George Zimmerman im Gerichtssaal in Sanford (US-Bundesstaat Florida) | Bildquelle: AP

Urteil im Prozess um getöteten schwarzen Teenager Freispruch für Todesschützen

Stand: 14.07.2013 08:03 Uhr

Knapp anderthalb Jahre nach dem Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin hat ein US-Gericht den Angeklagten freigesprochen. Nach Ansicht der Jury handelte er aus Notwehr. Der Fall hatte wegen des Verdachts auf Rassismus weltweit für Aufsehen gesorgt.

Von Andreas Horchler, HR-Hörfunkstudio Washington

Die sechs weiblichen Geschworenen hatten fast 14 Stunden beraten, bis sie George Zimmerman freisprachen. In den vergangenen drei Wochen hatten Anklage und Verteidigung 50 Zeugen gehört. Dieses Indizienverfahren wurde stundenlang in den US-Nachrichtensendern übertragen.

Zimmerman im Prozess um Tod von Trayvon Martin freigesprochen
A. Horchler, HR Washington
14.07.2013 07:09 Uhr

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Zimmerman, Sohn einer peruanischen Mutter und eines amerikanischen Vaters, war im Februar 2012 Trayvon Martin in einer Wohnanlage in Sanford im Bundesstaat Florida begegnet. Martin wollte dort seinen Vater und dessen Lebensgefährtin besuchen. Doch der Nachbarschaftswächter Zimmerman hielt ihn für verdächtig und erschoss ihn schließlich.

Geschehen konnte nicht rekonstruiert werden

In diesem Indizienverfahren konnte das Geschehen vom Februar 2012 nicht eindeutig rekonstruiert werden. Ankläger John Guy sagte, zusammengefasst sei ein unbescholtener Junge mit Kapuzenpullover jemandem begegnet, der gern Polizist wäre. Die Anklage war sicher, dass Zimmerman mit Martin wegen dessen Hautfarbe in Konflikt geraten sei und ihn erschoss.

Proteste gegen Freispruch des Todesschützen Zimmerman
tagesschau 16:00 Uhr, 14.07.2013, Stefan Niemann, ARD Washington

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Die Verteidigung hatte für Zimmerman Notwehr beansprucht. Verteidiger Mark O'Mara zeigte sich froh, dass die Jury zu diesem Schluss gekommen war. Er hoffe, dass die Zweifler nun anerkennen, dass die Jury mit allem, was sie wusste, zu einem Freispruch kommen musste.

Medien, Politik und Demonstranten vor dem Gericht hatten im Tod von Trayvon Martin eine rassistisch motivierte Tat gesehen - und die Tat eines gewaltbereiten jungen Mannes. Die leitende Staatsanwältin Angela Corey erklärte nach dem Urteil, der Fall Zimmerman habe weder mit Rassenproblemen noch mit dem Recht auf Waffenbesitz  zu tun.

Demonstranten warten auf das Urteil im Prozess um den Tod von Trayvon Martin | Bildquelle: dpa
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Hätten sich ein anderes Urteil gewünscht: Demonstranten vor dem Gerichtssaal in Sanford.

Zwischen Erleichterung und Entsetzen

Die ersten Reaktion reichen von Erleichterung bei Zimmermans Familie bis zu Niedergeschlagenheit bei den Angehörigen von Trayvon Martin. Es sei einfach nicht aufrichtig, wenn man den rassistischen Unterton des Verfahrens unterschlagen würde, sagte Benjamin Crump, Anwalt der Familie Martin nach dem Urteil. Benjamin Jealous, Präsident des Bürgerrechtsverbandes NAACP, sagte, er sei wütend und betroffen. 

Für viele Politiker ist das Geschehen vom 26. Februar 2012 ein Beispiel dafür, dass Schwarze und Weiße in Amerika von normalen Beziehungen weit entfernt sind. Das Urteil im Fall Zimmerman dürfte diese Einschätzung noch verstärken. Präsident Barack Obama hatte einst gesagt: "Wenn ich einen Sohn hätte, sähe er aus wie Trayvon. Und Natalie Jackson, Familienanwältin der Martins, brachte auf den Punkt, was die Menschen aus dem Prozess lernen sollten: "Ein schwarzer siebzehnjähriger Junge sollte aus einem Laden nach Hause gehen können, ohne erschossen zu werden."

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