahrzehnten an dieses Prinzip.

Auch Deutschland unterhält keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Da facto sind die bilateralen Beziehungen aber "gut und intensiv", so das Auswärtige Amt. Für Deutschland ist Taiwan einer der wichtigsten Handelspartner in Asien.

Die heikle Situation geht auf den Bürgerkrieg in China zurück, als die Truppen der nationalchinesischen Kuomintang vor den Kommunisten nach Taiwan flüchteten. Mehr als zwei Jahrzehnte hielt die "Republik China" - so die offizielle Bezeichnung für die Regierung in Taipeh - sogar den ständigen Sitz Chinas im Weltsicherheitsrat. Erst 1971 musste sie ihn an die kommunistische Regierung in Peking abgeben.

Für Aussöhnung zwischen beiden Seiten sorgte ein vager Konsens, wonach beide zu "einem China" gehören, auch wenn sie unterschiedliche Interpretationen akzeptierten, was darunter zu verstehen ist.

Was Peking von Trump erwartet
A. Dorloff, ARD Peking
20.01.2017 11:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2017 um 05:44 Uhr

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