US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: EPA

Russland-Affäre Verzweifelte Verteidigungsversuche

Stand: 17.07.2017 08:49 Uhr

Die Versuche des US-Präsidenten, sich in der Russland-Affäre zu verteidigen, wirken zunehmend verzweifelt. Immer mehr Anwälte beschäftigt Trump, um seine Sicht der Dinge durchzusetzen. Doch das hilft nur wenig: Seine Beliebtheitswerte rutschen in den Keller.

Von Marc Hoffmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

Das Gesicht von Jay Sekulow ist derzeit fast täglich im US-Fernsehen zu sehen. Im Auftrag von US-Präsident Donald Trump setzt sich der Anwalt vor die Kameras und verteidigt seinen Klienten aus dem Weißen Haus. Sekulows Botschaft ist dabei immer dieselbe: Vater Trump ist unschuldig. Das Treffen seines Sohnes mit der russischen Anwältin vor einem Jahr sei völlig legal und harmlos gewesen.  

"Es gab Dutzende Treffen jeden Tag, hunderte pro Woche. Dieses Treffen hat vielleicht 15 Minuten gedauert. Es war kurz. Es kam nichts dabei raus. Es ging ins Leere und war danach kein Thema mehr. Doch was hier entscheidend ist: Der Präsident hat von dem Treffen nichts gewusst und auch nicht daran teilgenommen."

Donald Trump Jr. | Bildquelle: AP
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Donald Trump Jr. steht im Zentrum der aktuellen Affäre.

So lautet die offizielle Verteidigungsformel. Mittlerweile versucht ein ganzes Juristen-Team, den Präsidenten aus der Russland-Affäre herauszuhalten. Am Wochenende verpflichtete Trump einen weiteren Anwalt. Ty Cobb soll als eigener Sonderberater für die Kommunikation des Weißen Hauses in den laufenden Ermittlungen zuständig sein. Tröpfchenweise kommen täglich neue Details ans Licht.

Treffen mit russischem Ex-Geheimdienstmitarbeiter?

Verschiedene Medien berichten, dass bei der Begegnung im Trump-Tower vor zwei Jahren mehr Personen anwesend waren, als bisher bekannt. Der Fernsehsender NBC spricht von sechs, CNN von mindestens acht Personen. Darunter ein russisch-amerikanischer Lobbyist namens Rinat Achmetschin. Wie einige Medien berichten, handelt es sich um einen früheren sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter.

Demokraten sind genervt

Die oberste Demokratin Nancy Pelosi will nun die Ermittlungen im Kongress ausweiten: "Nun, wo wir wissen, dass ein früherer sowjetischer Spionage-Abwehr-Offizier mit dabei saß, wollen wir sämtliche elektronische Kommunikation einsehen, unter den Mitgliedern der Trump-Familie und innerhalb der Regierung Trumps. Seien es direkte Nachrichten, Twitter, Email, SMS - was auch immer es ist."

Zunehmend genervt wirkt auch der Demokrat Mark Warner. Der Vize-Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat ist überzeugt, dass Trump und sein Team weitere Details verschwiegen haben. "Der Grad an Glaubwürdigkeit auf der oberen Ebene dieser Regierung ist wirklich fragwürdig. Sie haben gesagt, sie seien bemüht, mit dem Ausschuss zusammenzuarbeiten. Ich nehme sie beim Wort. Es wird interessant sein, zu sehen, ob sie wirklich bereit sind, auszusagen - sei es öffentlich oder nicht-öffentlich."

Zustimmungsraten im Keller

Die Diskussion um Trumps Russland-Kontakte kratzt auch zunehmend am Ansehen des Präsidenten. Nach einer Umfrage der Washington Post und des US-Sender ABC kommt Trump derzeit nur noch auf 36 Prozent Zustimmung. 58 Prozent sind mit seiner Amtsführung unzufrieden - 48 Prozent der Befragten sogar "sehr unzufrieden". Auf seine Anhänger kann sich der Präsident allerdings weiter verlassen. Lediglich ein Drittel der republikanischen Wähler sagt, das Treffen mit den Russen sei unangemessen gewesen. Allerdings halten viele von ihnen die andauernden Negativ-Schlagzeilen für ungerecht.

Frustrierend und übertrieben sei die ganze Sache, klagt der republikanische Abgeordnete Scott Taylor im CNN-Interview. "Die Leute auf der Straße, die Amerikaner, die scheren sich nicht darum. Sie haben das abgehakt."

Präsident Trump kehrte am Wochenende Washington den Rücken und tat das, was er häufig tut. Von seinem Trump-Golf-Hotel in New Jersey aus twitterte wütend gegen die Medien, die mit ihren angeblichen "Fake-News" die Demokratie verzerren würden.

Wer wusste was? - Die Russlandaffäre lässt Trump keine Ruhe
Marc Hoffmann, ARD Washington
17.07.2017 08:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juli 2017 um 05:21 Uhr.

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