Donald Trump vor einer Pressekonferenz im Trump Tower | Bildquelle: dpa

Vorwürfe gegen WikiLeaks Traut Trump eher Assange als den Geheimdiensten?

Stand: 05.01.2017 08:52 Uhr

Eigentlich ist WikiLeaks ein rotes Tuch für die Republikaner. Doch der künftige Präsident scheint dem WikiLeaks-Gründer Assange mehr zu vertrauen als den Geheimdiensten. Nun wollen die US-Nachrichtendienste Trump ihre Beweise für russische Hackerangriffe vorlegen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Donald Trump misstraut den Geheimdiensten, deren Chef er bald sein wird: Das macht er seit Tagen deutlich. Der Grund: Die US-Geheimdienste glauben, dass Russland in die Präsidentschaftswahl eingegriffen hat, um Trump zu helfen. Ihr Mittel: WikiLeaks, die Veröffentlichungsplattform von Julian Assange. Dort waren im Wahlkampf E-Mails aus Clintons Wahlkampfteam aufgetaucht.

"Sie versuchen, die Trump-Regierung zu delegitimieren"

Bei Fox News widersprach Assange jetzt vehement, er habe das Material von Russland bekommen. Im Gespräch mit dem Trump-freundlichen Moderator Sean Hannity nannte er einen anderen Grund, warum der Verdacht auf Russland falle: "Der Grund liegt auf der Hand: Sie versuchen, die Trump-Regierung zu delegitimieren. Sie versuchen zu sagen, Trump ist kein legitimer Präsident. Sie werden die nächsten vier Jahre darauf herumreiten."

Trump freute sich offenbar über die Aussagen: Er twitterte fleißig über das Interview, zitierte Assange.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Julian Assange said "a 14 year old could have hacked Podesta" - why was DNC so careless? Also said Russians did not give him the info!

Für Demokraten wie den Abgeordneten Adam Schiff ein Unding: "Es ist absolut erstaunlich, wer hätte gedacht, dass sich ein gewählter Präsident der Republikaner an die Seite eines beschuldigten Sex-Täters stellt, der eine unerbittliche Feindschaft gegen die USA pflegt? Jeden Tag gibt es neue Verunglimpfungen der Geheimdienste, Trump beschädigt jeden Tag die Aussichten auf eine erfolgreiche Präsidentschaft."

"Er ist ein Schleimer für Russland"

Auch bei Trumps Republikanern kommt die jüngste Geheimdienst-Kritik nicht gut an. Senator Lindsey Graham sagte bei CNN über Trump: "Ich hoffe, der gewählte Präsident lässt sich informieren von amerikanischen Patrioten, die für die Geheimdienste arbeiten, und nicht von jemandem, der sich vor dem Gesetz versteckt, der die amerikanische Demokratie untergräbt und aushöhlt."

Russischer Einfluss auf US-Wahl? Trump glaubt eher Assange als Geheimdiensten
J. Bösche, ARD Washington
05.01.2017 07:05 Uhr

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Assange und WikiLeaks sind nämlich eigentlich ein rotes Tuch für die Republikaner. Graham erinnerte daran, dass auf der Website geheime US-Dokumente veröffentlicht wurden, die dem Land geschadet hätten. Der Sprecher des Repräsentantenhauses wollte Trumps Tweets nicht weiter kommentieren, sagte über Assange nur: "Er ist ein Schleimer für Russland, er leakt, klaut Daten, gefährdet die nationale Sicherheit."

Trump Vize-Präsident Mike Pence verteidigte Trump dagegen. Er zeige einfach nur aufrichtige, gesunde amerikanische Skepsis, wenn es um die Ergebnisse der US-Geheimdienste geht.

"Ein Treffen ist bitternötig"

Am Freitag kommt es zum ersten offiziellen Zusammentreffen von leitenden Geheimdienstlern und Trump: Die Chefs mehrerer Dienste reisen nach New York, um Trump zu erklären, welche Informationen sie über das russische Hacken im amerikanischen Wahlkampf haben. James Woolsey, Geheimdienst-Veteran und früherer CIA-Chef, sagte der PBS Newshour, so ein Treffen sei bitter nötig: "Er muss die Top-Leute der Geheimdienste kennenlernen. Und sie müssen sich anstrengen, ihm die Dinge so zu präsentieren, wie er es will. Sie müssen ihm helfen, diesen wichtigen Job schnell und effizient zu beginnen und dafür planen - anstelle sich zu beklagen."

Woolsey ist jetzt Trump-Berater. Er sagte, man müsse einsehen, dass Trump Dinge anders regele als andere.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2017 um 06:46 Uhr.

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