Sicherheitskräfte und Passanten am Bombenkrater vor der Deutschen Botschaft in Kabul | Bildquelle: AP

Anschlag in Afghanistan "Manche Opfer werden nie gefunden"

Stand: 01.06.2017 10:47 Uhr

Nach einem der schwersten Anschläge der vergangenen Jahre in Kabul sind die Trauer und die Betroffenheit groß. Die Behörden versuchen, die Leichen zu identifizieren. Das ist jedoch in manchen Fällen kaum möglich.

Einen Tag nach dem schweren Anschlag in Kabul trauern Familienangehörige, Freunde und Kollegen um die Todesopfer. Etliche Menschen warteten in Krankenhäusern, um Neuigkeiten über den Zustand von Verletzten zu erfahren. Bei dem Lastwagen-Anschlag im Botschaftsviertel der afghanischen Hauptstadt waren gestern mindestens 90 Menschen getötet und mehr als 450 Menschen verletzt worden. Die meisten der Opfer waren Zivilisten. Bislang bekannte sich keine Gruppe zu dem Angriff.

Es war einer der schwersten Anschläge in Afghanistan seit Beginn der internationalen Intervention im Jahr 2001. Die in einem Wassertanker versteckte Bombe war am an einer belebten Straße in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft explodiert, hatte die Straße verwüstet und das Botschaftshaus schwer beschädigt. Ein afghanischer Wächter starb, eine deutsche Diplomatin wurde leicht, eine afghanische Mitarbeiterin schwer verletzt.

"Es ist einfach furchtbar"

Zunächst gehen nun die Identifizierung der Opfer und Ermittlungen zu den Tätern weiter. Der Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums, Mohammed Ismail Kawusi, sagte, die Angaben zu der Zahl der Toten hätten sich seit gestern zwar nicht verändert. Es gebe aber Hinweise auf weitere Opfer. "Wir glauben, dass manche Menschen niemals gefunden werden, weil die Explosion sie in zu kleine Stücke gerissen hat." Einige der Leichen seien kaum zu identifizieren. "Es ist einfach furchtbar", sagte Kawusi.

Offen ist weiterhin, wer für den Anschlag verantwortlich ist. Der afghanische Geheimdienst NDS hatte zuvor eine Stellungnahme veröffentlicht, wonach der Anschlag vom Hakkani-Netzwerk geplant und mithilfe des pakistanischen Geheimdienstes ISI ausgeführt worden sei. Das Hakkani-Netzwerk ist eine besonders brutale afghanische Aufständischengruppe, die eng mit den radikalislamischen Taliban zusammenarbeitet. Afghanistan wirft Pakistan seit Jahren vor, die Hakkanis und die Taliban zu unterstützen.

Beweise legte der NDS zunächst nicht vor. Die Taliban dementierten, dass sie an der Attacke beteiligt gewesen seien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juni 2017 um 07:45 Uhr.

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