Der in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh im vietnamesischen Fernsehen. Ihm droht dort die Todesstrafe. | Bildquelle: REUTERS

Verschwundener Vietnamese Ein Fall für die Bundesanwaltschaft

Stand: 10.08.2017 18:34 Uhr

Unter mysteriösen Umständen verschwand der vietnamesische Ex-Funktionär und Asylsuchende Trinh Xuan Thanh vor knapp drei Wochen aus Berlin. Nun hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Der Mann soll von Agenten in seine Heimat verschleppt worden sein.

Im Fall des mutmaßlich in sein Heimatland verschleppten vietnamesischen Ex-Funktionärs und Geschäftsmannes ermittelt jetzt die Bundesanwaltschaft. Es gehe um den Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit, sagte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde. Die Ermittlungen richteten sich gegen namentlich bekannte und auch gegen unbekannte Beschuldigte.

Zuvor hatte "Spiegel Online" über den Fall berichtet. Ursprünglich war die Berliner Staatsanwaltschaft zuständig.

Der mutmaßlich in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh aufgenommen im Oktober 2016 in Berlin. | Bildquelle: REUTERS
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Der mutmaßlich in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh aufgenommen im Oktober 2016 in Berlin.

In Deutschland Asyl gesucht

Trinh Xuan Thanh, der in Deutschland Asyl suchte, war vor knapp drei Wochen aus Berlin verschwunden. Zeugen beobachteten am 23. Juli, wie ein Mann und eine Frau mit Gewalt in ein Auto bugsiert wurden. Später tauchten beide in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi auf.

Die Bundesanwaltschaft nimmt nach den bisherigen Ermittlungen an, dass der 51-Jährige zunächst in die vietnamesische Botschaft in Berlin gebracht wurde. Die Bundesregierung geht dabei von einer Mitwirkung des vietnamesischen Geheimdienstes aus.

Im schlimmsten Fall droht die Todesstrafe

Trinh Xuan Thanh wird in seiner Heimat zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein. Bei einer Verurteilung droht dem ehemaligen Funktionär der Kommunistischen Partei Vietnams im schlimmsten Fall die Todesstrafe.

Das Verschwinden des 51-Jährigen belastet die Beziehungen zwischen Berlin und Hanoi. In direkter Konsequenz hatte die Bundesregierung den obersten Vertreter des vietnamesischen Geheimdienstes in Berlin aufgefordert, Deutschland binnen 48 Stunden zu verlassen. Forderungen, Trinh Xuan Thanh zurückreisen zu lassen, kam Hanoi nicht nach.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2017 um 19:00 Uhr.

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