Joe Arpaio und Donald trump während der Präsidentschaftskampagne Anfang 2016 | Bildquelle: REUTERS

Debatte über Rassismus Trump begnadigt "härtesten Sheriff"

Stand: 26.08.2017 08:14 Uhr

Mitten in der Debatte um Rassismus spricht Trump einem umstrittenen Sheriff aus Arizona eine Begnadigung aus. Bürgerrechtler kritisieren, der US-Präsident stärke damit den Rassismus. Denn Arpaio soll jahrelang vor allem Einwanderer aus Lateinamerika schikaniert haben.

Erstmals hat Donald Trump von seinem Begnadigungsrecht als US-Präsident Gebrauch gemacht und dem umstrittenen früheren Sheriff Joe Arpaio seine Strafe erlassen. Der 85-Jährige, der wegen seines harten Vorgehens gegen Einwanderer in der Kritik steht, sei ein "Patriot", der den Bundesstaat Arizona "sicher" gehalten habe, so Trump.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
I am pleased to inform you that I have just granted a full Pardon to 85 year old American patriot Sheriff Joe Arpaio. He kept Arizona safe!

Arpaio ist ein erklärter Trump-Anhänger und nennt sich selbst der "härteste Sheriff Amerikas". Das Weiße Haus betonte, er habe mehr als fünfzig Jahre lang einen "bewundernswerten Dienst an unserer Nation" geleistet und sei deshalb ein "würdiger Kandidat" für eine Begnadigung durch den Präsidenten. Arpaio habe während seiner Zeit als Sheriff sein "Lebenswerk" verfolgt, die Öffentlichkeit vor den "Geißeln des Verbrechens und der illegalen Einwanderung" zu schützen.

Für hartes Vorgehen gegen Einwanderer bekannt

Der frühere Sheriff des Bezirks Maricopa im Bundesstaat Arizona war im vergangenen Monat von einem Gericht schuldig gesprochen worden, eine richterliche Anweisung missachtet zu haben, diskriminierende Verkehrskontrollen von Einwanderern einzustellen. Im Oktober sollte sein Strafmaß verkündet werden.

Der Italo-Amerikaner ist vor allem für sein Vorgehen gegen Einwanderer aus Lateinamerika berüchtigt. Er sperrte Menschen ohne gültige Papiere in Zeltlager in der Wüste von Arizona ein, die er selbst einmal mit Konzentrationslagern verglich - eine Aussage, die er später zurückzog. Zudem zwang er die Insassen, pinke Unterwäsche zu tragen.

Joe Arpaio @RealSheriffJoe
Thank you @realdonaldtrump for seeing my conviction for what it is: a political witch hunt by holdovers in the Obama justice department!

Arpaio dankte Trump über Twitter. Er sei "unglaublich dankbar" schrieb der Ex-Sheriff in dem Kurzmitteilungsdienst. Seine Verurteilung beruhe auf einer "politischen Hexenjagd" durch "Überbleibsel" der Regierung von Trumps Vorgänger Barack Obama im Justizministerium.

"Präsidiale Rassismus-Unterstützung"

Bürgerrechtsgruppen und die oppositionellen Demokraten kritisierten Trump für die Begnadigung Arpaios scharf. Damit habe Trump "Gesetzeslosigkeit über Gerechtigkeit, Spaltung über Eintracht, Schmerz über Heilung" gestellt, sagte Cecillia Wang von der Bürgerrechtsorganisation ACLU. Die Begnadigung komme einer "präsidialen Unterstützung von Rassismus" gleich.

Der demokratische Kongressabgeordnete Joaquin Castro kritisierte, Arpaio sei ein "Eiferer", der über Jahre hinweg Menschen hispanischer Herkunft ins Visier genommen habe. Die Menschenrechtsgruppe UnidosUs bezeichnete den Schritt als "obszön". Der Ex-Sheriff sei der Anstifter für das sogenannte "racial profiling" gewesen, dem gezielten Vorgehen der Polizei gegen Minderheiten.

Trump nach Charlottesville in der Kritik

Am Dienstag hatte Trump bei einer Rede vor Tausenden Anhängern in Arizona gesagt, Arpaio sei verurteilt worden, weil er "seinen Job gemacht" habe. Von einer Begnadigung sah er bei dem Auftritt in Phoenix zunächst noch ab. Er wolle keine Kontroverse auslösen sagte Trump.

Trump steht in der Kritik, weil er nach dem rechtsextremen Aufmarsch in Charlottesville, bei dem eine Gegendemonstrantin durch ein in die Menge rasendes Auto eines mutmaßlichen Neonazis getötet worden war, zunächst undifferenziert von Gewalt auf "vielen Seiten" gesprochen hatte. Zwei Tage später verurteilte er die Gewalt rechtsextremer Gruppen schließlich als "abstoßend" - kehrte aber einen Tag später zu seinen vorherigen Rhetorik zurück, mit der er das Verhalten der Rechtsextremisten und der Gegendemonstranten auf eine Stufe stellte.

Trump begnadigt umstrittenen Sheriff
J. Bösche, ARD Washington
26.08.2017 10:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2017 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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