Donald Trump, Ted Cruz  und John Kasich (von links) während TV-Debatte, Archivbild | Bildquelle: dpa

US-Vorwahlkampf der Republikaner Ein Schlagabtausch der anderen Art

Stand: 11.03.2016 16:08 Uhr

Es waren ungewohnt sachliche Töne, die die republikanischen Präsidentschaftsbewerber vor den Wahlen in Florida und Ohio von sich gaben. Einen Schlagabtausch der anderen Art bot dafür ein Trump-Anhänger in Fayetteville.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Offensichtlich waren die Republikaner besorgt um ihr Image. Denn nach mehreren Fernsehdebatten mit verbalen Schlägen unter die Gürtellinie lieferten sie sich erstmals einen bewusst sachlichen Schlagabtausch. Und das wenige Tage vor den wichtigen Vorwahlen in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten Florida und Ohio. Donald Trump hielt sich bewusst zurück und lobte sich und seine Mitstreiter: "Ich kann gar nicht glauben, wie zivil wir miteinander umgehen!"

Dennoch versuchte vor allem der Senator von Florida, Marco Rubio, den Zuschauern Trumps Schwächen zu verdeutlichen. Für Rubio geht es am kommenden Dienstag um alles oder nichts. Wenn er seinen Heimatstaat nicht gewinnt, muss er höchstwahrscheinlich aufgeben.

Als Trump erneut den Islam kritisierte, weil es unter den Muslimen weltweit "enormen Hass" gebe, konterte Rubio: "Ich weiß, dass viele Leute mögen, was Donald sagt, weil sie es gerne selbst sagen würden. Das Problem ist aber: Präsidenten können nicht einfach sagen, was sie wollen. Denn es hat Konsequenzen - hier und weltweit." Trumps pauschale Kritik an Muslimen schade Amerikas Kampf gegen den IS-Terror und verunglimpfe auch amerikanische Muslime, die in der US-Armee kämpfen. "Ich bin nicht daran interessiert, politisch korrekt zu sein", sagte Rubio, "sondern ich bin daran interessiert, korrekt zu sein."

Applaus von Exil-Kubanern

Rubio und Cruz konnten vor allem dann punkten, wenn es um Außen- und Sicherheitspolitik ging. Trumps Forderung, die Foltergesetze zu lockern, kritisierten sie heftig. Ebenso Trumps Ankündigung, zwischen Israelis und Palästinensern eine neutrale Haltung einzunehmen, um einen Friedensvertrag zu verhandeln. Dies sei genau so gefährlich wie Trumps Unterstützung für die neue Kuba-Politik Obamas, warnte Rubio und erntete Applaus von vielen Exil-Kubanern im Publikum in Miami.

Trump bezeichnete erneut Putin als starken Führer, der für Russland viel Gutes getan habe. Früher habe er auch geglaubt, Angela Merkel sei eine große Führungsperson: "Bis sie das tat, was sie Deutschland angetan hat. Deutschland ist derzeit ein Desaster." An anderer Stelle kritisierte Trump, Amerika zahle zu viel für Deutschland und bekomme dafür nichts im Gegenzug.

Weißer schlägt Schwarzen nieder

Angesprochen auf eine gewalttätige Ausschreitung in einer seiner Wahlkampfveranstaltungen, als ein schwarzer Demonstrant von einem wütenden Weißen niedergeschlagen wurde, sagte Trump, er wolle diese Gewalt nicht verteidigen: "Aber wir haben unter den Demonstranten einige schlimme Typen." Trump lässt immer wieder Demonstranten aus seinen Veranstaltungen entfernen und äußert sich verächtlich über Störer.

An diesem Abend jedoch wollte er bewusst staatsmännischer auftreten. Er habe den Republikanern Millionen neue Wähler beschert und wolle sie nun zusammenführen, sagte Trump: "Das republikanische Establishment sollte sich darüber freuen. Uns schließen sich Millionen neuer Leute an. Wir werden die Demokraten schlagen."

Trump verkündet nächsten Coup

Auch den nächsten Coup verkündete Trump während der Debatte: Der frühere Neurochirurg und ausgestiegene Präsidentschaftsbewerber Ben Carson werde sich seinem Wahlkampfteam anschließen.

Ben Carson (li.) und Donald Trump | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der ehemalige Kandidat für die Präsidentschaftswahl, Ben Carson (li.), will seinen früheren Konkurrenten Donald Trump nun im Wahlkampf unterstützen.

Carson selbst bestätigte seine Unterstützung mit den Worten: "Wir haben das Kriegsbeil begraben. Das war eine politische Angelegenheit." In gemeinsamen Gesprächen mit Trump habe er sehr viel mehr übereinstimmende Ansichten festgestellt, als er erwartet habe.

Carson ist damit der zweite ausgeschiedene Präsidentschaftskandidat aus den Reihen der Republikaner, der sich hinter Trump stellt - Ende Februar hatte bereits Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, dem Immobilien-Milliardär seine Unterstützung zugesagt.

In jüngsten Umfragen führt Trump in Florida vor Marco Rubio, liegt in Ohio jedoch hinter John Kasich.

Republikaner-Debatte - Trump gibt sich staatsmännisch
M. Ganslmeier, ARD Washington
11.03.2016 08:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Dieser Beitrag lief am 11. März 2016 um 13:21 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: