Trump-Anhänger bei einer Demonstration im September 2017 | Bildquelle: AP

Trump-Anhänger "Twitter drauf los, Baby, wir lieben dich"

Stand: 08.11.2017 02:38 Uhr

Vor einem Jahr gewann Trump die Wahl zum US-Präsidenten - und seine Anhänger finden, er habe bisher alles richtig gemacht. Endlich dürfe man wieder "Frohe Weihnachten" sagen. Endlich dürfe man wieder stolz sein auf Amerika.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Sie sind aus allen Teilen Amerikas nach Washington gekommen, um ihrem Präsidenten im Kampf gegen den politischen "Sumpf" in der Hauptstadt den Rücken zu stärken. Aus den Lautsprechern schallt der patriotische Song "God bless America". Überall werden Fahnen geschwenkt. "Mother of all Rallies" nennt sich die Veranstaltung selbstbewusst - "Mutter aller Massenkundgebungen".

Ein von einem Traktor gezogener Festwagen trifft mit den Ehrengästen ein, darunter auch Bobby Lawrence, Lokalpolitiker aus dem ländlichen Pennsylvania. In einem Jahr will er bei den Senatswahlen antreten - und als rechtspopulistischer Gegenkandidat den republikanischen Amtsinhaber besiegen. Auf die traditionellen Republikaner im Kongress ist Lawrence richtig wütend: "Die Republikaner kontrollieren das Weiße Haus, das Repräsentantenhaus und den Senat. Bringt endlich was zustande! Keine Ausreden mehr!"

Jeder vierte US-Bürger bezeichnet sich als Anhänger

Dass auch der Präsident und sein chaotischer Regierungsstil Schuld an mangelnden Erfolgen haben, das lässt Lawrence nicht gelten. Wo Trump alleine handeln könne, habe er schon viele Dinge korrigiert, die sein Amtsvorgänger Obama dem Land eingebrockt habe. "Präsident Obama ist doch um die Welt gereist und hat sich für Amerikas Einzigartigkeit entschuldigt", sagt er. "Bei Obama wussten wir nicht mal, auf welche Toilette wir gehen dürfen. Jetzt dürfen wir endlich wieder 'Frohe Weihnachten' statt 'Frohe Festtage' sagen und 'Gott segne Dich'. Auch den amerikanischen Fahneneid können wir wieder mit Stolz vortragen. Allein da hat sich doch schon viel geändert."

So wie Lawrence bezeichnet sich etwa jeder vierte US-Bürger in Umfragen als überzeugter Anhänger des Präsidenten. Auch Londa Gatt, die aus Detroit gekommen ist. Sie ist Mitglied der "Bikers for Trump", der "Motorradfahrer für Trump". Und sie sorgt dafür, dass jetzt schon Hunderte Motorradfahrer mit ihren Harleys zu Kundgebungen kommen, um für die Wiederwahl Trumps zu werben.

Dass Trump im Ausland für Kopfschütteln sorgt, stört Gatt nicht. Hauptsache, die Wirtschaft boomt. Und der Wert ihrer Altersversicherung hat dank des Aktienbooms deutlich zugelegt: "Der Aktienfonds für meine Altersversicherung hat in den vergangenen acht Monaten 45.000 Dollar an Wert gewonnen", erzählt sie. Außerdem finde sie es richtig, dass Trump sich um die Sicherheit der Grenzen kümmere. Dass für ihn Amerika zuerst komme. Und dass er sich um das US-Militär und die Veteranen kümmere. "Wir wollen, dass Amerika wieder so großartig wird, wie es einmal war."

Wiederwahl so gut wie sicher?

Obwohl die Mehrheit der Amerikaner findet, Trump solle das Twittern aufgeben, freut sich Gatt über die täglichen Kurzbotschaften ihres Präsidenten. So erfahre man seine Sichtweise, ohne Umweg über die Mainstream-Medien. Auch Genevieve Peters aus Los Angeles sieht das so: "Ich liebe seine Tweets! Twitter drauf los, Baby, wir lieben dich." Warum sie so begeistert sei? "Er nimmt den Medien ihren Filter weg. Er wendet sich direkt ans Volk. Und wir, das Volk, lieben den direkten Kontakt. Auf diesen Mann haben wir ein Leben lang gewartet."

Peters findet, Trump habe schon jetzt Amerika verändert: viele bürokratische Vorschriften der Obama-Regierung gestrichen, einen erzkonservativen Richter an den Obersten Gerichtshof berufen und die Terrormiliz IS fast besiegt. Und demnächst werde Trump für die größte Steuerentlastung aller Zeiten sorgen. Spätestens dann sei seine Wiederwahl so gut wie sicher, ist sie überzeugt. "Wir, seine Basis, stehen fest zu ihm. Wir lieben unseren Präsidenten und glauben an ihn. Alles, was er tut, ist in unserem besten Interesse. Aber er muss sich mit einem sehr korrupten System herumschlagen."

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Trump: Seine Anhänger lieben ihn
M. Ganslmeier, ARD Washington
07.11.2017 21:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. November 2017 um 06:08 Uhr.

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