Trump | Bildquelle: AFP

Trumps Abhörvorwürfe Genosse Zufall

Stand: 23.03.2017 03:11 Uhr

Trumps Abhörvorwürfe gegen Obama sind weiterhin haltlos. Ein Parteifreund hat ihm aber so etwas wie einen Ausweg aus seiner Sackgasse aufgezeigt - vielleicht. These: Trump könnte ja rein zufällig durch routinemäßige Abhöraktionen der US-Geheimdienste belauscht worden sein.

Der Fall um die Abhörvorwürfe von US-Präsident Donald Trump hat eine neue Wendung genommen - oder bekommen. Der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Devin Nunes, sagte, er sei zwar nach wie vor davon überzeugt, dass Trump nicht von seinem Vorgänger Barack Obama belauscht worden sei. Aber Kommunikationsdaten aus Trumps Team, und vielleicht auch von Trump selbst, seien möglicherweise im Rahmen einer legalen Überwachungsaktion abgeschöpft worden.

Der Vorsitzende des US-Geheimdienstausschusses, Devin Nunes. | Bildquelle: AP
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Der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Devin Nunes.

Nunes, ein Parteifreund Trumps, führte aus, er selbst habe beim Sichten von ihm zugeleiteten Geheimdienstunterlagen bemerkt, dass es offenbar zufällig gesammelte Informationen gegeben habe. "Das ist normales, zufälliges Sammeln", sagte Nunes. Es scheine sich um legal erlangte Informationen zu handeln.

Die US-Geheimdienste beobachten routinemäßig Kommunikationskanäle und schöpfen dabei Millionen von Daten ab. Doch wenn darin auch die Namen von US-Bürgern vorkommen, dürfen diese in den Berichten nicht erwähnt werden, es sei denn sie sind für deren Verständnis essenziell.

Geheimdienste: keine Beweise

Trump hatte seinem Amtsvorgänger Barack Obama Anfang März via Twitter vorgeworfen, dieser haben ihn in seinem Wahlkampf-Hauptquartier im Trump-Tower in New York abhören lassen. Beweise dafür legte er nicht vor. FBI-Director James Comey und NSA-Chef Michael Rogers sagten am Montag vor dem Geheimdienstausschuss aus, dass es keine Beweise für eine solche Anschuldigung gebe. Gleichzeitig erklärten sie, dass wegen der mutmaßlichen Beeinflussung der US-Wahl durch Russland auch mögliche Verbindungen des Trump-Teams nach Moskau untersucht würden.

Nunes sagte, dass die nun von ihm genannte Abhöraktion nicht Teil dieser FBI-Ermittlungen gewesen sei. Warum die Daten des Trump-Teams dann abgefangen wurden und wie er an die Information darüber gelangte, sagte Nunes nicht.

Demokraten kritisieren Nunes

Anders als in solchen Fällen üblich präsentierte Nunes diese Erkenntnisse nicht an der Seite des ranghöchsten Demokraten aus dem Geheimdienstausschuss, Adam Schiff. Dieser gab sich danach auch entsprechend kritisch: Nunes habe "begründeten Zweifel"aufkommen lassen, ob der Ausschuss zu einer unabhängigen Ermittlung zu Russland und der Trump-Wahlkampagne überhaupt fähig sei. Es sei nicht Teil einer glaubwürdigen Überprüfung, wenn Informationen zuerst ans Weiße Haus gelangten und nicht an den Ausschuss. Nunes müsse sich entscheiden, ob er der Vorsitzende des Gremiums oder ein Vertreter des Weißen Hauses sei, forderte Schiff. Die demokratische Abgeordnete Jackie Speier kritisierte, Nunes' Offenlegung sei eine "Waffe der Massenablenkung", um den Verdacht zu verschleiern, dass das Trump-Team sich im Wahlkampf mit den Russen koordiniert haben könnte.

Trump hingegen sieht sich in seinen Vorwürfen bestätigt. "Ich bin sehr froh, dass sie gefunden haben, was sie gefunden haben." Er empfinde "so etwas wie eine Rehabilitierung".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. März 2017 um 05:40 Uhr

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