US-Präsident Trump vor Anhängern in Harrisburg | Bildquelle: REUTERS

100-Tage-Bilanz Trump lobt Trump

Stand: 30.04.2017 07:07 Uhr

Seinen 100. Tag im Amt wollte US-Präsident Trump nicht in der verhassten Hauptstadt Washington, sondern im Kreis begeisterter Anhänger in Pennsylvania verbringen. In Harrisburg ließ sich Trump feiern und verteilte Schulnoten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Donald Trump war offensichtlich verärgert, dass viele US-Medien eine kritische Bilanz seiner ersten 100 Tage im Amt gezogen hatten. Seine Rede geriet jedenfalls zu einer eher rückwärtsgewandten Mischung aus Medienschelte, Selbstlob und Wahlkampfveranstaltung. Fast eine Viertelstunde lang attackierte Trump die Mainstream-Medien. Vor allem die Nachrichtensender CNN und MSNBC seien "fake news".

Trump revanchierte sich für die schlechten Noten, die er für seine ersten 100 Tage im Amt bekommen hatte. Wenn es der Job der Medien sei, ehrlich zu sein und die Wahrheit zu berichten, dann - so Trump - "verdienen die Medien eine sehr dicke Note mangelhaft".

Kein Lust auf Korrespondentendinner

Trump kritisierte auch das zur gleichen Zeit in Washington stattfindende traditionelle Dinner der White House-Korrespondenten. Als erster Präsident seit Jahrzehnten blieb Trump der Veranstaltung fern. Sie sei ohnehin "sehr langweilig", sagte Trump. Schauspieler aus Hollywood und Medienvertreter aus Washington müssten sich dort gegenseitig trösten.

Die Antwort aus Washington fiel ernster aus. Der Vorsitzende der Vereinigung der White House-Korrespondenten, Jeff Mason von Reuters, mahnte: "Ein Angriff gegen einen von uns ist ein Angriff gegen uns alle. Heute Abend müssen wir erkennen, dass es Angriffe gegen die Pressefreiheit hier in den USA gibt. Wir müssen wachsam bleiben. Die Welt schaut uns zu."

US-Präsident Trump vor Anhängern in Harrisburg | Bildquelle: REUTERS
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Hier feiert man ihn: Trump vor jubelbnden Fans in Harrisburg

Er ist kaum zu vergleichen

Trump lobte unterdessen, selten habe ein Präsident in den ersten 100 Tagen so viel geschafft wie er. Sein Vorgänger Barack Obama habe ihm großes Chaos hinterlassen.

Er habe über 30 Dekrete unterzeichnet, mehr als je zuvor in der US-Geschichte in solch kurzer Zeit. Er sei aus dem transpazifischen Freihandelsabkommen TPP ausgestiegen und lasse alle Freihandelsabkommen überprüfen. Er habe den "Krieg gegen die Kohle" beendet und grünes Licht für umstrittene Öl-Pipelines gegeben. Seit seinem Wahlsieg gingen die Aktienkurse steil nach oben. Mit Deutschland und China habe er ein gutes Verhältnis.

Und die NATO-Partner seien auf seine Forderung eingegangen: "Sie haben ihre Beiträge um Milliarden von Dollar erhöht. Aber wir werden nicht zufrieden sein, bis alle zahlen, was sie schulden. Und das ist immer noch viel Geld."

Bleibt das Nordkorea-Problem

Auch auf die Krise in Nordkorea ging Trump ein. Er glaube, Chinas Präsident Xi Jinping sei ein "guter Mann", der helfen wolle, das Problem zu lösen. Ansonsten wiederholte Trump viele seiner Wahlkampf-Forderungen: die Mauer werde gebaut, Obamacare abgeschafft und illegale Einwanderer werde er außer Landes schaffen. Trump kündigte auch an, er werde in den nächsten zwei Wochen eine Entscheidung über das Klimaschutzabkommen von Paris fällen.

Trump lobt seine ersten 100 Tage im Amt
M. Ganslmeier, NDR Washington
30.04.2017 06:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. April 2017 um 09:00 Uhr.

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