Stephen K. Bannon | Bildquelle: AP

Internetseite "Breitbart News" Angst als Erfolgskonzept

Stand: 18.11.2016 04:31 Uhr

Die Seite "Breitbart News" hat sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Sammelbecken für Rechtspopulisten im Internet entwickelt. Den Kopf dahinter, Stephen Bannon, will sich Trump als Chefstrategen ins Weiße Haus holen.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Wer sich die Internetseite von "Breitbart News" anschaut, stößt zunächst auf die Merchandising-Produkte. Einer der Renner in den vergangenen Wochen war die Wahlkampftasse: Auf der einen Seite ein Bild von Hillary Clinton mit dem Text "entkoffeiniert, schwach und bitter", auf der anderen Seite das Bild von Donald Trump mit dem Slogan "mit Koffein und stark". Erst darunter beginnt das redaktionelle Angebot mit provokanten Schlagzeilen. "Muslimische Einwanderer hassen Christen", heißt es da. Oder: "Krieg gegen Weihnachten - Saudis verbieten nicht-islamische Feiertage".

"Angst ist etwas Gutes"

Auch aus Deutschland berichtet "Breitbart News" regelmäßig. Unter der Überschrift "Deutsche haben am meisten Angst vor Einwanderung und Extremismus" wird eine Studie zitiert, wonach die Bundesbürger jetzt die Briten als das besorgteste Volk in Europa abgelöst hätten.

"Angst ist etwas Gutes", so lautet das Credo von Stephen Bannon, Kopf des Internetportals und künftiger Chefstratege von Donald Trump im Weißen Haus. Das geht sogar dem rechtskonservativen Talkshow-Moderator Glenn Beck zu weit. "Stephen Bannon will alles niederbrennen. Er ist ein Albtraum. Und jetzt ist er auch noch der wichtigste Berater des künftigen US-Präsidenten", sagte der Moderator.

Ein Plakat mit der Aufschrift "Legt einen Bann über Bannon". | Bildquelle: AFP
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Einen "Bann über Bannon": Die Entscheidung von Trump, Bannon als Chefberater ins Weiße Haus zu holen, löste zahlreiche Proteste aus.

Für den neuen Job im Weißen Haus lässt Bannon seine Mitarbeit bei "Breitbart News" ruhen. Bannon hat das früher belächelte Internetangebot nach dem frühen Tod des Gründers Andrew Breitbart innerhalb von vier Jahren zur wichtigsten Plattform der Rechtspopulisten in den USA ausgebaut.

In Kommentaren zeigt sich Hass

In einem seiner seltenen Interviews äußerte Bannon schon 2011 Kritik am Establishment der Republikaner: "Schauen Sie sich die Intelligentsia der Republikaner an. Die haben sich doch über die Tea Party und die Graswurzel-Bewegungen lustig gemacht. Wenn die Eliten so toll wären, wieso haben wir dann all die Probleme!"

Bannon machte "Breitbart News" zum Sprachrohr für zornige Tea-Party-Anhänger: gegen Liberale und Demokraten, gegen die Mainstream-Republikaner und gegen freien Handel und Globalisierung. Viele Beiträge sind auch frauenfeindlich oder sympathisieren mit weißen Nationalisten. Bannons publizistisches Erfolgsrezept: Reißerische Überschriften über scheinbar seriösen Berichten.

Im Anschluss daran finden sich die Kommentare der Leser: ungefiltert und "oft hasserfüllt", beschreibt sie der Bloomberg-Journalist Joshua Green, der sich intensiv mit "Breitbart News" befasst hat. "Breitbart veröffentlicht viele Sachen, die rassistisch sind, antisemitisch und weit außerhalb der Grenzen, die in der US-Politik als akzeptabel angesehen werden", sagt Bloomberg.

Bald auch in Deutschland und Frankreich?

Vor vier Jahren hatte das Internetportal nur eine Million Nutzer pro Monat. Mittlerweile sind es 85 Millionen, in etwa so viele Nutzer wie das "Wall Street Journal" im Internet hat. Zwei Jahre vor der Brexit-Abstimmung eröffnete "Breitbart News" bereits ein Büro in London und wurde schnell zur Plattform der EU-Gegner.

Als nächstes will "Breitbart News" rechtzeitig vor den Wahlen nach Frankreich und Deutschland expandieren, wovon sich der Front National und die AfD Rückenwind versprechen. Bannon wird diese Expansion von Washington aus beobachten. Als Chefstratege von Trump kann er sich nicht mehr direkt einmischen. Allerdings wird "Breitbart News" künftig über beste Kontakte ins Weiße Haus verfügen.

"Breitbart News" will in Europa expandieren - Rechtspopulisten-Plattform
M. Ganslmeier, NDR
17.11.2016 22:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. November 2016 um 13:31 Uhr

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