Donald und Melania Trump | Bildquelle: dpa

Trump in Warschau Zu Gast bei Gleichgesinnten

Stand: 06.07.2017 00:10 Uhr

London, Paris, Berlin: Normalerweise reist ein neuer US-Präsident zunächst in eine dieser Städte. Trump hingegen ist erst einmal in Warschau gelandet. Dort muss er keine Kritik fürchten. Im Gegenteil: Der Empfang dürfte sehr herzlich werden.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Für US-Präsident Donald Trump ist Polen in mehrfacher Hinsicht ein idealer Auftakt seiner zweiten Europa-Reise. Nach dem eher frostigen G7-Gipfel in Sizilien kann sich Trump sicher sein, dass er von der konservativ-nationalen Regierung in Polen herzlich empfangen wird. Zumal Trump in Warschau auch noch andere mittel- und osteuropäische Regierungschefs trifft, die ähnlich wie er denken.

"Sie sind eher gegen Einwanderung, sie sind religiöser und eher ländlich als städtisch. Polen ist mit Blick auf Trumps politische Vorlieben ein gut geeignetes Besuchsland für ihn", sagte Charles Kupchan, Professor für Internationale Beziehungen an der Georgetown University, und bis vor einem halben Jahr Obamas außenpolitischer Berater im Weißen Haus.

Polen ist für Trump also das, was Saudi-Arabien auf seiner ersten Auslandsreise Ende Mai war: ein warmer Auftakt, bevor es in Hamburg kühler wird. Umgekehrt wird Trump das Herz der Polen erwärmen: In einer Rede will er den Warschauer Aufstand während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg würdigen. Außerdem will Trump nachholen, worauf die osteuropäischen und baltischen Länder während seiner Rede in Brüssel vor dem neuen NATO-Hauptquartier vergeblich warteten: ein klares Bekenntnis zu Artikel 5 des NATO-Vertrages, um alle Zweifel an der Bündnistreue der Schutzmacht USA auszuräumen. Warschau eignet sich aus Trumps Sicht auch deshalb gut, weil Polen eines von nur sechs NATO-Ländern ist, die mehr als zwei Prozent ihres Bruttoinlandprodukts für Verteidigung ausgeben.

US-Erdgas für Polen

Trump wäre aber nicht Trump, wenn er in Polen nicht auch Geschäftsinteressen verfolgen würde. Es geht um amerikanisches Erdgas und um Trumps Ziel, den "globalen Energie-Markt zu dominieren", wie er es kürzlich in einer Grundsatzrede angekündigte.

Fracking in Pennsylvania
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In Pennsylvania wird mit Fracking Energie gewonnen. US-Präsident Trump will die Erdgasförderung durch Fracking massiv ausbauen

Anfang Juni kam bereits die erste Flüssiggas-Lieferung aus den USA in Polen an. Trump will die Erdgasförderung durch Fracking massiv ausbauen und vor allem die mittel- und osteuropäischen Länder, aber auch China, Japan und Indien beliefern. Bis 2020 will Trump sein Land zum drittgrößten Erdgasexporteur der Welt machen, um dadurch auch das riesige Handelsbilanzdefizit der USA zu verringern.

In Warschau trifft Trump deshalb auch Regierungschefs und Repräsentanten aus zwölf mittel- und osteuropäischen Ländern, die sich zur sogenannten "Drei-Meere-Initiative" zusammengeschlossen haben. Diese Länder zwischen Ostsee, Adria und Schwarzem Meer wollen unabhängiger von russischem Erdgas werden - eine Steilvorlage für Trump und eine klare Kampfansage an die deutsch-russischen Nordstream-Pipelines.

Trump könnte EU spalten

Am Ende könnte es Trump sogar gelingen, die Europäische Union zu spalten wie damals der Irak-Krieg, meint Georgetown-Professor Kupchan: "Keine Frage: Trumps Polen-Besuch wird zu Spannungen mit West-Europa führen. Und möglicherweise könnte dies wieder zu einer Spaltung in ein "Altes Europa" und ein "Neues Europa" führen, wie wir es unter George W. Bush erlebt haben."

Donald Trump hätte vermutlich klammheimliche Freude daran, die EU-Mitgliedsländer mit amerikanischem Flüssiggas gegeneinander auszuspielen. Auch Russland und seinen Erdgaskonzern Gazprom würde dies treffen. Und weil der US-Präsident innenpolitisch wegen seiner Russlandnähe unter Druck steht, nützt ihm der Warschau-Besuch auch in dieser Hinsicht.

Trump vor G20-Gipfel zu Besuch in Polen
Martin Ganslmeier, ARD Washington, zzt. Warschau
05.07.2017 17:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 05. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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