Trump und Putin auf dem G20-Gipfel | Bildquelle: AP

Zweites Treffen Trumps mit Putin Präsident unter Beobachtung

Stand: 19.07.2017 04:18 Uhr

Die Sensibilität beim Verhältnis zwischen den USA und Russland ist hoch: So führt ein erst jetzt bekannt gewordenes - zweites - Gespräch zwischen Trump und Putin beim G20-Gipfel zu Spekulationen. Der neue US-Botschafter in Moskau, den Trump nominiert hat, steht vor einer schwierigen Aufgabe.

Durch die Russland-Affäre wird alles, was im Verhältnis zwischen den USA und Russland eine Rolle spielen könnte, aktuell sehr genau beobachtet: Eineinhalb Wochen nach dem G20-Gipfel in Hamburg reicht die Meldung aus, es habe ein zweites, bislang nicht öffentlich gewordenes Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin während des Abendessens gegeben - und schon gehen die Spekulationen in Washington los: Worum ging es bei dem Gespräch? Wer außer den Präsidenten war beteiligt - und warum blieb es bisher unerwähnt?

Dem Weißen Haus zufolge sprachen die beiden tatsächlich am Ende des Abendessens miteinander. Die Männer hätten jedoch nur ein "kurzes Gespräch" geführt - und keine einstündige Diskussion.

"Privat und lebhaft" - oder kurz und knapp?

Von einer solchen hatte der Präsident eines Beratungsunternehmens Euraisia Group, Ian Bremmer, in einem Schreiben an Kunden berichtet. Demnach sei Trump nach der Hälfte des Diners vom Tisch aufgestanden und habe fast eine Stunde lang "privat und lebhaft" mit Putin gesprochen, "nur in Anwesenheit von Putins eigenem Übersetzer".

Das Weiße Haus erklärt dazu nun - zusätzlich zur Länge des Gesprächs - Trump habe dabei auf den russischen Übersetzer zurückgegriffen, weil der anwesende amerikanische kein Russisch gesprochen habe.

"Die Falschnachricht zu einem geheimen Dinner mit Putin ist 'krank'", schrieb Trump kurz danach auf Twitter. Schließlich seien alle G20-Spitzen und deren Partner von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen worden. "Selbst einem für 20 Spitzenpolitiker organisierten Abendessen in Deutschland wird ein finsterer Anstrich verpasst", schimpfte Trump.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Fake News story of secret dinner with Putin is "sick." All G 20 leaders, and spouses, were invited by the Chancellor of Germany. Press knew!

Diese Kritik ließ der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im US-Repräsentantenhaus nicht gelten: Die Berichte über das zweite, bislang unbekannte Gespräch der beiden Präsidenten in Hamburg lasse "gleich mehrere Alarmglocken schrillen", erklärte der Demokrat Eliot Engel. Trump sei den Amerikanern eine Erklärung schuldig.

Russland-Affäre belastet

Dass das Treffen derart Wirbel verursacht, zeigt, wie genau in den USA alle Details wahrgenommen werden, die eine Rolle im Verhältnis zu Russland spielen könnten. Denn es ist belastet wie lange nicht mehr: Trump steht wegen der Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unter Druck. In der Affäre ermitteln derzeit mehrere Kongressausschüsse sowie die Bundespolizei FBI und der vom Justizministerium eingesetzte Sonderermittler Robert Mueller. Sie gehen dem Verdacht möglicher Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und der Führung in Moskau während des Präsidentschaftswahlkampfes im vergangenen Jahr nach.

Huntsman neuer US-Botschafter in Moskau

Insofern ist die Aufgabe für einen neuen US-Botschafter in Moskau nicht einfach. Sie soll künftig vom ehemaligen Gouverneur von Utah, Jon Huntsman, übernommen werden. Trump will den 57-Jährigen nominieren, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Nach zwei Amtszeiten als Gouverneur von Utah war Huntsman unter Ex-Präsident George Bush bereits US-Botschafter in Singapur und unter dem damaligen Präsidenten Barack Obama US-Botschafter in China.

Huntsman | Bildquelle: REUTERS
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Jon Huntsman hatte Trump im Wahlkampf auch kritisiert.

Die Beziehung zwischen Huntsman, einem Mormonen, und Trump ging im vergangenen Jahr auf und ab. Er stellte sich nur zögernd hinter Trump als Präsidentschaftskandidaten und forderte während des Vorwahlkampfes Trump zum Rücktritt auf, nachdem von Trump ein Video öffentlich wurde, in dem er sich abfällig über Frauen äußerte. Trump hatte ihm umgekehrt im Wahlkampf vorgeworfen, als Botschafter in China nicht im Interesse der USA gehandelt zu haben.

Huntsman ist Vorsitzender des außenpolitischen Forschungsinstituts Atlantic Council und führt eine Krebsstiftung. Außerdem hat er Vorstandsposten bei Großunternehmen wie der Hotelkette Hilton, dem Energieriesen Chevron und dem Autobauer Ford inne.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2017 um 04:57 Uhr.

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