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21.11.2009

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Ausland

Streit nach dem Atomleck von Tricastin

Untersuchungen nach Atomunfall in Frankreich

Vertuschungsvorwürfe und Proteste

Noch immer ist nicht bekannt, wie viel und wann Uranflüssigkeit aus dem AKW Tricastin ausgelaufen ist. Die Folgen des Atomunfalls für Umwelt und Bevölkerung sind weiterhin unklar, und in Frankreich formiert sich Widerstand gegen die Atomkraft als "Energie der Zukunft".

Von Angela Ulrich, ARD-Hörfunkstudio Paris

Zwischenfall AKW Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Tricastin: Radioaktive Uranlösung in umliegende Flüsse gelangt ]
Den ganzen Tag heute hat sich die französische Atomaufsicht ASN reserviert, um genau nachzuforschen. Inspektoren sind in der Atomanlage von Tricastin in Südfrankreich unterwegs. Sie wollen die noch immer offenen Fragen klären, zum Beispiel wann der Unfall im größten französischen Atomkomplex überhaupt passiert ist: ganz sicher nicht erst am Dienstag früh, wie der Betreiber Socatri zunächst bekannt gab. Aber möglicherweise auch noch nicht am Montagabend, wie es später hieß. Auch die Angaben über die Menge der ausgelaufenen Uranflüssigkeit schwankten. Noch gar nicht bekannt ist, wie viel Radioaktivität bei dem Unfall insgesamt entwichen ist.

Roland Desbordes, Präsident der CRIIRAD vor dem AKW Tricastin. (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Roland Desbordes, Präsident der CRIIRAD ]
Roland Desbordes von der Kommission für Unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität CRIIRAD wirft den Betreibern vor, ihre Kontrollarbeit zu behindern: "Wir bekommen keinen Zugang zum Grundwasserspiegel. Der einzige Zugang liegt unter der Anlage selbst. Aber dort werden wir behindert. Und wir wissen, dass es dort Verschmutzungen gegeben hat."

Betreiberfirma verteidigt Informationslage

Atomkraftkritiker nennen das eine Vertuschungstaktik der Betreiberfirma. Sogar die französische Atomaufsichtsbehörde hat Sanktionen angedroht. Doch der Sprecher der Betreiberfirma Socatri, Gilles Salgas, verteidigt die häppchenweise Information: "Wenn man solch einen Vorfall bemerkt, muss man natürlich erst die aufgetretenen Probleme beheben. Anschließend haben wir versucht abzuschätzen, welche Wichtigkeit und welche Folgen der Unfall haben könnte. Das geht nicht in ein paar Stunden, weil wir Proben entnehmen und analysieren müssen. Die Resultate haben wir nicht sofort gehabt."

Doch das wollen die Bewohner der Gemeinden rund um das Atomkraftwerk nicht gelten lassen. Sie haben zunächst weiter kontaminiertes Wasser benutzt, bevor sie alarmiert wurden. Abgereichertes Uran, vom dem sich rund 75 Kilogramm in mehreren tausend Liter Flüssigkeit gelöst und in der Umgebung verteilt haben soll, ist hoch giftig. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde, Jean-Pierre Lambertin, ist empört: "Das hat zu lange gedauert. Wir müssen schneller informiert werden. Wir sind erreichbar auf unseren Handys."

Atomkraft als Energie der Zukunft?

Atomkraftgegner haben für Samstag zu Protestdemonstrationen in mehreren französischen Städten aufgerufen. Für sie ist der Vorfall eine Gelegenheit, das bedingungslose Vertrauen der französischen Regierung in Atomkraft als die Energie der Zukunft anzuprangern. Vier Fünftel des Stromes gewinnt Frankreich aus Nuklearenergie. Sozialisten und Kommunisten verlangen jetzt, dass die Hintergründe des Vorfalls von Tricastin lückenlos aufgeklärt werden. Wie kann Präsident Sarkozy den Bau eines zweiten hochmodernen EPR-Druckwasserreaktors beschließen, ohne die Sicherheitslücken bei den alten Anlagen von Tricastin oder Fessenheim im Blick zu haben, empörte sich die Umweltexpertin der Sozialisten, Beatrice Marre. Die unabhängige Forscherkommission CRIIRAD will gegen den Anlagenbetreiber klagen.

Stand: 10.07.2008 15:47 Uhr
 

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